Zieht Bilanz: Silvia Gruber, Leiterin des Tierheims. Foto: dg
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Zieht Bilanz: Silvia Gruber, Leiterin des Tierheims.

Corona, Katzenseuche und Kosten

Ein katastrophales Jahr für das Tierheim

Corona, Katzenseuche und erhöhte Kosten: Als „Katastrophenjahr“ bezeichnet Silvia Gruber das ausklingende 2020. Die Chefin des Dachauer Tierheims blickt zurück.

VON VERENA MÖCKL

Dachau – Corona hat das Dachauer Tierheim hart getroffen. Doch damit nicht genug: Die Katzenseuche wütete im Sommer, dazu kommen Mehrkosten beim Bau des Multifunktionsgebäudes. „Dieses Jahr war ein Katatrophenjahr“, sagt Silvia Gruber, Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen mussten der Osterbasar und die regelmäßig stattfindenden Flohmärkte abgesagt werden. Wichtige Einnahmen sind dadurch weggebrochen. „Auch die Spenden sind rückläufig“, beklagt Silvia Gruber. Die Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins leitet ehrenamtlich das Tierheim an der Roßwachtstraße.

Eigentlich sollte der Bau eines erweiterten Multifunktionsgebäudes diesen März beginnen. Dadurch sollte dringend benötigter Platz für Hunde und Katzen geschaffen werden. Doch Corona machte dem Tierheim auch hier einen Strich durch die Rechnung. Der Bautermin musste verschoben werden, sodass die Außenbauarbeiten erst im Spätherbst starten konnten. Doch da stand das Tierheim auch schon vor dem nächsten Problem, denn die Bodenproben seien Gruber zufolge nicht sonderlich gut gewesen. Dies hatte zur Folge, dass die Entsorgung des Erdreichs deutlich kostspieliger wurde als anfangs angenommen.

Aber nicht nur in diesem Bereich sind die Kosten laut Gruber „explodiert“ – auch für die medizinische Versorgung von kranken und schwer verletzten Tieren. „Das ist Wahnsinn“, echauffiert sich Gruber. „In diesem Jahr haben sich noch mehr Besitzer geweigert, OP-Kosten für ihre Haustiere zu übernehmen.“ In solchen Fällen müsse dann das Tierheim einspringen. Denn solange ein krankes und verletztes Tier durch eine entsprechende Behandlung wieder gesund werden kann, hat es auch Anspruch auf eine Behandlung und darf nicht einfach vom Tierarzt eingeschläfert werden.

Doch damit nicht genug. Im Sommer wütete dann die hochansteckende Katzenseuche im Tierheim. Für das Personal ein enormer Stress. „18 Katzen mussten gleichzeitig versorgt werden“, erzählt Gruber. „Die meisten Tiere haben die Seuche zum Glück gut überstanden.“

Doch das Tierheim sah sich nun vor dem nächsten finanziellen Problem: 40 000 Euro für den Klinikaufenthalt der kranken Kätzchen. „Das hätte uns beinahe das Genick gebrochen.“ Ohne den Spendenaufruf in Internet hätte das Tierheim die Kosten nicht stemmen können.

Und jetzt? Nachdem sich Gruber und ihr Team vom ersten Lockdown und der Katzenseuche langsam erholt haben, kommt auch schon der zweite Lockdown.

Doch der Bund hat für das Jahr 2021 fünf Millionen Euro an coronabedingten Hilfen bundesweit für Tierheime beschlossen. Die Gelder sollen in Form von einmalige Betriebskostenzuschüssen fließen. „Bis jetzt haben Tierheime noch nie Zuschüsse vom Bund für ihre Projekte bekommen“, sagt Gruber. Zwar sei noch nicht bekannt, wofür das Geld genutzt werden soll, doch für die Leiterin des Dachauer Tierheims sind die Hilfen dennoch ein Lichtblick.

Denn auch wenn die Nachfrage nach Tieren während der Corona-Krise stark gestiegen sei, befürchtet Gruber: „Wenn die Krise vorbei ist und die Menschen nicht mehr im Homeoffice sind, wird vielen auffallen, dass sie ja gar keine Zeit für ein Haustier haben und es wieder bei uns abgeben.“ Sie appelliert deswegen an das Verantwortungsbewusstsein der Tierhalter. Genau in diesen schweren Zeiten sei es wichtig, sich die Anschaffung eines Tiers besonders gut durch den Kopf gehen zu lassen und nicht voreilig eine Entscheidung zu treffen.

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