Mit zwei Hula-Hoop-Reifen zeigten Landrat Löwl und Elke Pelz-Thaller die Schnittmenge an. foto: ostermair

„Die Frauen sind nicht mehr so handsam“

Dachau - Heuer ging es beim Fachvortrag des Maschinenrings Dachau nicht wie gewohnt um Hochtechnologie auf Feld und Hof sondern um: Partnerschaft. Dazu hatte der MR-Vorstand eine Mental- und Persönlichkeitstrainerin eingeladen, nämlich die als „Mentalbäuerin" bekannte Landwirts-Frau Elke Pelz-Thaller.

Sie berichtete, dass leider immer mehr jungen Frauen nicht bereit sind, einen Landwirt zu heiraten und selbst junge Bäuerinnen oft aus Verzweiflung über den beruflichen Alltag ohne Pausen einfach hinschmeißen und abhauen. „Turbo im Betrieb und Crash in der Familie“, lautete daher das Thema des Vortrags, mit dem um mehr gegenseitiges Verständnis geworben wurde.

Die Referentin lebt ein Leben zwischen Business und Bauernhof, High Heels und Gummistiefel, Flipchart und Mistgabel, Sushi und Kesselfleisch. Vor den Dachauer Bauern räumte sie ein, dass das bei ihr nicht immer so war, sie also für etwas Abstand vom Dauerdruck in der Landwirtschaft hart kämpfen musste und so manche Auseinandersetzung mit ihrem Mann und dem Schwiegervater stattgefunden hat.

Die Eingeheirateten auf Bauernhöfen haben auch in der heutigen modernen Zeit noch größte Probleme, weil viele junge Ehemänner einfach nicht bereit seien, kleine Pausen für die Familie einzulegen, so Pelz-Thaller. Im Gegensatz zu anderen Kindern müssten Landwirts-Kinder oft auf ihre Väter verzichten, weil diese auf dem Traktor oder Mähdrescher sitzen. Da darf das Kind oft weder auf dem Fußballplatz noch bei Schulfesten auf die Begleitung des Papas hoffen und auch die Frau komme, was Freizeit und Urlaub angeht, in aller Regel zu kurz. Das hat Pelz-Thaller schon bei ihrer standesamtlichen Trauung erfahren müssen, wo es selbst an diesem Tag wegen landwirtschaftlicher Arbeiten sehr pressiert hat.

Leider sei es in der modernen Landwirtschaft nun mal so, dass es fast keinen Monat im Jahr gibt, wo „etwas Luft“ ist. Das dürfe dennoch kein Grund sein, auf die Bedürfnisse der Partnerin überhaupt nicht einzugehen, „denn die jungen Frauen machen das nicht mehr mit, die sind halt nicht mehr so handsam wie früher“. Das Schlimmste bei Partnerschaftsproblemen dieser Art sei, nicht darüber zu sprechen.

Wenn die Landwirtschaft in Bayern erfolgreich weitergehen soll, dann müsse man zuerst bei den Familien ansetzen. „Wenn es zu Hause staubt, dann raubt das dem Menschen 70 Prozent seiner Leistungsfähigkeit. Gibt es bei der Arbeit nie ein Ende, macht das psychisch krank, es schleichen sich Depressionen ein.“ Mit diesen Worten redete die Referentin so manchen arbeitswütigen Bauern ins Gewissen. Und fügte hinzu: „Krankheit im Betrieb wäre dann ja die nächste Belastung.“

Die Seminar-Kabarettistin arbeitete beim Maschinenring mit verschiedenen Gegenständen. Der Bauer lebe auf seiner Insel, sagte Pelz-Thaller, und da sie davon ausgeht, dass das bei den Politikern ähnlich ist, holte sie Landrat Stefan Löwl aus den Zuhörern heraus und ging bei ihm mit einem Hula-Hoop-Reifen auf Tuchfühlung. Mit den Reifen wollte sie deutlich machen, wie wichtig es ist, eine gewisse Schnittmenge herzustellen. MR-Geschäftsführer Michael Reischl wurde von Elke Pelz-Thaller sogar zum „psychologischen Aikido mit Wahrnehmungsfilter“ eingeladen. So kam die Referentin zu dem Schluss, dass es schon eines starken Charakters bedarf, seinen eigenen Standpunkt mal zu verlassen - „aber dann stellt man bald fest, dass der Partner ja auch recht hat“.

(ost)

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