Erhoben das Glas auf die Zukunft des Ehrenamts (von links): Eva Rehm, Landrat Stefan Löwl, Birgit Hausotter, Ursula Kreis, Robert Modlinger, Christian Blatt und MdL Anton Kreitmair. Foto: Betz

Das Ehrenamt: eine Frage der Zeit

Kleinberghofen - Ihr Engagement ist riesig und unerlässlich. Denn ohne Ehrenamtliche gäbe es vieles nicht, worauf die Gesellschaft heutzutage Wert legt. Doch erfahren die Freiwilligen, allein 3,8 Millionen in Bayern, Wertschätzung? Welche Probleme gibt es? Diese Fragen hat der CSU-Ortsverband Erdweg thematisiert.

„Ehrenamt - Zukunft?“ Bewusst stand das Fragezeichen hinter dem Motto des Neujahrsempfangs am gestrigen Sonntag im Bürgerhaus Kleinberghofen. Denn jetzt und in der Zukunft könne die Gemeinde mit einem eng geschnürten Haushalt nicht alles leisten, was an Aufgaben notwendig ist, stellte CSU-Ortsvorsitzende Eva Rehm in ihren Begrüßungsworten dar. Sie nannte als eine der großen Leistungen von Ehrenamtlichen die große Hilfe bei der Sanierung des Wirtshauses am Erdweg, das wiederum eine Heimstätte auch für die Vereine werden soll. Vereine trügen oft Ideen und Werte weiter. Anerkennung und Wertschätzung seien dabei der einzige Lohn.

Ob das für die Zukunft ausreicht, das versuchten hochkarätige Podiumsgäste im voll besetzten Saal zu klären. Moderiert wurde die Diskussion von Christian Blatt, stellvertretender Ortsvorsitzender, zweiter Bürgermeister und selbst als Schützenmeister der Landschützen und als zweiter Kommandant der Großberghofener Wehr ehrenamtlich tätig.

Für die Nachbarschaftshilfe sprach Ursula Kreis, für den Sport SpVgg-Vorsitzender Robert Modlinger, für den Gewerbeverband Birgit Hausotter. Die Bauernschaft repräsentierte MdL Anton Kreitmair, den Landkreis Landrat Stefan Löwl. Er ist unter anderem kirchlich engagiert und beim Krieger- und Soldatenverein.

Einig waren sich alle, die teils seit Jahrzehnten ehrenamtlich beschäftigt sind: Die Tätigkeit nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Und das mache es für manchen Mitmenschen schwierig, ein Amt zu übernehmen. Zumal, wenn Arbeiten nur von Fall zu Fall zu erledigen sind, wie bei der Nachbarschaftshilfe. Angefangen hat diese vor 25 Jahren mit 20 bis 30 Helfern. Jetzt sind viele Aufgaben, wie etwa die Pflege, weggefallen und damit auch ein Stamm von Helfern. „Denn nicht jeder ist bereit, nur auf Zuruf zu arbeiten“, so Ursula Kreis. Doch werde immer noch Enormes geleistet: allein 6000 Kilometer für Fahrdienste und 700 Arbeitsstunden im Jahr 2014.

Auch Birgit Hausotter nannte den Faktor Zeit, stellte aber zahlreiche positive Erfahrungen in den Vordergrund. Der Gewerbeverein habe viel bewegt und stetig Zulauf. Aus einst 24 Mitgliedern vor 17 Jahren sind 70 geworden, teils sogar auswärtige. „Wir sind halt eine starke Gemeinschaft.“

Ein großes Problem sahen alle Podiumsteilnehmer zudem in der Haftungsfrage, auch wenn Ursula Kreis relativierte, dass Gemeinde und Pfarrverband eigene Versicherungen für die Nachbarschaftshilfe abgeschlossen haben. „Man versucht als genehmigende Behörde Spielräume herauszuholen und Standards zu setzen, aber sobald etwas passiert, wird wieder mehr Strenge gefordert“, erklärten Stefan Löwl und Anton Kreitmair zu Robert Modlingers Beispiel der Hawaiifeste.

Bei Christian Blatts Frage, wie man die Vereine unterstützen kann, damit sich mehr Leute einbringen, betonte Landrat Stefan Löwl: „Es geht vor allem um eine Kultur der Anerkennung.“ Großer Dank werde Ehrenamtlichen zum Beispiel bei Empfängen geschenkt. Außerdem wurde die Bayerische Ehrenamtskarte eingeführt. Deren Inhaber erhalten vielseitige Angebote und Rabatte, nicht nur im Landkreis Dachau, sondern auch in vielen weiteren bayerischen Landkreisen und Städten, die sich der Ehrenamtskarte angeschlossen haben. Die Verantwortlichen wünschten sich aber auch gewisse finanzielle Anreize für Helfer oder Schulungen. Auch eine externe Plattform oder der Aufbau einer vom Landratsamt geplanten Koordinierungsstelle für das Ehrenamt wurde begrüßt.

Ursula Kreis hob allerdings noch den Dank und die Rührung der Leute hervor, die Hilfe erfahren. Anton Kreitmair appellierte schließlich an die Jugend, sich mehr einzubringen in die Gesellschaft. Jeder könne in ein Amt hineinwachsen und seinen Horizont erweitern. Schon in die Landwirtschaftsschulen wolle er den Gedanken hereinbringen, dass es mehr gibt als berufliches Wissen. Der oberbayrische BBV-Bezirkspräsident: „Das Entscheidende ist der Mensch.“

Sabine Schäfer

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