Zauner GmbH geschlossen: Trauriges Ende einer langen Firmengeschichte

Dachau - Zaunerdruck - das war in Dachau ein Begriff, der Tradition und Qualität vereinte. Von 1909 bis 1990 war das Unternehmen in Zaunerschem Familienbesitz. Mit der Schließung des Betriebes ist zum Jahresende eine stolze Firmengeschichte zu Ende gegangen.

Oliver Bechtold war der letzte Inhaber der Firma Zauner Druck- und Verlags-GmbH. Er hatte die Geschäftsleitung von seinem Vater Karl Ludwig Bechtold übernommen. Seinen Kunden und Geschäftspartnern musste er schweren Herzens mitteilen, dass er die Produktion aus wirtschaftlichen Gründen zum Jahresende 2011 einstellt. Gegenüber der Heimatzeitung war er nicht gesprächsbereit. Er gab jedoch folgende Erklärung ab:

„Die Firma Zauner Druck und Verlags GmbH hat zum 31. Dezember 2011 aus wirtschaftlichen Gründen die Produktion von Drucksachen komplett eingestellt. Die Entwicklung am Druckmarkt, bestehende Überkapazitäten, Wettbewerb durch Internetdrucker und elektronische Medien haben zu einem starken Preiskampf geführt, den kleine mittelständische Druckereien mit Maschinen im 3b-Format auf Dauer nicht bestehen können. Unsere Suche nach Kooperationspartnern oder Käufern blieb - auch aufgrund der schlechten Marktaussichten sowie wirtschaftlicher Schwierigkeiten möglicher Partner - erfolglos.

Wenn man den brancheninternen Zahlen Glauben schenken darf, wird sich die Anzahl der Druckereien in Deutschland in den nächsten zehn Jahren halbieren - und das trotz der Tatsache, dass in den letzten zehn Jahren schon ein nicht geringer Teil der Druckbetriebe verschwunden ist. Aufgrund dieser Entwicklungen gab es für die Firma Zauner keinerlei Aussicht, die Betriebsergebnisse in Zukunft zum Positiven hin zu verändern.“

Angefangen hatte alles ganz klein. 1909 wurde der aus Bad Tölz stammende Buchbinder Hans Zauner (*1885) in Dachau sesshaft. Mit väterlicher Unterstützung erwarb er von der Witwe Trinkgeld das Anwesen an der Augsburger Straße 9, auf dem bereits ein Buchbinder- und Druckereibetrieb sowie ein Spielwarengeschäft bestand. In genau dieser Kombination brachte er den alten Laden wieder in Schwung. Aus seiner Ehe mit der Dachauer Metzgers- und Gastwirtstochter Auguste Schwarz gingen zwei Kinder hervor: Sohn Hanns (*1911) und Tochter Margarete (*1921).

1914 erwarb Hans Zauner eine erste kleine Druckmaschine. Damit legte er den Grundstein für den späteren renommierten Druckbetrieb.

Zauner engagierte sich neben seinem Handwerk berufsbezogen bei der Buchbinderinnung München und der Handwerksinnung Dachau sowie politisch für die Stadt Dachau. Von 1933 bis 1945 war er zweiter Beigeordneter der Stadt. Und nach Kriegsende wurde er von den Amerikanern zum Ersten Bürgermeister bestellt. Dieses Amt blieb ihm bis 1960.

1956 übergab Hans Zauner im Alter von 71 Jahren seinen Betrieb an seine Kinder: Margarete, verheiratete Kron, erhielt das Spiel- und Schreibwarengeschäft sowie die Handbuchbinderei, sein Sohn Hanns übernahm den Druckereibetrieb und entwickelte ihn zu einem blühenden Unternehmen. Neben dem Druckbetrieb rief er eine Verlagsanstalt ins Leben und brachte Fachzeitschriften sowie eine Reihe von Buchtiteln heraus: wissenschaftliche Bände, Bavarica und Kunstbücher.

Längst reichte die 1928 erstmals und in der Folge mehrmals erweiterte Betriebsstätte an der Augsburger Straße 9 nicht mehr aus. Endlosdruckerei und Fertigmacherei mussten ausgelagert werden. Von der Gottesackerstraße zogen die beiden Abteilungen in die Räume der ehemaligen Schreinerei Weber in der Grubenstraße um. Ende der 60er Jahre standen bei Zaunerdruck über 50 Menschen in Lohn und Arbeit.

Neben dem Berufsethos und den Traditionsbetrieben hatten die Zauner-Kinder auch die über den Tellerrand hinausreichende Verantwortlichkeit mitbekommen: Beide engagierten sich in den verschiedensten Gremien und Verbänden ihres Berufszweigs. Margarete Kron war auch kommunalpolitisch tätig, sie saß für die ÜB im Stadtrat. Sie initiierte auch den Dachauer Kinderfestzug.

Die zweite Generation machte es der ersten nach und legte die Geschäftsführung beizeiten in die Hände der Nachkommen: Margarete Kron übergab 1983 an ihren Sohn Hans Michael, nachdem die ältere Tochter Lieselotte, verheiratete Liebl, im Unternehmen des Ehemannes mitarbeitete.

Hanns Zauner setzte auf seine jüngere Tochter Sabine (*1948) und holte sie beizeiten ins Boot. Sie hatte, wie auch schon Tochter Bärbel (*1943), verheiratete Kipka, eine graphische Ausbildung genossen. Kunstsinnig wie sie war, brachte Sabine Zauner auch die notwendige Affinität für das Verlagswesen mit. Nach dem Tod von Hanns Zauner am 13. Juni 1988 übernahm sie die Geschäftsführung bis Ende März 1990. Sie starb 1994. Ihr einziger Sohn Johannes war noch im jugendlichen Schulalter.

Die Firma samt Ausstattung und Personal hatte sie bereits zum 1. April 1990 an Karl Ludwig Bechtold veräußert. Der neue Inhaber machte zunächst an gewohnter Stätte weiter, verlegte den Betrieb jedoch ab Oktober 1992 komplett in den Neubau an der Otto-Hahn-Straße.

Im Gewerbegebiet Dachau-Ost war eine hochmoderne Produktionsstätte entstanden, die mit Computer- und Digitaltechnik höchste Ansprüche erfüllte. Darüber wurde die Tradition nicht vergessen: Der Brauch der Gautschfeiern war zur Seltenheit geworden, beim Zaunerdruck jedoch noch gepflegt.

Im Jahr 2000 konnte dort Inhaber Karl Ludwig Bechtold nach zehn Jahren mit Mitarbeitern und Geschäftspartner den Erfolg seiner Firma feiern. Längst hatten die Offsettechnik und die digitale Druckvorbereitung Einzug gehalten. Die Maschinen waren über die Jahre größer und leistungsfähiger geworden, die Technik schneller und effektiver - die Anzahl der Beschäftigten im Gegenzug um einiges weniger.

Der Markt veränderte sich. Besonders im graphischen Gewerbe gab es gravierende Umbrüche, die der Fortschritt von moderner Computertechnik und Digitalisierung mit sich brachten. Ganze Marktsegmente brachen weg. Mittlere und kleinere Betriebe hatten es besonders schwer, zu überleben.

Karl Ludwig Bechtold und seine Familie haben gekämpft, Nischenplätze gefunden. Trotzdem sind inzwischen in der modernen Maschinenhalle an der Otto-Hahn-Straße die Lichter ausgegangen. Oliver Bechtold, zuletzt Geschäftsführer der Firma Zauner Druck- und Verlags-GmbH, hat, wie es ein unmittelbarer Nachbar ausdrückt, „die Reißleine gezogen“. (don)

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