Landrat Stefan Löwl
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„Alles was möglich war, haben wir getan. Moussa Nomoko war ausreisepflichtig“, sagte Landrat Stefan Löwl.

Der Fall Moussa Nomoko im Landkreis Dachau

Abgeschoben trotz gelungener Integration

  • VonDaria Gontscharowa
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Moussa Nomoko, ein Asylbewerber mit fester Anstellung in einer Bäckerei, musste Hebertshausen verlassen und in sein Heimatland Mali zurückkehren. Der Fall wirbelte viel Staub auf.

Der Fall Moussa Nomoko lenkte die Aufmerksamkeit auf ein altbekanntes Problem: Gut integrierte Menschen, die seit Langem in Deutschland leben und arbeiten, deren Asylantrag jedoch abgelehnt wurde, haben kein Bleiberecht.

Nomoko war zu einem Gespräch ins Landratsamt bestellt worden. Asylhelfer Raimund Popp aus Hebertshausen begleitete ihn. Doch dann kam die Polizei, die Handschellen klickten und noch in der Nacht wurde Nomoko nach Mali abgeschoben. Popp durfte nur noch ein paar Habseligkeiten aus Nomokos Wohnung holen, aber sich nicht mehr verabschieden. Der junge Mann, der hier wie ein Krimineller behandelt wurde, war laut Landrat Stefan Löwl (CSU) seit eineinhalb Jahren ausreisepflichtig. Nomoko war 2013 als Analphabet aus Mali nach Deutschland gekommen. Also galt es, nicht nur Deutsch, sondern auch Lesen und Schreiben zu lernen. Bei Bäckermeister Ludwig Kloiber in Petershausen machte er dann eine Bäckerlehre. Im Praktischen war er gut und bestand auch den diesen Teil der Gesellenprüfung. Aber er scheiterte zweimal im Fach Sozialkunde. Ergo galt seine Lehre als nicht bestanden und der Schutz von drei Jahren Ausbildung und zwei Jahren anschließender Arbeit im Beruf in einem deutschen Betrieb war für Nomoko dahin. Denn Mali gilt als „sicheres Herkunftsland“. Deshalb war schon sein Asylantrag abgelehnt worden und er nur noch geduldet.

Trotz zwei gescheiterten Sozialkundeprüfungen hatte Bäckermeister Thomas Polz aus Ampermoching auf seiner ständigen Suche nach Fachkräften für seine Ökobäckerei Nomoko eingestellt. Polz lobte ihn als „fleißig und zuverlässig“. Er besorgte seinem Mitarbeiter sogar eine Wohnung. Nomoko verdiente sein eigenes Geld, lag niemandem auf der Tasche und integrierte sich vorbildlich. Drei Jahre ging das gut. Und jetzt die Abschiebung und Bäckermeister Polz weiß nicht mehr wie er seine Personallücke schließen soll. Das macht nicht nur Polz wieder einmal fassungslos, denn das war nicht das erste Mal, dass einer seiner Mitarbeiter plötzlich abgeschoben wurde. Vor zwei Jahren erhielten Polz und seine Frau Sabine eine Auszeichnung für vorbildliche Integrationsarbeit. Die gab das Ehepaar jetzt zurück. Auch Peter Barth vom Asylhelferkreis Hebertshausen sollte beim Ehrenamtsempfangs des Landkreises vergangene Woche für seine Arbeit geehrt werden. Doch der lehnte das jetzt als Farce ab.

Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl (CSU) schimpfte, das habe mit „christlich“ nichts mehr zu tun und beeinträchtige die Glaubwürdigkeit der CSU. SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Schrodi schrieb Landrat Löwl einen offenen Brief und kritisierte den „überfallartigen“ Vollzug, bevor Nomoko sein Klagerecht gegen den Abschiebebescheid wahrnehmen konnte. Das sei inakzeptabel und bedürfe der Aufklärung. Deshalb bat er den Landrat um ein persönliches Gespräch. Löwl verteidigte sich auf Nachfrage der DACHAUER RUNDSCHAU: „Alles was möglich war, haben wir getan. Moussa Nomoko war ausreisepflichtig. Das ist die Gesetzeslage und ich muss nach Recht und Gesetz vorgehen, alles andere wäre Willkür. Auch meine Mitarbeiter werde ich nicht zum Gesetzesbruch anleiten. Ich halte dieses Gesetz auch für falsch, doch das muss man politisch ändern. Aber da gibt es keine Mehrheit. Das ist Demokratie.“

Nomoko habe versucht, das Landratsamt auszutricksen indem er vorgab, keinen Reisepass zu besitzen. Erst als er meinte, jetzt nicht mehr abgeschoben zu werden, habe er an dem Tag doch einen Pass vorgewiesen.

Eine politische Änderung verlangt auch Schrodi mit einem Einwanderungsgesetz. Mit einer Bleibeperspektive für Menschen wie Nomoko und einem Einwanderungsgesetz.

Jetzt bleibt Nomoko nur die Möglichkeit, bei der deutschen Botschaft in Bamako, der Hauptstadt Malis, ein Visum nach dem Fachkräfte-Einwanderungsgesetz für die Bundesrepublik zu beantragen und dann eventuell auf eigene Kosten wieder einzureisen.

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