Lernen fürs Leben: Peter Reiz unterrichtet junge Flüchtlinge. foto: ans

Damit sie nicht der Teufel holt

Karlsfeld - In ihrer Heimat gilt zum Beispiel Linksverkehr. Nur einer von vielen Unterschieden zu Deutschland. Was es sonst auf der Straße zu beachten gibt, erklärt Peter Reiz Asylbewerbern im Verkehrsunterricht. Damit sie nicht der Teufel holt.

„Was heißt eigentlich Kreisverkehr auf Englisch? Oder abknickende Vorfahrt?“ Diese Fragen stellt sich der Karlsfelder Peter Reiz bei seinem Fahrradunterricht für Flüchtlinge. Denn die rund sechs Verkehrslektionen finden auf Englisch statt, ein paar deutsche Begriffe fallen aber trotzdem. Schnell findet der 65-Jährige Umschreibungen für die verkehrsspezifischen Wörter, zum Beispiel „circle“, der Kreis für Kreisverkehr, oder bei abknickender Vorfahrt erklärt „Fahrlehrer“ Peter Reiz einfach, wer an der Kreuzung zuerst fahren darf.

Im Konferenzraum des Bürgerhauses Karlsfeld sitzen 15 junge Männer und hören aufmerksam zu. Es geht um das richtige Verhalten im Straßenverkehr: Vorfahrtsregeln, Verkehrszeichen, Ampelführung und vor allem Sorgfalt im Straßenverkehr. Das hört sich zwar trocken an, muss es aber gar nicht sein, denn kleine Späße gehören beim ehrenamtlichen Lehrer Peter Reiz genauso dazu: „Das Problem mit dem Handy ist, entweder bezahlst du eine Strafe oder mit deinem Leben“, witzelt der Karlsfelder und meint es gleichzeitig auch ernst.

Der 65-Jährige ist im Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. (ADFC) und organisiert gemeinsam mit Gerd Brenneisen den Fahrradunterricht für Flüchtlinge, die in der Gemeinschaftsunterkunft im Karlsfelder Gewerbegebiet untergebracht sind. „Wir haben uns überlegt, diese Leute nehmen tausende Kilometer lang Strapazen auf sich, um hier auf dem Fahrrad zu sterben. Die Straßen in Karlsfeld sind viel gefährlicher als im Hinterland. Da holt sie doch der Teufel“, sagt Reiz. Deswegen wollen Brenneisen und er den jungen Männern Schritt für Schritt, einmal pro Woche, die Verkehrsregeln insbesondere für Fußgänger und Fahrradfahrer erklären. In einem abschließenden Test sollen die Verkehrsschüler dann ihr gelerntes Wissen anwenden.

Nasir Hussein aus Pakistan ist froh, dass er beim Fahrradunterricht mitmachen kann. Denn mittlerweile ist er schon seit drei Monaten in Deutschland und freut sich endlich etwas zu lernen: „In Pakistan fährt man zum Beispiel auf der linken Seite. Heute haben wir aber besprochen, dass man in Deutschland immer rechts fährt.“

Einige Verkehrsschilder kennen Nasir und seine Freunde schon aus ihrer Heimat, etwa das Stoppschild. Neu für die vier Pakistanis aus der ersten Reihe war aber zum Beispiel das gelbleuchtende Vorfahrtsschild.

Der Fahrradunterricht wird nicht theoretisch bleiben. In den nächsten Stunden sollen interessierte Asylbewerber auch selbst am Drahtesel schrauben. Ziel ist es, dass die jungen Männer lernen, wie zum Beispiel ein Reifen geflickt wird und sie ihr Rad selbst reparieren können.

Allerdings haben die meisten noch kein Fahrrad. Außerdem fehlt es noch an Werkzeugen für den praktischen Unterricht am Rad.

Anna Schwarz

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