Amtsgericht Dachau

Drogen in der Duftspraydose

165 Ecstasy-Tabletten, die Substanzen MDMA und MDA zur Herstellung der chemischen Droge sowie eine geringe Menge Kokain – all das stellten Ermittler in der Wohnung eines 23- jährigen Indersdorfers sicher. Jetzt wurde der junge Mann verurteilt.

Indersdorf – Aufgrund von unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln und dem gewerbsmäßigen Handel mit der chemischen Droge Ecstasy wurde Thomas F. (23, Name geändert) aus Indersdorf vor dem Amtsgericht Dachau verurteilt.

Im Februar 2015 hatten Polizisten in der Wohnung des Bodenlegers 165 Ecstasy-Tabletten, die Substanzen MDMA und MDA zur Herstellung der chemischen Droge sowie eine geringe Menge Kokain gefunden. Die Drogen hatte der Angeklagte in einem Rucksack, seinem Kleiderschrank und in einer Raumduftspraydose aufbewahrt. Auch die notwendigen Streckmittel und Utensilien zur Herstellung und zum Verkauf von Ecstasy, wie zwei Feinwaagen sowie zahlreiche Plastiktüten, fand die Polizei in der Wohnung.

Unter den Ecstasy-Pillen befanden sich grünlich-blaue Tabletten mit Delfin-Druck und gelbe Tabletten mit „schönem UPS-Logo“, dem vielleicht wegen „Datenrechtsverletzung“ auf den Grund gegangen werden sollte, wie Richter Tobias Bauer witzelte. Insgesamt wurden rund 21 Gramm MDMA in Form von Ecstasy-Tabletten und Rohmasse zur Weiterverarbeitung festgestellt. Die Menge von 45 Milligramm Kokain entspricht laut Richter bei nasaler Aufnahme etwa einer Konsumeinheit, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass diese zum ausschließlichen Eigenkonsum gedacht war. Der Verteidiger des Angeklagten, Hermann Beer, sagte zudem: „Zehn bis 15 Tabletten des Ecstasys wollte er selbst konsumieren.“

Laut einem Polizeibeamten der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck, der am Tag des Drogenfundes in der Wohnung von Thomas F. im Einsatz war, fing der Ecstasy-Konsum des Angeklagten in der Diskothek an. „Dann kam er auf die Idee, dass das ein guter Nebenerwerb sein könnte, wenn man mehr kauft und den Überschuss weiterverkauft.“ Das Ganze habe sich dann in den häuslichen Bereich verlagert, wo ein reger Kundenverkehr stattgefunden habe und ständig Besuch ein- und ausgegangen sei.

Thomas F. habe so wohl mehrere Monate lang Drogenhandel betrieben, bevor die Substanzen bei ihm gefunden wurden. Die Polizei war vergangenen Februar in seiner Wohnung gewesen, weil eine Bekannte von Thomas F., die an dem Abend bei ihm übernachtete, einen Notruf abgesetzt hatte. Sie hatte den Raubüberfall bemerkt, der in der Wohnung des Angeklagten in Röhrmoos stattfand. Die genaueren Hintergründe dazu sind noch unklar, es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Bekannte von Thomas F. in den Überfall involviert waren und sein Handel mit Betäubungsmitteln ein wichtiger Faktor war.

Der Polizeibeamte schilderte das Verhalten des Angeklagten bei der damaligen Vernehmung bei der Polizei: „Er war sehr kooperativ. Er war zwar sauer, hat den Ermittlungen aber keine Steine in den Weg gelegt.“ Richter Bauer hielt das für „sehr löblich“. „Auch die Jugendsünde fällt nicht weiter ins Gewicht“, sagte er über die einschlägige Vergangenheit des Angeklagten. Schon 2011 war bei ihm in einem Wohnheim Marihuana gefunden worden. Thomas F. machte dem Richter einen durchaus „geläuterten Eindruck“.

Dem schmächtigen Angeklagten war sichtlich unwohl zumute, wie er mit geröteten Augen auf seinem Stuhl saß und vermehrt schluckte. Unterstützung bekam er von seinen Freunden und seiner Mutter, die auch zur Verhandlung erschienen waren. Sie wollen ihm auch Rückhalt geben, selbst keine Drogen mehr zu nehmen. „Ich mach’ das nicht mehr“, beteuerte Thomas F., der fein herausgeputzt im Anzug vor Gericht getreten war. „Ich habe nach dem Vorfall aufgehört.“ Am Tag nach der Verhandlung sei sein erster Beratungstermin.

Richter Bauer verurteilte den Angeklagten zu einer Strafe an der unteren Grenze des Strafrahmens: ein Jahr und drei Monate auf Bewährung, eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro, sechs Gespräche bei der Drogenberatung sowie regelmäßige Drogenkontrollen. „Die Bewährung ist ein Damoklesschwert am seidenen Faden“, ermahnte der Richter Thomas F. „Falls Sie etwas Falsches machen, reißt der Faden und das Schwert schlägt ein.“

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