Schlägerei im Club Nachtschicht

Vom Opfer zum Angeklagten

Dachau - Bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung, die sich am 23. November 2014 in dem bekannten Club „Nachtschicht“ in Dachau zugetragen hat, kamen in der Gerichtsverhandlung noch einige pikante Details ans Licht.

Der 22-jährige Türke Mehmet B. (alle Namen geändert), der auf Partys immer wieder als Ordner eingesetzt ist, soll den 19-jährigen Peter O. auf einen Vorfall bei einer anderen Party angesprochen haben. Bei einem Hallenfest in Tandern ist es wohl zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Security-Angestellten B. und dem Party-Gast O. gekommen. Da dieser Fall nun auch vor Gericht kommen soll, wollte Mehmet B. den Peter O. davon abhalten, vor Gericht eine Aussage zu machen und sprach ihn daher im Club Nachtschicht daraufan.

Als die Diskussion hitziger wurde, kam ein Kumpel von B. dazu, der 25-jährige Türke Mustafa S. Urplötzlich wurde das Duo gewalttätig, Peter O. wurde von den beiden zusammengeschlagen, dabei von B. am Hals an die Wand gedrückt, während S. ihm ins Gesicht schlug. Nachdem ihm ein Freund zu Hilfe eilte und die Hand von B. wegdrückte, kamen auch schon die Security-Angestellten des Clubs. Sie verwiesen sowohl B. als auch S. des Clubs, aber auch Peter O. wurde vor die Tür gesetzt.

Auf die Frage, warum er nun gehen müsse, antwortete ihm der Türsteher angeblich: „Du bist ja selber schuld, wenn du dich mit der Familie S. anlegst.“

Draußen vor der Discothek ging es prompt noch weiter: Mustafa S. kam erneut auf Peter O. zu und drohte ihm, diesen Vorfall ja nicht zur Anzeige zu bringen. „Wenn du das anzeigst, dann bringe ich dich und deine Familie um!“, soll er gesagt haben.

Peter O. ist daraufhin sofort ins Krankenhaus gefahren, die Diagnose: eine geplatzte Lippe, lockere Zähne und Kieferschmerzen. Zusammen mit seinen Eltern ist er trotz der Drohung noch in derselben Nacht zu Polizei gefahren und hat Anzeige erstattet.

Soweit die Aussage von Peter O. Normalerweise würde er unter solchen Bedingungen als Opfer im Gerichtssaal sitzen. Doch es kam ganz anders. Nachdem B. und S. erfahren hatten, dass O. Anzeige erstattet hatte, gingen auch sie zur Polizei und schilderten die Geschichte ganz anders.

B. habe ihn zwar schon auf den Vorfall in Tandern angesprochen, doch dann habe Peter O. aus heiterem Himmel angefangen auf S. einzuschlagen und, als er auf dem Boden lag, ihn in den Rücken zu treten. Dass er ihm gedroht haben soll, seine Familie um zubringen, wenn O. Anzeige erstattet, daran konnte sich S. nicht mehr erinnern.

Ein klassischer Fall von Aussage gegen Aussage, doch dann: Auftritt der Zeugen. Drei Stück, allesamt Freunde von Peter O., die in dieser Nacht mit ihm zusammen in der Disco waren. Und alle unterstützten die Aussage ihres Freundes. Nur die Drohung hat keiner von ihnen mitbekommen.

„Da steh ich nun“, entwich es Richter Daniel Dorner. Er wirkte ehrlich ratlos und erbat sich erst einmal 15 Minuten Denkpause. Danach hatte er aber seinen Entschluss gefasst.

Er schloss sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an. Die Aussage von Peter O. sei deutlich detaillierter und schlüssiger als die von Mustafa S. und Mehmet B. – „daher glaube ich in diesem Fall einfach dem Peter O.“ Der wird vom Richter freigesprochen. Mustafa S. wird seinerseits wegen gefährlicher Körperverletzung in Kombination mit mehrfacher versuchter Nötigung zu neun Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro, zu zahlen an das Franziskuswerk Schönbrunn, verurteilt.

Mehmet B. wird wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter Nötigung, nach dem Jugendstrafrecht zu einer Woche Dauerarrest verurteilt.

„Ich freue mich, dass mein Mandant nun doch glimpflich aus dieser Situation heraus- gekommen ist. Eigentlich hätte er ja gar nicht auf die Anklagebank gehört“, findet der Verteidiger von Peter O.

sr

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