Ausgezeichnet wurde Christina Martin mit dem Scotia Music Arward, ausgezeichnet gefielen auch Musik und Lieder des Duos beim Konzert im Gramsci. Foto: HAB

Dritte Zugabe durchaus erwünscht

Dachau - Christina Martin und ihr Ehemann Dale Murray kamen als Gastmusiker für ein Konzert ins Café Gramsci - und überlegen nun, ein halbes Jahr hierzubleiben.

as Publikum wollte einfach nicht aufhören zu klatschen. Wenn der Beifall die Droge des Musikers ist, dann hätten Christina Martin und Dale Murray bei ihrem Auftritt im Café Gramsci wohl eine Überdosis abbekommen. „Seid Ihr sicher?“, fragt die schöne Kanadierin etwas perplex das dicht gedrängte Publikum, als dieses auch noch eine zweite Zugabe verlangt. Dabei war es gar nicht die Musik alleine, die die Lust der Zuschauer auf mehr geweckt hatte. Die sehr persönlichen und humorvollen Geschichten waren es, die aus einem entspannten Konzertabend einen Höhepunkt der Tollhaus-Musikreihe machten.

Geschichten von der ersten Deutschland-Tour, bei der Christina Martin ihren Bühnenpartner und Ehemann Dale Murray nicht als Producer, sondern versehentlich als Erzeuger vorstellte. „Traue niemals dem Google-Übersetzer“, schlussfolgerte die Künstlerin und beschloss kurzerhand deutsch zu lernen. Mittlerweile klappt das schon ganz gut - und klingt bisweilen richtig nett, wenn sie erklärend hinzufügt: „Ich habe eine kleine falsch gemacht.“ Meist drehen sich die Geschichten um ihre Songs - oder anders herum. „You Come Home“ handelt etwa von ihrer Kindheit mit dem wegen Bankbetrugs gesuchten Vater, der sich nur zu Weihnachten mit einem Sack voll Geschenken blicken ließ. Außerdem stellt Christina Martin ein Stück über das Vergessen vor, das im Rahmen eines Projektes mit einem kanadischen Arzt entstanden ist, um mehr über Alzheimer und Demenz aufzuklären.

Ihre Musik bezeichnet die Songwriterin als Alt-Country mit Pop- und Rock-Einflüssen. Für ihr neues Album „Sleeping with a Stranger“, das sie auch mit nach Dachau gebracht hatte, erhielt Christina Martin in ihrer Heimat den Nova Scotia Music Award für die beste weibliche Künstlerin. Auch ihr Ehemann, der in Dachau mit ihr auf der Bühne steht, wurde ausgezeichnet.

Doch für die kleinen Dinge gibt es keinen Award. Für Christina Martins verträumten Schlafzimmerblick und ihre fesselnde Stimme, für Dale Murrays gefühlvolle Soli an der E-Gitarre oder das leidenschaftliche Love-Hurts-Cover als Zugabe. Und dennoch sorgen diese Details dafür, dass auch von den vielen Gästen, für die kein Stuhl mehr im Café Gramsci gefunden wurde, keiner vorzeitig nach Hause geht.

„Am Ende dieses Abends sind wir alle gute Freunde“; hatte Christina Martin zu Beginn des Auftritts angekündigt. Dass dieses Versprechen gut zwei Stunden später tatsächlich der Wirklichkeit recht nahe kam, ist der größte Verdienst des Duos. Und so hat der verdiente Applaus möglicherweise Folgen für die Zukunft. Den beiden hat es in Dachau so gut gefallen, dass sie sich vorstellen könnten, für ein halbes Jahr die kanadische Heimat dafür einzutauschen. Das klingt ganz nach einer dritten Zugabe. (dg)

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