Die alte Brücke bei Mitterndorf: ein Farbholzschnitt von Thiemann. repros: br

Der Dachauer Meister des Farbholzschnitts

Dachau - Heute vor 50 Jahren, am 3. Dezember 1966, verschied der bedeutendste deutsche Meister des Farbholzschnittes, Carl Thiemann, nach langem Leiden im Kreiskrankenhaus Deutenhofen. Mit ihm verlor Dachau einen seiner profiliertesten Künstler.

Carl Theodor Thiemann wurde am 10. Dezember 1881 in Karlsbad geboren. Erst nach zehnjähriger Tätigkeit als Kaufmann war ihm von 1905 bis 1908 das Studium als Maler an der Prager Kunstakademie möglich. In dieser Zeit lebte er zumeist in dem Dorf Libotz bei Prag und unternahm hier, ganz auf sich selbst gestellt, Versuche in graphischen Techniken wie der Radierung, der Lithographie und dem Holzschnitt, insbesondere dem Farbholzschnitt, der um die Jahrhundertwende von Japan her Aufmerksamkeit erregte.

1908 übersiedelte er nach Dachau, wo er sich 1922 in der Künstler-Kolonie ein Haus mit Atelier baute (heute Hermann-Stockmann-Straße 20). Größere Studienreisen führten ihn nach Oberitalien, Südfrankreich, Holland, Belgien und in die Schweiz. Neben Ölgemälden, Pastellen, Aquarellen und Handzeichnungen widmete er sich der ständigen Verfeinerung seiner Farbholzschnitt-Technik und des Handdrucks in reinen Wasserfarben mit zum Teil fünf bis acht Holzstöcken. Themen seiner Blätter waren Architektur- und Städtebilder, Landschaften mit starkem Stimmungsgehalt, Marine, Blumen und Tiere.

Als Darsteller des Stadtbildes von Dachau und seiner Mooslandschaft hat er sich besondere Verdienste und Volkstümlichkeit erworben. Unzählige solcher Dachauer Ansichten gingen in die Welt. Thiemanns Schwarz-Weiß-Holzschnitte erschienen vielfach unter Zyklen (z.B. Dinkelsbühl, Brügge, Nürnberg, Prag) und brachten seinen kraftvollen Schnitt in Langholz besonders zur Geltung. Alle seine Holzschnitte schnitt und druckte ausschließlich selbst.

Trotz seines außerordentlich fruchtbaren Kunstschaffens nahm sich Thiemann stets auch aktiv der kulturellen Probleme seiner Zeit an und trat in Wort und Schrift an die Öffentlichkeit. 1910 wurde er Mitglied des Deutschen Künstler-Bundes Weimar, 1913 Mitglied des Bundes Österreichischer Künstler in Wien, 1918 korrespondierendes Mitglied zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen und Prag. 1927 wurde er Gründungs- und Vorstandsmitglied der Künstler-Vereinigung Dachau.

Kurz vor seinem Tod setzte er sich und seiner Wahlheimat mit seinem Werk „Erinnerungen eines Dachauer Malers“ ein literarisches Denkmal von bleibendem Wert. 1961 erhielt Carl Thiemann das Bundesverdienstkrauz, 1966 die Landkreismedaille und den Goldenen Ehrenring der Stadt Dachau. Heute trägt auch eine Grünanlage in Dachau-Ost seinen Namen.

Carl Thiemann blieben Schicksalsschläge nicht erspart. 1950 starb seine Tochter Margarete, ebenfalls Malerin, mit nur 41 Jahren, 1957 seine Frau Louise. In zweiter Ehe heiratete Thiemann die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Ottilie Rady (1890 bis 1987), die sein Andenken liebevoll pflegte. Das Familiengrab befindet sich im Dachauer Waldfriedhof.

(br)

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