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Tatort-Auge Horst Lettenmayer

Zur 100. Tatort-Folge

Ein Dachauer ist das Auge der Nation

Seit Tag eins dabei: Der Dachauer Horst Lettenmayer ist Hauptdarsteller in Deutschlands bekanntestem TV-Vorspann. 

Horst Lettenmayer war noch keine 30 Jahre alt, als er Fernsehgeschichte schrieb. Für den Vorspann zu einem „Pilotfilm“ einer neuen ARD-Reihe schaute er vor mehr als 46 Jahren in die Kamera und rannte auf dem damaligen Münchner Flughafen in Riem immer wieder auf dem Asphalt hin und her, während seine Beine gefilmt wurden. Weil damals noch niemand wusste, dass aus diesem „Pilotfilm“ die erfolgreichste und bekannteste deutsche Krimireihe werden würde, bekam und akzeptierte er damals 400 DM als Gage für den Tagesjob.

Lettenmayer ist das „Tatort“-Auge. Das Augenpaar, das im Vorspann des ARD-Krimis zur Musik von Klaus Doldinger in die Kamera schaut, ist seins. Egal, ob danach Maria Furtwängler, Axel Milberg, Til Schweiger oder Jan Josef Liefers ermitteln – der 75-Jährige ist seit nunmehr 1000 Folgen immer der Erste, den die Zuschauer erblicken, wenn sie sonntags um 20.15 Uhr das Erste einschalten.

„Ich schau’ Euch jeden Sonntag ins Schlafzimmer“, sagt Lettenmayer der Deutschen Presse-Agentur in seinem Haus in Dachau. „Der Voyeur der ARD.“

In seinem Büro zeugt eine Trophäe mit dem berühmten „Tatort“-Fadenkreuz von der bekanntesten Rolle des früheren Schauspielers. Die habe er bei einer Party zur 300. „Tatort“-Folge in Köln bekommen – eine der wenigen Anerkennungen, die die ARD für ihn übriggehabt habe.

Sein juristischer Kampf für mehr Geld, eine nachträgliche Beteiligung am großen „Tatort“-Erfolg und – wie er sagt – vor allem um mehr Anerkennung ging nicht zu seinen Gunsten aus. „Es geht dabei ums Prinzip“, sagt Lettenmayer, der auch dem Ameisenoffizier in der „Biene Maja“-Serie seine Stimme geliehen hat. Um die geistige Leistung eines Schauspielers.

Das Gericht, sagt Lettenmayer, habe ihn damals gefragt, ob er auf der Straße allein an seinen Augen erkannt werde. Das sei allerdings noch nie vorgekommen. Auch eine kleine Rolle in der Episode „Der Pott“ an der Seite von Götz George als Horst Schimanski in den 80er Jahren brachte nicht den erhofften Durchbruch als Schauspieler.

Um Geld zu verdienen, konzentrierte sich Lettenmayer auf seine Fähigkeiten als Elektrotechniker und die Lampen-Firma, die er aufgebaut hat, die Betec Licht-AG in Dachau-Ost. Sie hat sogar das britische Königshaus als Kunde, so Lettenmayer: „Unsere Lampen hängen im Schloss Balmoral.“ Das Unternehmen gibt es seit 38 Jahren; gerade ist er dabei, an seine Tochter zu übergeben.

Von Lettenmayers Schauspielkarriere ist der Vorspann geblieben, in Zeiten immer häufiger wechselnder Ermittlerteams die einzig wirkliche Konstante der kultigsten Krimireihe im deutschen Fernsehen. „Die ARD hat das 32-Sekunden Filmchen nie wirklich verändert“, schreiben die Experten vom „Tatort-Fundus“. Während andere Fernseh-Flaggschiffe wie die „Tagesschau“ sich optisch der Zeit anpassten, stehe der „Tatort“-Vorspann „sozusagen unter Fernseh-Denkmalschutz“.

Wirklich gut findet Lettenmayer das nicht, ebenso wenig wie den Hamburger „Tatort“ mit Til Schweiger („Das ist kein „Tatort“ mehr, das ist ein kalifornisches Gemetzel“). Auch wenn er dadurch wahrscheinlich öfter im deutschen Fernsehen zu sehen ist als Schweiger und Liefers zusammen, sagt er: „Tatsächlich gehört der Vorspann erneuert.“ Der alte passe heute einfach überhaupt nicht mehr zu dem Format. „Aber die Leute wollen nun mal die Augen sehen...“

Bettina Schultejans

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