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Rot-blaue Ärgernisse: Reichertshauser Straße in Pipinsried mit Halteverbotsschildern. 

Verkehrs-Wahnsinn in Pipinsried

Das Dorf der Schildbürger

Die Pipinsrieder sind stinksauer, weil sie bei Heimspielen ihres Fußballklubs stundenlang nicht mehr im Dorfparken können. Schuld ist das Verkehrskonzept, das vor der Saison entwickelt worden war - für viele Einwohner ist es völlig überzogen.

Pipinsried – Gesperrte Straßen, Einbahnstraßen, blockierte Zufahrten und dann auch noch haufenweise Halteverbotsschilder im Dorf. Den Pipinsriedern reicht’s. „Mia san Schildbürger worn und stinksauer“, brachte es Michael Lachner in der Bürgerversammlung am vergangenen Donnerstag im Lamplwirt auf den Punkt. Seitdem der FC Pipinsried in der Regionalliga Bayern fußballert, ist nichts mehr so wie früher.

Höß: „Die Regionalliga ist dem Dr. Koch seine Champions-League“

Schuld ist in erster Linie der Bayerische Fußballverband. „Die Regionalliga ist dem Dr. Koch seine Champions-League“, sagt FCP-Präsident Konrad Höß. BFV-Chef Rainer Koch, der schon mal mit dem Posten des Präsidenten beim Deutschen Fußballverband geliebäugelt hatte, und seine bayerischen Verbandshelfer haben den Pipinsriedern wie mehrfach berichtet eine Vielzahl von Auflagen erteilt. Darunter auch ein Verkehrskonzept, das dazu geführt hat, dass die Fans nur noch umständlich über die Obere Hauptstraße, Ilmstraße und Maisbrunner Straße zum Stadion gelangen können. Die übrigen Zufahrten sind dicht. 

Das Halteverbot gilt an jedem Samstag – dem üblichen Spieltag – von 12 bis 21 Uhr, auch während der anstehenden Winterpause. Das führt dazu, dass die Einwohner nicht wissen, wo sie in dieser Zeit ihre Autos abstellen sollen. „Ich habe schon erlebt, dass einer am Ortsrand geparkt hat und seine Oma, die ein Gehwagerl brauchte, zu einer Geburtstagsfeier begleitet hat“, so Höß.

Bürgermeister hat kein Verständnis für Einbahnregelungen

„Uns blieb nichts anderes übrig, das mit den Schildern umzusetzen“, erklärt Bürgermeister Anton Kerle. Das Verkehrskonzept wurde erstellt angesichts des vermeintlich zu erwartenden Mehraufkommens an Autos, die dann auf den Ortsstraßen parken und Rettungswege für Feuerwehr und Notarzt blockieren könnten. Das Konzept sei mit Landratsamt, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst abgestimmt. 

Obwohl Kerle persönlich etwa für die Einbahnregelungen kein Verständnis habe, habe die Gemeinde Altomünster, die am Ende der Handlungskette stehe, die Beschilderung vornehmen müssen, „sonst hätten wir uns regresspflichtig gemacht“. Um sich ein Bild über die Sinnhaftigkeit des Verkehrskonzeptes machen zu können, lohnt sich ein Blick auf die Situation bei Fußballbegegnungen des FC Pipinsried.

Wenn der TSV 1860 München am Samstag, 5. Mai, nach Pipinsried kommt, wird der Teufel los sein. Tausende Fans werden erwartet, das heißt: parkende Autos im Westen bis Reichertshausen, eine Blechlawine bis Wagenried im Osten. Eine Verkehrsleitplanung ist unerlässlich, und Bürgermeister Kerle fragt sogar: „Wie soll das verkehrstechnisch funktionieren, ohne öffentlichen Personennahverkehr und ausreichend Parkplätzen?“  Für diejenigen unter den 560 Einwohnern des Dorfes, die mit dem Regionalligaknaller nichts anfangen können, heißt es dann: Rette sich wer kann! So weit, so schlimm.

330 Zuschauer beim Spiel gegen Illertissen

Aber: Als der FV Illertissen am 14. Oktober beim FC Pipinsried antrat, war die Situation eine andere. 330 Zuschauer waren im Stadion. Die Anfahrtssituation zur Spielstätte war nicht anders, als etwa zu Bezirksoberligazeiten, als der FCP noch gegen Teams wie den SC Bubesheim oder den SV Grasheim kickte. 

Im Schnitt besuchten 480 Fans die bisherigen neun Heimpartien in der Regionalliga. Am besten besucht war der Vergleich gegen den FC Schweinfurt mit 810 Zuschauern. Doch dieser Wert wurde in früheren Zeiten locker mal bei Derbys gegen den TSV Aindling oder FC Affing erreicht – ohne dass damals der Verkehr zusammengebrochen ist. Der Vergleich gegen die Löwen ist also eine absolute Ausnahme.

Das Hochsicherheitsspiel gegen 1860 steht noch an

„Das heutige Verkehrskonzept ist völlig überzogen“, sagt Präsident Höß. Doch das letzte Wort in dieser Sache sei noch nicht gesprochen. Vor dem Hochsicherheitsspiel gegen 1860 werden die Verantwortlichen zusammenkommen, um über Änderungen beim Konzept zu diskutieren. „Vielleicht kommen einige Herren von ihrem hohen Ross herunter“, meint Höß und schielt insbesondere in Richtung Kreisbrandrat Franz Bründler. Seit er, Höß, Präsident des FC Pipinsried sei, also seit 1967, habe man noch nie die Feuerwehr gebraucht.

Von Thomas Zimmerly

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