Egenburger arbeitet bei den Olympischen Spielen

Der Weitenmesser von Rio

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Roland Reiser aus Egenburg kommt bei den Olympischen Spielen in Rio so nah an die Sportler ran wie sonst kaum einer: Er ist Weitenmesser bei den Leichtathletikwettkämpfen. Ein Job, der ihm vieles abverlangt – der aber auch unvergessliche Eindrücke gibt.

Bei den Olympischen Spielen in Rio geht es für Roland Reiser um Sekunden und um Millimeter. Fehler kann sich der 48-jährige Egenburger nicht erlauben. Er ist zwar kein Athlet – doch ohne ihn würde es in vielen Disziplinen keine Olympiasieger geben. Denn Roland Reiser ist für die Weitenmessungen bei den Leichtathletik-Wettbewerben zuständig.

Weitsprung, Dreisprung, Stabhochsprung, Kugelstoßen, Speerwerfen, Hammerwerfen und Diskuswerfen – bei diesen Disziplinen ist der Vermessungsingenieur dafür verantwortlich, dass am Ende die richtigen Athleten auf dem Treppchen landen.

Heute fliegt er nach Rio, in einer Woche beginnen für ihn dann die Wettkämpfe. „Langsam steigt die Anspannung“, erzählt er. Reiser war schon bei den Spielen in Sydney, Athen, Peking und London als Messer dabei, jedes Mal ist die Vorfreude wieder riesig. „Es ist einfach gigantisch“, erzählt er. „Ich freu mich schon wahnsinnig auf die Stimmung im Stadion.“ Besonders beeindruckend findet er, so nah an das Wettkampfgeschehen ranzukommen. „Etwas Näheres gibt es nicht, sogar die Trainer können da nicht hin.“ Reiser erlebt die ganz großen Emotionen, er sieht Träume platzen und Herzenswünsche in Erfüllung gehen. Er leidet und freut sich mit den Sportlern, nur trösten und gratulieren darf er nicht. „Wir sollen Abstand zu den Athleten halten“, erklärt er. Schließlich muss der Weitenmesser bei der Auswertung absolut unabhängig sein.

Nachdem ein Sportler gesprungen, gestoßen oder geworfen hat, stellt der Kampfrichter einen Spiegel an die Aufschlagstelle. „Wir zielen zum Messen dann mit unseren Instrumenten den Spiegel an“, erklärt Reiser. Die so ermittelten Daten gehen anschließend sofort ins System ein. Viel Zeit bleibt dafür nicht, die Fernsehsender und das Publikum warten ungeduldig auf die Ergebnisse. „In ungefähr zehn Sekunden muss die Messung fertig sein“, sagt Reiser. Fehler darf es trotz aller Hektik nicht geben, schließlich können Millimeter über Sieg oder Niederlage entscheiden. „Es darf nichts passieren“, sagt Roland Reiser. „Wenn man etwas Gravierendes falsch macht, ist man draußen und wird beim nächsten Mal nicht mehr eingesetzt.“ Trotz aller Routine ist Roland Reiser deshalb vor jedem Wettkampf immer noch ein wenig aufgeregt.

Und es gibt diese Momente, in denen er Gänsehaut bekommt. „Wenn zum Beispiel ein Deutscher gewinnt und dann bei der Siegerehrung die Nationalhymne gespielt wird, ist das schon ein ganz besonderes Gefühl“, findet er. Besonders gerne erinnert sich Reiser zum Beispiel an den Olympiasieg von Weitspringerin Heike Drechsler bei den Spielen im Jahr 2000. „Ich war glaube ich der erste, der wusste, dass sie Olympiasiegerin geworden ist“, erzählt er. Wenige Minuten später tobte das Publikum. Genau deswegen ist Weitsprung auch die Lieblingsdisziplin von Roland Reiser: „Da ist die Stimmung besonders gut, weil die Tribüne sehr nah dran ist.“

Solche Situationen sind es, die den ganzen Stress wettmachen, den Roland Reiser während der Olympischen Spiele hat. Mehr als vier Stunden Schlaf sind selten drin, danach braucht er immer erst einmal Urlaub. Trotzdem steht für ihn jetzt schon fest: „Zu den nächsten Spielen möchte ich wieder hin."

Claudia Schuri

Rubriklistenbild: © privat

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