Leslie Schwartz erhält heute das Bundesverdienstkreuz. Foto: Otto hartl

„Die Ehrung zeigt, dass ich anerkannt werde“

Dachau - Leslie Schwartz kam als 14-Jähriger nach Auschwitz, dann nach Dachau, durchlief mehrere Außenlager und wurde von den Amerikanern 1945 in Tutzing aus dem Todeszug befreit (siehe Kasten). Seitdem erzählt der mittlerweile 83-jährige KZ-Überlebende Schülern unermüdlich seine Geschichte. Für dieses Engagement als „transatlantischer Mittler im Bereich der Holocaust-Erinnerungsarbeit" erhält der in New York und Münster lebende Leslie Schwartz heute in München das Bundesverdienstkreuz.

-Herr Schwartz, welche Bedeutung hat diese Ehrung für Sie?

Es ist eine sehr emotionale Sache für mich. Als 14-Jähriger war ich ein Gefangener. Heute bin ich Ehrengast. Die Ehrung zeigt, dass ich anerkannt werde. Das ist das Wichtigste. Ich war allerdings vorgewarnt. Nachdem in den Medien groß über mich berichtet wurde, rief jemand aus dem Bundestag im Deutschen Generalkonsulat in New York an und wollte wissen, wer denn dieser Leslie Schwartz ist. Dann ging alles seinen Weg. Meinen Schülern habe ich schon versprochen: Das nächste Mal komme ich mit dem Bundesverdienstkreuz. Das hat sie sehr gefreut.

-Sie haben Ihre Vorträge für Schüler als „Therapie“ und „Heilungsprozess“ beschrieben.

Ja, es hat mir wirklich wahnsinnig geholfen. Sie müssen sich vorstellen, wenn man als 14-Jähriger von den SS-Leuten immer wieder als Saujude, Schweinejude und dreckiger Jude beschimpft wird, dann bleibt etwas in der Psyche hängen. Man fragt sich: Bin ich wirklich dieser Niemand? Die Gespräche mit den Schülern haben mir da viel zurückgegeben. Die Anteilnahme ist so groß, das ist etwas, das ich niemals so von den Kindern erwartet hätte.

-Noch vor der Übergabe halten Sie einen Vortrag an einer Schule in Miesbach und auch danach geht es sofort weiter an die nächste Schule. Wie bewältigen Sie dieses straffe Programm?

Mein Vater war sehr europäisch, sehr diszipliniert. Ich sage immer, er hat mich dadurch auf das KZ vorbereitet. Er gab mir einen starken Willen und den Mut, mich durchzukämpfen. Bei den langen Appellen im Lager sind viele Leute hingefallen und wurden dann von der SS verprügelt. Ich habe mir immer gesagt: Ich werde ihnen diese Genugtuung nicht geben, ich werde durchhalten. Ich muss leben, um meine Geschichte zu erzählen. Das tue ich jetzt. Und ich spüre, dass ich damit etwas erreiche. In 68 Jahren kann viel passieren - und es kann sich vieles ändern.

Interview: Dominik Göttler

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