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Vom Dachauer Schloss in die Landsberger Straße in München – und das in neun Minuten: Damit prahlen Raser. Die Stadt will nun vermehrt blitzen. 

Bürgerantrag abgelehnt

Dachauer Verkehrsausschuss ist gegen Tempo 30 – und gegen Raser

Dachaus Bürger sind sich einig: Um den Lärmpegel auf den Hauptverkehrsstraßen in der Nacht zu senken, soll eine Tempo-30-Beschränkung her. Aber der Verkehrsausschuss sieht das anders: Eine Mehrheit lehnte den Antrag der Bürgerversammlung ab. Problem seien nicht die Tempo-Regelungen, sondern die Raser.

Dachau – In der Bürgerversammlung in der Altstadt waren sich die Anwohner einig: Sie wollten eine Ausweitung der Tempo-30-Begrenzung zwischen 22 und 6 Uhr für die gesamte Ludwig-Thoma-Straße und in der Münchner Straße bis auf Höhe der Hermann-Stockmann-Straße. Doch der Verkehrsausschuss des Stadtrats hat den Antrag in seiner Sitzung am Donnerstagnachmittag abgelehnt. Sehr zum Unwillen von Manfred Wickjürgen, der den Antrag gestellt hat.

Schon am Anfang der Debatte kristallisierte sich heraus, dass es sich um zwei unterschiedliche Sichtweisen handelte: Die einen sind überzeugt, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung auch Lärm reduziert, die anderen meinen, dass nur die Raser Lärm verursachen.

Volker C. Koch (SPD) stellte sich auf die Seite der Bürger: Er halte die Tempo-Reduzierung für sehr sinnvoll und plädierte sogar für eine Erweiterung der Tempo-30-Beschränkung, bis hin zum Ende der Münchner Straße am Orstausgang Richtung Karlsfeld.

Peter Strauch (CSU) sah das anders und sprach in diesem Zusammenhang von einer „unzumutbaren Gängelung der Autofahrer“. Außerdem wies er auf ein Lärmgutachten hin, das besagt, dass solch eine Temporeduzierung „lediglich“ zwei Dezibel an Geräuschreduzierung bringe. Das Problem seien also nicht die, die 50 Stundenkilometer fahren, sondern die, die rasen. Seine Lösung: der Einsatz von Blitzern.

Bernhard Sturm (Bündnis) hielt dagegen: Genau jenes Lärmgutachten besagte, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung mit der Senkung um zwei Dezibel sehr wohl viel bringen würde: Denn genau diese zwei Dezibel Unterschied würden den Lärm gefühlt um die Hälfte reduzieren.

Nach längerem Hin und Her wurde schlussendlich abgestimmt. Mit fünf (SPD, Grüne und Bündnis) zu neun Stimmen wurde zuerst Kochs Antrag für die größere Ausweitung des Tempo-Limits abgelehnt. Und auch dem zweiten Antrag der Bürger wurde mit sechs (diesmal plus OB) zu acht Stimmen nicht stattgegeben.

Manfred Wickjürgen war nach der Sitzung schwer enttäuscht: „Klar geht es schon auch um die Raser, aber das eigentliche Thema ist doch die Tempo-30-Begrenzung.“ Auch er wies auch das Lärmgutachten hin: „Ich kapiere nicht, warum man sich erst ein Gutachten holt, nur um es dann zu negieren.“ Nichtsdestotrotz stimmte Wickjürgen dem Gebrauch von Blitzern zu: „Es müssen aber mobile Blitzer sein, die intelligent eingesetzt werden, sonst verlagert man das Problem nur.“

Oberbürgermeister Florian Hartmann hatte schon in der Sitzung versichert, dass er die Geschwindigkeitskontrollen im Stadtgebiet erhöht hat. Dies sei dringend nötig gewesen, denn ein enormes Problem bestünde Hartmann zufolge auch in den von den Rasern veranstalteten Autorennen auf der Strecke München/Dachau. In der Recherche-Sendung Kontrovers des Bayerischen Rundfunks habe ein Mitglied der Raser-Szene damit geprahlt, nur neun Minuten vom Schloss Dachau bis zum 20 Kilometer entfernten Bauhaus in München zu brauchen. Die Stadt Dachauwurde dabei explizit als Standort illegaler Wettrennen genannt.

Wegen vieler Beschwerden von Bürgern über nächtliche Raserei hat Hartmann schon im Mai vermehrt nächtliche Geschwindikeits-Kontrollen veranlasst. Die Ergebnisse werden nun ausgewertet. Dann werde Hartmann dem Stadtrat eine entsprechende Aufstockung des Budgets für das kommende Haushaltsjahr vorschlagen – für stationärer Blitzer. „Wir brauchen mehr Kontrollen“, wie der OB in einer Pressemitteilung erklärte. „Es hilft nichts, hier die Augen zu verschließen, bis etwas passiert. Wir stehen hier in der Verantwortung.“

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