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Eine Option: Die Stadt könnte zuschlagen, das Rössler-Anwesen kaufen und hier das Bürgerbüro unterbringen.

Für eine Stadt der kurzen Wege

Grundsatzentscheidung zur Rathauserweiterung

Dachau - Die ehemaligen Geschäftsräume des Schuhhauses Rössler stehen zum Verkauf. Die Stadt könnte zuschlagen und hier das Bürgerbüro unterbringen, in dem jetzt qualvolle Enge herrscht. Der CSU geht das allerdings zu schnell.

Die Stadtverwaltung platzt aus allen Nähten. Vor allem im Bürgerbüro in der Pfarrstraße ist aufgrund des regen Kundenverkehrs längst die Kapazitätsgrenze erreicht: Die Arbeitsplätze sind drei- und vierfach belegt. Um auf die Suche nach Standorten zu gehen, braucht die Stadtverwaltung einen politischen Beschluss: wo gesucht werden soll. Der Hauptausschuss hat in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen, dass die Verwaltung in der Altstadt konzentriert bleibt – mit Blick auf das Rössler-Anwesen, das zum Verkauf steht. CSU und FDP stimmten gegen diesen Antrag von SPD und Bündnis für Dachau. Was völliges Unverständnis bei den anderen Fraktionen auslöste – und Spekulationen befeuert.

Im Bürgerbüro geht es bisweilen zu wie in einem Taubenschlag: Zu rund 25 000 Kundenkontakten kommt es pro Jahr. Es herrscht drangvolle Enge. Nun, da das Schuhhaus Rössler vom Widerstandsplatz in das Koller-Anwesen in der Konrad-Adenauer-Straße umzieht, könnte es eine Lösung geben – hoffen zumindest SPD, Bündnis für Dachau und die Grünen. Zusätzlich zum Antrag, dass die Verwaltung in der Altstadt konzentriert bleiben sollte, hatten sie nämlich gefordert, zu prüfen, ob das Rössler-Anwesen zum Verkauf steht. Das Ergebnis: ja. Und die Stadt hätte ein Vorkaufsrecht – nach dem 2011 beschlossenen Zentrenkonzept für Grundstücke in der Innenstadt.

Sabine Geißler (Bündnis für Dachau), Sören Schneider (SPD), Thomas Kreß (Grüne) und sogar Edgar Forster (Freie Wähler) hätten vermutlich frohlockt – wäre da nicht die zögerliche CSU. Die hat schon am Tag vor der Sitzung einen Eilantrag mit sieben Fragen zur Erweiterung der Verwaltung eingereicht: „Weil es sich um eine Grundsatzentscheidung handelt“, erklärte Florian Schiller. „Und um die treffen zu können, brauchen wir weitere Informationen.“

OB Florian Hartmann (SPD) beantwortete die Fragen zur Anzahl der Arbeitsplätze, Flächenerfordernis, Barrierefreiheit so weit wie möglich in der öffentlichen Sitzung – und verwies in einigen Punkten bezüglich Kosten auf den nichtöffentlichen Teil. Doch Dominik Härtl hatte Bedenken: „Es spricht viel für die Altstadt, aber eventuell ist es kundenfreundlicher, einen Standort in dem Stadtteil zu schaffen, wo die meisten Bürger leben.“ Sabine Geißler sah hier ein „Problem der Zerrissenheit“. Mittlerweile ist die Verwaltung auf vier Standorte verteilt, alle in der Altstadt, wie Bündnis und SPD in ihrem Antrag ausführen. Für die künftige Erweiterung nur im Bereich der oberen Stadt sprechen zum einen die „kurzen Wege“, zum anderen seien die Besucher auch mögliche Kunden für die Altstadtgeschäfte.

Sören Schneider waren Härtls Argumente nebulös. Er warf der CSU vor, „Nebelkerzen“ zu werfen. Kreß unterstellte der CSU eine „üble Verzögerungstaktik“. Genau wie Geißler: „Wir haben jetzt eine gute Lösung vor der Nase – und ergreifen sie nicht. Das darf man durchaus als Verzögerung bezeichnen.“

Härtl wies diese Vorwürfe als absurd zurück: „Eine Investition von 10 bis 20 Millionen Euro als Nebelkerze zu bezeichnen, finde ich mutig.“ Ein weiteres Argument gegen das Rössler-Anwesen erwähnte Schiller: Das Bürgerbüro werde im Zuge der Digitalisierung „bald schon ganz anders aussehen als heute“.

Die Christsozialen erweckten tatsächlich den Eindruck, dass sie verhindern wollen, dass die Stadt das Rössler-Anwesen kauft. Was bleibt, sind Spekulationen: Soll das Rössler-Anwesen anderen Investoren vorbehalten bleiben? Erwägt die CSU einen Umzug des Bürgerbüros auf das Wiesböck-Grundstück oder in das Post-Gebäude am Bahnhof?

Fest steht: Die CSU stimmte gegen den Grundsatzbeschluss, dass die Verwaltung nur in der Altstadt nach Räumlichkeiten suchen soll. Härtl erklärte gestern: „Uns stört das Prozedere.“ Es sei völlig unstrittig, dass man eine vernünftige Lösung für das Bürgerbüro braucht, aber es sollten alle Alternativen geprüft werden. Das sei bisher nicht geschehen.

Sabine Geißler wies jedoch auf Hörhammer- und Hattinger-Anwesen hin, die beide geprüft und verworfen worden seien. „Seit Jahren wird nach Möglichkeiten gesucht“, so Kreß. Sogar Edgar Forster wich von seinem Pro-CSU-Kurs ab: „Bei allen Bedenken der CSU ist das Rössler-Anwesen immer noch das beste.“

SPD, Bündnis, Grüne und FW stimmten also für die Rathauserweiterung in der Altstadt. Weil es sich um eine Grundsatzentscheidung handelt, muss der Stadtrat noch abstimmen: Das wird er in der nächsten Sitzung am Dienstag, 6. Oktober, tun – das Ergebnis wird dem Stimmverhältnis zufolge das gleiche sein. Danach könnte die Stadt in Grundstücksverhandlungen mit dem Inhaber des Rössler-Anwesens treten.

no

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