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„Oba griaß di, oba griaß di, i hob di so gern“ : Inge Axtner (r.) singt und spielt inmitten der Kindergartenkinder. Bei Berufspraktikantin Michaela Wörl (hinten) dürfen die Kinder Bayerisch reden – sie werden sogar dabei gefördert. foto: mw

Aktion im Kinderhaus Einsbach

„De verstäht fei bloß Boarisch“

Im Einsbacher Kinderhaus werden die Kinder zur Zweisprachigkeit erzogen: Deutsch und Bayerisch.

Einsbach– Stühlchen an Stühlchen sitzen die Kleinen der Gruppe Wirbelwind des Kinderhauses Einsbach zusammen. Geschlossen wird der Stuhlkreis von einem Tisch, auf dem eine Zither liegt. Inge Axtner streift sich den Zitherring über den rechten Daumen und spielt die ersten Töne. Mit offenen Mündern beobachten sie die Kleinen.

Viele Mädchen sind wie die Musikantin im Dirndl gekommen, auch ihre Kindergärtnerin, die Berufspraktikantin Michaela Wörl. Von den Buben hat aber nur einer eine Lederhose an: Korbinian, er ist eins der drei Enkelkinder von „Oma Inge“, die sich dicht neben sie gesetzt haben. Oma Inge ist auf Wunsch von Michaela Wörl gekommen, um mit den Kindern zu singen. Es sind bayerische Lieder wie „Oba griaß di, oba griaß di, i hob di so gern“, oder „Giggal, Goggal drom auf´n Mist, juhee“. Denn Michaela Wörl hat es sich zur Aufgabe gemacht, die bayerische Sprache mit den Kindern zu pflegen. Damit sie sozusagen „zweisprachig“ aufwachsen.

Die Pädagogen der 70er und 80er Jahren gingen noch davon aus, dass Kinder, die Mundart sprechen, schlechte Noten schreiben. Inzwischen ist erwiesen, dass Dialekt im Zusammenspiel mit der Hochsprache die Sprachbegabung fördert. Und so fördert auch Michaela Wörl den Dialekt.

„De Michaela hod nemlich oft de Vroni dabei“, erzählt eines der Kindergartenkinder: „De verstäht fei bloß Boarisch.“ Auf die Nachfrage wer denn die Vroni sei, stellt sich heraus, dass es sich um eine Handpuppe handelt. Michaela Wörl schreibt ihre Facharbeit zur Erzieherin über das Thema „Sprachförderung mit Aktionen im Dialekt“. Sie weiß, dass sich Kinder in ihrer Muttersprache am besten ausdrücken können. Der bayerische Dialekt hat einen großen Wortschatz mit vielen feinen Nuancen, die andere Sprachen oft gar nicht aufweisen können. Darum sei es wichtig, den Dialekt zu fördern. Und was besonders wichtig für die Kinder ist, ist die Erlaubnis: „Ich darf im Kindergarten auch so sprechen.“ Manche Kinder würden dadurch richtig aus der Reserve gelockt und beteiligen sich auf einmal gerne an den Gesprächen. Das sei besonders bei Kindern, deren Familie daheim bayerisch spricht, der Fall.

Michaela Wörl betet an manchen Tagen das Tischgebet zu Mittag auf bayerisch mit ihren Schützlingen, ebenso hat sie ihnen die Geschichte über Ostern im Dialekt erzählt. Beim Vorlesen von „Mei, wia schee is Panama“ bereitet den Kindern die Erzählung von Janosch auch im Dialekt große Freude. Und was sie noch sehr lieben, ist die Liste mit bayerischen Wörtern. Immer wenn einem Kind ein schönes bayerisches Wort eingefallen ist, darf es das im Stuhlkreis präsentieren. „Baatz“ sagte die kleine Annalena und lacht verschmitzt, wohl schon in Gedanken, wie man mit „Baatz“ rummantschen kann. Zum Schluss wird noch der gemeinsame Tisch gedeckt, Michaela hatte sogar Bleamal dafür mitgebracht, und selbstgebackener Kuchen kredenzt – zur Freude aller.

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