Prozess gegen Karlsfelder am Dachauer Amtsgericht

Zwillinge um Omas Erbe betrogen?

Dachau - Ein Geschwisterpaar ist von drei Männern um einen Großteil des gemeinsamen Erbes ihrer Großmutter gebracht worden. 380 000 Euro sind spurlos verschwunden. Einer der drei Männer steht derzeit in Dachau vor Gericht. Dort wurde das ganze Drama um die Zwillinge offenbart.

Es ist eine traurige Geschichte vom Ausnutzen menschlicher Schwächen, die sich gleichzeitig vor den Amtsgerichten Dachau und München abspielt. Es geht um Tricksen, Täuschen und Drohen. Die Staatsanwaltschaft hat drei Männer vor Gericht gebracht. Sie sollen Zwillinge (34) um insgesamt 380 000 Euro geprellt haben. Über einen aus dem Trio wird in diesen Tagen in Dachau gerichtet. Der Karlsfelder (29) mit italienischen Wurzeln muss sich wegen Betrugs verantworten. Alles beginnt mit dem großen Traum der Zwillinge Hans und Heidi S. aus München (Namen geändert), irgendwo im Norden Münchens ein Haus mit einer Wohnung für jeden zu bauen. Geld dazu hatten der Mechaniker und die Verkäuferin. Sie hatten von ihrer Großmutter Aktien im Wert von rund 380 000 Euro sowie ein Bargeldkonto in der Schweiz mit 200 000 Franken geerbt. Über einen gemeinsamen Bekannten gerät Hans S. 2012 an den Karlsfelder, der eine Heizungstechnikfirma leitet, beste Verbindungen zur Baubranche besitzt und (angeblich) gerne mit den Zwillingen ein Mehrfamilienhaus bauen möchte. Hans S. und der Karlsfelder schließen zwei „Bauverträge“ ab. Und sie legen fest, dass Hans S. eine Anzahlung auf ein gemeinsames Konto zu zahlen hat. Knackpunkt des Prozesses ist: Hat Hans S. tatsächlich Geld an den Karlsfelder übergeben? Hans S. sagt: ja, der Karlsfelder: nein. Tatsache ist, dass Hans S. mit dem Bekannten und einem weiteren Mann 2012 in die Schweiz reiste und das Konto der Oma auflöste. Er hatte dabei eine Vollmacht seiner Schwester, die ihm vertraute, in der Tasche. Im Juni 2012 fuhren Hans S. und sein Bekannter zur Filiale der Sparkasse Dachau in der Schleißheimer Straße. Dort trafen sie den Karlsfelder, der seinen Vater (66) mitgebracht hatte. Hans S. behauptet, er habe dem Karlsfelder vor der Bank das Geld übergeben, das er zuvor aus der Schweiz geholt hatte, damit dieser das Geld auf das gemeinsame Konto einzahlt. Der Karlsfelder sagt, in dem Umschlag hätten sich nur die „Bauverträge“ befunden, aber kein Geld. In die Bank sei er nur gegangen, um ein Schließfach für seine Familie zu eröffnen. Diese Version bestätigte sein Vater vor Gericht. Ebenfalls als Zeugen geladen waren der Bekannte und der dritte Mann. Sie erschienen jedoch nicht. Gegen beide Männer läuft in München ein Prozess wegen Betrugs und räuberischer Erpressung. Richter Lukas Neubeck gab in diesem Zusammenhang das gesamte Ausmaß des Dramas um die Zwillinge preis. Hans S. war um das Jahr 2012 wegen eines Burnout-Syndroms so krank, „dass man mit mir alles hätte machen können“. Und genau das taten die beiden Angeklagten laut den Akten. Nicht nur, dass niemals Pläne für das geplante Mehrfamilienhaus existierten, die beiden Männer sollen Hans S. laut Anklage immer wieder zu dubiosen Geschäften überredet haben. Mal brauchten sie Geld für die Eröffnung eines gemeinsamen Lokals, mal für den Lebensmittelhandel mit Südtiroler Spezialitäten. Beim Kauf von Gold brachten sie den willenlosen Hans S. sogar dazu, dass er ihnen die zuvor abgekauften Barren einfach wieder zurückgab. Von allen Abmachungen wollte Schwester Heidi S. nach eigenen Angaben keine Ahnung gehabt haben. Wie viel Geld aus dem Erbe bis heute verschwunden ist, wurde nicht bekannt. Es sind mindestens 380 000 Euro. Erst 2014 zeigten die Zwillinge den Karlsfelder, den Bekannten und den dritten Mann bei der Polizei an. Von den Träumen, die Hans und Heidi S. einst hatten, ist nichts geblieben. Hans S. drückte es so aus: „Es ist ein Luftschloss, das wir gekauft haben.“ Beide Prozesse werden fortgeführt.

Thomas Zimmerly

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