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Gesperrt: TSV-Chef Martin Schmeller (Mitte) und seine Jugendleiter Sven Rössner (links) und Andreas Huyer sind ratlos – das Risiko ist nicht mehr zu verantworten. kn

„Der Platz ist wie ein Schweizer Käse“

Indersdorf - Der Fußball-Abteilungsleiter Martin Schmeller erklärt im Interview, warum der TSV-Platz gesperrt werden musste.

Martin Schmeller führt beim TSV Indersdorf eine der drei größten Fußballabteilungen im Landkreis. Die Jugendarbeit macht sich inzwischen bezahlt, denn in den Herren-Mannschaften stehen zu über 90 Prozent Spieler, die zuvor in der eigenen TSV-Jugend ausgebildet worden waren. Eigentlich eine Situation, die alle stolz machen sollte - wenn da nur nicht die bedrückenden Kapazitätsprobleme wären. Und nun: muss der Trainingsplatz wegen Unfallgefahr gesperrt werden (siehe unten). Martin Schmeller erklärt, welche Probleme daraus resultieren.

-Herr Schmeller, was zwingt sie zur sofortigen Sperrung des Trainingsplatzes?

Schermäuse haben den Untergrund über viele Jahre wie einen Schweizer Käse unterminiert. Gerade wenn der Platz weich ist, brechen die oberflächennahen Gänge beim Draufsteigen ein, die Sportler knicken um und brechen sich etwa das Sprunggelenk. Wir hatten letztes Jahr mehrere Schwerverletzte, und diesen Winter waren die Wühler wieder besonders fleißig. Wir können die Gesundheitsgefährdung mit dem jetzt eingetretenen Zustand einfach nicht mehr verantworten.

-Wie wollen sie die weggefallene Kapazität ausgleichen?

In den hellen Monaten können wir durch straffe Umverteilung etliches über die anderen Rasenflächen abfangen. Als Ventil werden wir versuchen eine Abstimmung mit dem SV Langenpettenbach zu erreichen, um auch den Fußballplatz in Langenpettenbach zu nutzen. Ein gigantisches Problem zieht aber mit den kürzer werdenden Tagen ab September herauf, da uns dann fast die gesamte derzeit beleuchtete Trainingsfläche fehlt. In Langenpettenbach hat nur eine winzige Fläche eine Beleuchtung. Ich bin ziemlich ratlos. Welche Gruppen würden dann in Langenpettenbach trainieren? Da alle Indersdorfer Mitglieder denselben Beitrag bezahlen, werden wir ein solidarisches System entwickeln, bei dem rollierend alle Mannschaften dann und wann extern sein werden.

-Wie kann der Trainingsplatz instandgesetzt werden?

Um das oberflächennahe Gangsystem dauerhaft zu eliminieren, müssen nach Aussage einer Fachfirma die obersten 25 Zentimeter des Platzes intensiv bearbeitet werden. Das kann mit Neuansaat bis zu 50 000 Euro kosten, der Platz ist eine Saison außer Betrieb. Allerdings ist er damit immer noch nicht strapazierfähiger als jetzt, sodass in wenigen Jahren definitiv wieder saniert werden muss. So richtig ärgerlich ist, dass wir jetzt ordentlich Geld in die Anmietung externer Flächen stecken müssen, statt sie in die Sanierung oder Weiterentwicklung des eigenen Areals zu investieren.

-Welche längerfristigen Lösungen sehen sie? Ist die von der CSU ins Gespräch gebrachte Absiedlung denkbar?

Die Politiker in Karlsfeld und Dachau haben ja schon vor geraumer Zeit die Antwort gefunden, welche Trainingsflächen Fußballabteilungen unserer Größe haben sollten: einen Kunstrasen, der in etwa viermal so stark belastbar ist wie ein Rasen-Spielfeld. Unterwühlt wird diese Konstruktion auch nicht mehr. Eine Absiedlung ist im Übrigen schiere Utopie, da für die Flächen an der Glonn kaum mehr Erlös als für landwirtschaftliche Flächen erzielbar sein werden und eine alternative Fläche nicht zur Verfügung steht.

Die Hauptversammlung Abteilung Fußball des TSV Indersdorf:

Mit 72 Mitgliedern war die Jahresversammlung der Fußballer des TSV Indersdorf gut besucht. Das Leitungsteam um Martin Schmeller zog sportlich eine überaus positive Bilanz: starke Aufwärtstendenz bei der 1. und 2. Herrenmannschaft mit guten Chancen für beide; sehr hohe Identifikation, da 90 Prozent der Spieler selbst ausgebildet sind; landkreisweit einzigartiges Jugendangebot in zwei kompletten Jugendsäulen; mit Damen und AH zusammen gibt es 23 aktive Mannschaften und die Rekordzahl von durchchschnittlich 530 Mitgliedern. Damit ist der Fußball des TSV Indersdorf unter den drei größten Fußballabteilungen des Landkreises.

Doch mit dem Mitglieder-Wachstum müssten sich auch die Sportflächen entwickeln. Karlsfeld und Dachau haben für ihre Vereine bei vergleichbaren Aktivenzahlen schon seit längerem in einen hochstrapazierbaren Kunstrasen investiert. Der Antrag, auch in Indersdorf einen Kunstrasen zu errichten, endete unlängst im Gemeinderat in einem 10:10-Abstimmungs-Patt, womit die Ampel derzeit auf Rot steht.

Nach dem Bericht bat Schmeller die Versammlung um ihr Votum, ob das Kunstrasen-Projekt weiterverfolgt werden sollte. Nach mehreren eindeutigen Wortbeiträgen von Aktiven bekam die Abteilungsleitung mit 97 Prozent Zustimmung einen glasklaren Auftrag: intensiv weiterverfolgen und in Gesprächen mit der Gemeinde versuchen, eine Lösung für die kritische Trainingssituation zu finden.

Ganz aktuell gibt es größte Probleme mit Schermäusen, eine Art Wühlmäuse, die zwei Rasenplätze schädigen. Besonders schlimm steht es um den großflächig unterminierten Trainingsplatz (siehe Interview). In einbrechenden Gängen haben sich bereits mehrere Spieler schwere Verletzungen zugezogen. Eine sinnvolle Sanierung ist kurzfristig nicht möglich. Die Abteilungsleitung kann nach Absprache mit dem Hauptverein keine Verantwortung mehr für einen Sportbetrieb auf diesem Platz übernehmen und sperrt ihn auf unbestimmte Zeit. Eine Umverteilung des Trainings unter provisorischem Einbezug des Sportplatzes in Langenpettenbach ist gerade in Prüfung.

(dn)

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