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Die Prozession am Gedenktag führte zu allen Mahnmalen der Gemeinde und durch die seit dem Massaker im Jahr 1944 unberührte Ruinenstadt.

Die Freundschaft ist gewachsen

Dachauer beim 75. Gedenkfeier des Massakers von Oradour: „Wir sind als echte Freunde anerkannt“

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Der damalige Oberbürgermeister Peter Bürgel und 15 Schüler des JEG waren vor zehn Jahren die ersten Dachauer, die an einer Gedenkfeier in Oradour-sur-Glane teilnahmen. 1944 hatte eine SS-Einheit fast alle Einwohner in dem Örtchen auf grausame Art ermordet. Heute ist eine Freundschaft zwischen den beiden Städten gewachsen.

Oradour/Dachau– „Wir können stolz sein, dass wir dort als echte Freunde anerkannt sind“, sagtWolfgang Moll. Der Stadtrat und Referent für Tourismus und Städtepartnerschaften hat die Stadt am vergangenen Montag bei der 75. Gedenkfeier des Massakers von Oradour vertreten.

„Eine besondere Freundschaft verbindet Dachau und Oradour“, sagt Wolfgang Moll. Diese Freundschaft ist auch Robert Hébras (r.) sehr wichtig.

220 SS-Männer marschierten während des Zweiten Weltkrieges am 10. Juni 1944 in das kleine Städtchen rund 200 Kilometer nordöstlich von Bordeaux – und töteten 642 Menschen. Sie sperrten die Frauen und Kinder in der Kirche ein und zündeten das Gotteshaus an. Die Männer richteten sie in einer Scheune hin. Nur sechs Einwohner überlebten, etwa Robert Hébras, der unter den Leichen seiner erschossenen Kameraden liegen blieb, dazu eine Handvoll Glücklicher, die sich in die Wälder retten konnten. Die Gründe für das Massaker sind bis heute nicht geklärt. Bevor Hitlers Schutzstaffel den Ort verließ, legte sie ihn in Schutt und Asche.

Die Überlebenden haben seit dem Anschlag nichts verändert. Sie bauten in Sichtweite zu den Ruinen neue Häuser. Heute hat Oradour-sur-Glane knapp 3000 Einwohner.

Dachau pflegt seit dem Jahr 2009 einen Kontakt zu der Kleinstadt nahe Limoges. Der frühere Oberbürgermeister Peter Bürgel war zusammen mit einigen Schülern von Raymond Frugier, damals Bürgermeister von Oradour, eingeladen worden. Vor fünf Jahren machte sich eine Gruppe Dachauer Radsportler zusammen mit französischen Radfahrern zu einer „Versöhnungsradfahrt“ auf den Weg von Dachau nach Oradour, auf Initiative von Wolfgang Moll. Seitdem wuchs das freundschaftliche Verhältnis mit regelmäßigen Besuchen auch abseits der Gedenkfeiern.

Zum 75. Gedenktag waren „Jugendliche aus vielen Teilen Europas sowie so viele deutschsprachige Vertreter und Touristen wie nie zuvor präsent“, schildert Moll. Die Stadt Oradour habe mit ihrer Erinnerungsarbeit in den vergangenen Jahren neue Wege eingeschlagen, die nun erste Früchte zeigen, so Moll: „Jugend, Vereine und Gesellschaft wurden intensiver miteingebunden.“

Die Feierlichkeiten begannen mit einer Messe in der Kirche der Kleinstadt. Im Anschluss erinnerte Bürgermeister Philippe Lacroix an die Einzelheiten der Grausamkeiten von vor 75 Jahren am Rathaushausplatz. Er setze die Hoffnung in die Jugend, dass sie die Erinnerungsarbeit weiterführt. Anschließend ging es in einer Prozession zu allen Mahnmalen der Gemeinde und durch die seit 1944 unberührte Ruinenstadt. Dort endete der Gedenktag mit der Niederlegung der Kränze, darunter der der Stadt Dachau.

„Eine besondere Freundschaft verbindet Dachau und Oradour“, so Wolfgang Moll. Er sei stolz, Teil davon zu sein. „Wir müssen alles daran setzen, dieses beeindruckende Verhältnis auch weiterhin nach Kräften und Möglichkeit zu pflegen.“

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