Die CSU diskutiert!

Dachau - Wer die Kreisdelegierten-Versammlung der CSU für ein Durchwink-Gremium gehalten hatte, rieb sich am Samstag verwundert die Augen: Die Delegierten diskutierten eifrig das Programm für die Kreistagswahlen, wie man es sonst nur von der SPD oder den Grünen kennt - und setzten sogar Änderungen durch.

Es war der Röhrmooser Bürgermeisterkandidat Dieter Kugler, der den Stein ins Rollen brachte. CSU-Kreis-Chef Bernhard Seidenath und der Kreistagsfraktionsvorsitzende Wolfgang Offenbeck hatten das Wahlprogramm vorgestellt, die Dachauer Jungunionistin hatte schüchterne Kritik am Umfang des Schriftstücks angebracht („ein Leser kann sich nur drei Punkte merken“). Das Führungsduo wollte schon zur Abstimmung schreiten, als sich Kugler zu Wort meldete: „Hier wird nur die Südumfahrung Indersdorfs genannt, dabei haben viele Gemeinden Probleme!“ Beifall von allen Seiten, der Bann war gebrochen.

Als nächstes mahnte der Odelzhauser Roland Riedel präzisere Formulierungen in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) an. Kreisbäuerin Emmi Westermeier, ihre Vorgängerin Rosmarie Böswirth und der Altomünsterer Josef Riedlberger waren mit den Aussagen zur Landwirtschaft nicht einverstanden. Der Indersdorfer Hans Lachner brachte die Breitbandversorgung aufs Tapet. Und so ging es munter weiter, fast eine dreiviertel Stunde lang. Die CSU-Delegierten fanden Gefallen an einer Diskussion, wie man sie sonst nur von der SPD oder den Grünen kennt. Auch wenn einer murrte: „Redaktionssitzungen mit 120 Leuten - so etwas liebe ich.“

Seidenath und Offenbeck - zusammen mit Kreisrat Tobias Stephan die maßgeblichen Autoren des Werks - schienen anfänglich verblüfft, nahmen die Bälle dann aber geschickt auf und fanden für viele Wünsche Lösungen. Dank Kugler heißt es nun „Entlastung verkehrlicher Brennpunkte“ mit dem Beispiel Indersdorf statt einfach „Bau einer Südumfahrung Kloster Indersdorf“. Eine kleine, gleichwohl nicht unbedeutende redaktionelle Änderung.

Indes wurden nicht alle Vorschläge aufgegriffen. Riedel wollte die Energiewende stärker im Programm verankert haben. MdL Anton Kreitmair wandte pragmatisch (und resigniert) ein: „Die Energiewende wird von der großen Politik gerade rückabgewickelt. Da hatten es keinen Sinn, wenn wir hier das Gegenteil formulieren.“ Auch Dr. Christa Epple aus Dachau drang mit ihrer Forderung nach Schulsozialarbeitern für die Gymnasien im Landkreis Dachau nicht durch. Der Karlsfelder Stefan Handl machte darauf aufmerksam, „dass wir uns damit gegen unsere eigene Beschlusslage im Kreistag stellen würden, wo wir Sozialarbeit an den Grundschulen priorisiert haben.“

Dennoch: Die Delegierten waren zufrieden, die Parteispitze auch. Tobias Stephan meinte abschließend: „Dass wir ein Wahlprogramm auf so eine breite Basis stellen, hat es in den letzten 20 Jahren in der CSU nicht gegeben.“

(kra)

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