Dann steht der Süden Dachaus unter Wasser

Dachau - Über 100 Jahre alt ist der Damm am Gündinger Wehr bereits - und er könnte beim nächsten Hochwasser brechen. Das hat das Wasserwirtschaftsamt bestätigt. Hält der Erdwall den Fluten nicht stand, dann könnte das Wasser sogar den Süden Dachaus überschwemmen. Stadtrat August Haas beklagt Versäumnisse seitens der Politik und Behörden.

Etwa 80 Zentimeter hoch würde das Wasser rund um das Dachauer Hallenbad und den anliegenden Straßen stehen, beschreibt CSU-Stadtrat und Landwirt August Haas (54) ein Schreckensszenario. „Wenn es noch einmal zu so einem Amper-Hochwasser wie 1999 kommt, wird der Damm in der Nähe des Gündinger Wehrs brechen“, berichtet August Haas und zeigt auf den mit Erde und Fels aufgeschütteten Spazierweg entlang der Amper am Gündinger Wehr. Das habe Haas bei einem Gespräch über die ausgewiesenen Überflutungsflächen in Dachau von Josef Höschl vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt erfahren.

Das Gündinger Wehr wurde 1902 noch unter der Planung von Oskar von Miller gebaut. „Gleichzeitig ist wahrscheinlich auch der Damm entstanden und seitdem nicht mehr wirklich verändert worden“, sagt Landwirt und Stadtrat August Haas. Daher habe Josef Höschl vom Wasserwirtschaftsamt große Überflutungsflächen ausgewiesen. Auch der Bauernhof von August Haas im Dachauer Moos würde bei einem Dammbruch überschwemmt werden - was Haas natürlich beunruhigt.

Außerdem macht sich der CSU-Stadtrat Sorgen über die Situation innerhalb der Stadt, denn über den Himmelreichweg würde das Hochwasser an der Amper bis ins südliche Dachau laufen. Auf einem Plan des Wasserwirtschaftsamtes zeigt Haas auf rot eingezeichnete Häuser. Sie alle würden überschwemmt werden. Haas: „Es würde den Ascherbachweg, die untere Holzgartenstraße, die Flächen rund um das Hallenbad am Alten Wehr und die Ludwig-Dill-Straße bis zur Scheibner-Schule betreffen.“

Darunter seien auch städtische Gebäude. Trotzdem fühle sich niemand für die Verbesserung des Hochwasserschutzes zuständig, so Haas. „Das Wasserwirtschaftsamt nimmt das Risiko eines Dammbruchs billigend hin, und dem Kraftwerksbetreiber des Wehrs, also den Stadtwerken Dachau, ist die Gefahr nicht wirklich bewusst. Aber die Stadt müsste den Damm sichern und die Gefahren beseitigen“, meint Haas.

Dachaus Bürgermeister Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) hingegen sagt, dass das Problem seit langem im Werkausschuss angepackt werde: „Die Gefahr eines Dammbruchs besteht ja nicht erst seit einem Monat, sondern schon seit zwölf Jahren - also auch schon unter dem ehemaligen Oberbürgermeister Peter Bürgel.“ Und so betont er: „Gustl Haas braucht keine Schuldzuweisungen machen. Es ist einfach ein Problem, das erledigt werden muss.“

Haas hingegen berichtet von einem Gespräch bei den Stadtwerken, bei dem er folgendes zu hören bekommen habe: Wir tun ja etwas für den Hochwasserschutz, aber wir haben immer Probleme mit dem Umweltschutz. Denn für einen neuen Damm müsse am Gündinger Wehr alles bewuchsfrei sein. Zudem müssten einige Bäume gefällt werden, so der Stadtrat.

Der technische Leiter der Stadtwerke Gerald Nübel beruhigt: „Die Planungen für die Baumaßnahmen am Gündinger Wehr laufen schon seit letztem Jahr. Wir arbeiten dabei mit der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes und dem Wasserwirtschaftsamt zusammen. An manchen Stellen stellt uns der Umweltschutz zwar mit allen möglichen Auflagen vor Probleme, aber wir versuchen zum Beispiel mit Spundwänden einen Spagat zu machen“ - damit weniger Bäume gefällt werden müssen.

Die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes mache regelmäßig Voruntersuchungen am Gündinger Wehr und prüfe, ob mit einem neuen Damm zu sehr in die Natur eingeriffen werde, so Sachgebietsleiter Alexander Wolfseder. „Wir nehmen die Belange der Dammsicherheit ernst, und gleichzeitig ist es unser Bestreben, den Lebensraum für Vögel und Fledermäuse und den Naturhaushalt weiter zu erhalten“, so Wolfseder. Und Richard Müller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes München, ergänzt: „Es gibt eben viele alte Dämme, die den technischen Standards nicht mehr entsprechen und zum Beispiel nicht mehr hoch genug sind. Sie sind einfach nicht für ein Jahrhunderthochwasser gebaut worden.“ Daher sollten die großzügig ausgewiesenen Überflutungsflächen einen „Anstoß geben, damit sich etwas tut“, so Richard Müller. Nämlich: dass Stadtwerke und der Naturschutz aufeinander zugehen.

Anna Schwarz

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