diebe am dachauer bahnhof

„Profis haben mein Fahrrad geklaut“

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Brennpunkt Dachauer Bahnhof: Gegen professionelle Fahrraddiebe haben Radler dort keine Chance. Das bekam Christian Brodacz nun zu spüren. Innerhalb von rund sechs Stunden waren seine beiden festabgeschlossenen Mountainbikes verschwunden.

Dachau – Christian Brodacz aus Dachau ist sauer. So schnell fährt er nicht mehr mit dem Rad zum Dachauer Bahnhof. „In Zukunft werde ich nur noch hinlaufen, mit dem Auto oder der Vespa fahren.“ Ein Radl hat er im Moment ohnehin nicht mehr. Diebe haben sein Focus-Mountainbike für rund 600 Euro und das Relight-Mountainbike seiner Freundin für rund 200 Euro gestohlen – obwohl die Räder mit einem hochwertigen Faltschloss zusammengekettet waren.

Christian Brodacz, 39, und seine Freundin stellten die beiden Räder am Samstag gegen 18 Uhr am Fahrradständerplatz neben dem Taxistand ab. „Wir haben sie Rahmen an Rahmen hingestellt und abgesperrt“, sagt der Rettungssanitäter. Die beiden fuhren mit der S-Bahn zum Münchner Open Air Sommernachtstraum. Gegen halb eins kehrten sie zurück. „Von weitem habe ich schon gesehen, dass unsere Räder nicht mehr dastehen.“ Ein großer Schock für beide. Jetzt will Brodacz eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei aufgeben. Doch die Wahrscheinlichkeit, sein Radl wiederzubekommen, liegt nahezu bei null.

Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres sind 34 Radl im Landkreis gestohlen worden, die nicht abgesperrt waren, und 93 abgeschlossene Räder. „Die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen liegt ungefähr bei fünf Prozent“, sagt der Dachauer Polizeisprecher Roland Itzstein. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 364 Fahrräder gestohlen. Wann geklaut wird, hängt auch vom Wetter ab: Vor allem ab März, wenn es Frühling wird, schlagen die Fahrraddiebe zu – bis etwa Ende Oktober, so Itzstein: Doch es gibt auch Wege, wie sich Radler schützen können (siehe Kasten), wie zum Beispiel „keine billigen Baumarktschlösser kaufen“, sagt Itzstein: „Aber gegen organisierte Fahrraddiebe hilft auch das beste Schloss nichts.“

Auch Christian Brodacz ist sich sicher: „Da waren Profis am Werk.“ Sein Faltschloss hat 70 Euro gekostet. Am Tatort Fahrradständer haben er und seine Freundin nichts mehr gefunden: kein Fahrradteil, keinen Bolzenschneider – und kein Schloss. Brodacz könnte sich vorstellen, dass die Diebe die Räder mit dem Schloss in einen Transporter gepackt haben und abgehauen sind: „Alles andere wäre doch aufgefallen“, sagt er.

Auch Itzstein kann sich das vorstellen, da das Schloss massiv war: „Da braucht man schon einiges an Zeit und Kraft, um es zu knacken“, sagt er. Das kann bis zu 30 Minuten dauern – manchmal klappt es gar nicht.

Die Suche nach seinem Rad lässt Christian Brodacz keine Ruhe. Auf Facebook hat er einen Aufruf gestartet. Ein User machte ihn darauf aufmerksam, dass hinter den Büschen neben dem Fahrradparkplatz auf der anderen Seite des Bahnhofs geknackte Schlösser liegen: Tatsächlich waren dort gestern neben Schnapsflaschen und Kleidungsstücken auch fünf geknackte Fahrradschlösser.

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