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Mia meng Boarisch: Lilia Hiegl, Florian Huber, Michael Schieder (v.l.) zeigen bayerische Wörter.  

Schulprojekt in Odelzhausen

Die drei Dialektbotschafter

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Einmal den ganz großen Auftritt im Bayerischen Landtag haben. Viele Politiker träumen davon jahrelang – Lilia Hiegl, 9, Michael Schieder, 12, und Florian Huber, 14, hatten ihn schon: Als Schulbotschafter für den bayerischen Dialekt.

Odelzhausen – Die drei Odelzhauser Schulen haben gemeinsam ein Bairisch-Projekt durchgeführt. Für insgesamt 650 Grund-, Mittel- und Realschüler sowie 100 Lehrer stand als neues Schulfach „Boarisch“ auf dem Stundenplan. Für einige war es wie eine Fremdsprache, für andere eine Muttersprache. Lilia, Michael und Florian gehören zu den besten Bairisch-Sprechern in der Schule und durften deshalb die Aktion bei der Abschlussveranstaltung des Wertebündnis-Projekts „Mundart Wertvoll“ im Landtag präsentieren.

„Ein bisschen aufgeregt waren wir schon“, sagt Lilia, „wir waren ja auch die ersten, die dran waren.“ Doch es hat alles geklappt. Fesch gekleidet in Dirndl und Lederhosn stellten die drei ihre Schule den vielen Ehrengästen vor: „Odelzhausen is a gmiatliche Gmoa zwischn Minga und Augsburg“, sagte Michael Schieder aus der siebten Klasse der Mittelschule und erklärte, was es mit dem Odelzhauser Dialekt genau auf sich hat: „Wennst auf unsam Pausenhof stehst, kannst hean, dass de obaboarische und schwäbische Sprachgrenz durch unsa Gebiet geht.“

Die Odelzhauser Schüler sind inzwischen zu richtigen Dialektexperten geworden. Jede Jahrgangsstufe hatte eigene Projekte zu dem Thema gemacht. Die Erst- und Zweitklässler zum Beispiel haben bayerische Bräuche kennengelernt und „danzt wia da Lump am Stecka“, wie Lilia im Landtag erklärte.

Ältere Schüler suchten beispielsweise mit den Bewohnern aus der Seniorenresidenz alte Wörter, beschäftigten sich mit der Geschichte des Räuber Kneißl oder sammelten traditionelle Rezepte. Es gab sogar ein Odelzhauser Mundartbüchlein, ein bayerisches Musical und ein bayerisches Schulfest.

Den Schülern hat es gefallen. „Eigentlich war alles gut“, sagt Florian. Vom Sprachlichen her kannte er zwar schon fast alles, dafür hat er aber etwas anderes gelernt: „Die Wertschätzung“, sagt er. „Dass der Dialekt nicht ausstirbt, ist ja schon wichtig“, weiß er jetzt.

In den Odelzhauser Schulen hatten vorher nicht alle Kinder und Jugendlichen einen Bezug zum Dialekt. Doch schnell lernten sie, dass das Bairische verbindet, egal wie alt man ist, auf welche Schule man geht oder woher man kommt. „Die Kinder mit Migrationshintergrund sind am unbedarftesten rangegangen“, sagt Elke Fechter, Konrektorin bei der Grund- und Mittelschule. „Hemmungen gibt es jetzt nicht mehr“, ergänzt ihre Kollegin Anette Schalk von der Realschule. „Auch bei den Lehrern ist ein gutes Gefühl da.“

Wenn es thematisch passt, möchten die Lehrer deshalb auch nach dem Ende des Projekts immer mal wieder Bairisch in den Unterricht einbauen. Siegfried Bradl vom Förderverein für Bairische Sprache und Dialekte bringt außerdem den Zweitklässlern der gebundenen Ganztagesklassen bayerische Tänze, Lieder, Bräuche und Dialektbegriffe aus der Heimatregion bei.

Florian, Lilia und Michael jedenfalls sind froh, dass sie Bairisch sprechen und verstehen können. Nicht nur, weil sie es damit bis in den Landtag geschafft haben. Für sie hat der Dialekt noch viele weitere Vorteile: „Es hört sich gut an, wie man die Wörter ausspricht“, sagt Lilia. „Auch gschead daher reden geht besser“, fügt Florian mit einem Lausbubengrinsen hinzu. Michael freut noch etwas anderes: „Das Lustige ist, dass uns manche nicht verstehen“, sagt er. „Da kann man dann auch ein bisschen geheim reden.“

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