Annalena Elsner (rechts) verfasste ihre Seminararbeit über Pfarrer Paul Lachawietz. Zur Ausstellungeröffnung waren auch dessen Nichten in Altomünster: Maria Kirchhuber (links) und Hedi Grünwald (Mitte). Foto: gh

Ein eindrucksvoller Lehrgang in Zeitgeschichte

Altomünster - Mehr als zwei Generationen sind nach dem Zweiten Weltkrieg geboren worden. Nur wenige junge Leute wissen aber, wie es damals zuging in Deutschland, im eigenen Umfeld. Die Geschichtswerkstatt vermittelt Einblicke. Im Museum Altomünster sogar mit einer Doppelausstellung.

„Dies ist der beste Zeitpunkt für eine solche Ausstellung“, stellte Altomünsters Bürgermeister Anton Kerle bei der Eröffnung am Samstagabend im Museum Altomünster fest (wir haben berichtet). Nach so langer Zeit gelinge eine wertfreie Betrachtung, doch je mehr Zeit vergeht, desto weniger Zeitzeugen gibt es.

Doch sind es nicht nur Zeitzeugen, die die einmalige Doppelausstellung „Kriegsende und Nachkriegszeit im Landkreis Dachau“ sowie „Das Lager und der Landkreis“ auf die Beine gestellt haben. Vielmehr sind es Geschichtsinteressierte und Heimatforscher, die als Team der Geschichtswerkstatt unter der Leitung von Dr. Annegret Braun und Sabine Gerhardus zusammen mit den Volkshochschulen, Dachau Agil und Dachauer Forum sowie dem Projektkoordinator Thomas Vötter einen Lehrgang für regionale Zeitgeschichte in verschiedenen Gemeinden und bis April im Museum Altomünster anbieten können.

Der Rundgang durch das Museum mit acht Ausstellungsplakaten zum Kriegsende und der Nachkriegszeit rief bei manchen Besuchern der Vernissage Erinnerungen wach. Andere zeigten ungläubiges Erstaunen, mussten teilweise schmunzeln. So etwa beim Plakat zum Einmarsch der Amerikaner. Die Amerikaner seien ganz wild gewesen auf Eier und plünderten Hühnerställe. Sie hatten Angst, von den Deutschen vergiftet zu werden.

Gelächelt wurde auch, als Dr. Annegret Braun in ihrer Einführung über manche Liebesbeziehung sprach: 1946 kam in Altomünster das erste Besatzungskind zur Welt.

Natürlich schlägt die Ausstellung auch ernste Töne an: Wenn es um die damaligen Flüchtlinge und Vertriebenen geht, um Wohnungsbeschlagnahmungen, um die Entnazifizierungen. „Plötzlich will niemand mehr Nazi gewesen sein“, schrieb Pfarrer Ludwig Endres aus Röhrmoos.

Wie schwer es war, wieder geordnete Strukturen zu schaffen, das ahnte Alto Gruner, 1945 Altomünsterer Bürgermeister. Auf dem Plakat über den Aufbau von Schule, Kirche und Politik ist sein Tagebucheintrag vermerkt: „Dass ich einen schweren Kreuzweg gehen muss, habe ich schon gemerkt. Warum der Herrgott gerade mich mit dem Bürgermeisterposten gestraft hat, weiß ich nicht. Er wird’s schon wissen.“

Die lokale Ausstellung bereichert haben Annemarie Seidenbusch, Rosemarie Henkel und Wolfgang Graf.

Zusammen mit den Heimatforschern erarbeiteten mehrere Schüler der beiden Dachauer Gymnasien und des Camerloher-Gymnasiums Freising die zweite Ausstellung „Das Lager und der Landkreis“. Es handelt sich um ein Biographieprojekt über zehn Leute, die entweder im Landkreis geboren wurden und ins KZ kamen oder im Landkreis geblieben sind, trotz aller Leiden im KZ.

Einer von ihnen ist Pfarrer Paul Lachawietz, einer von über 3000 Geistlichen, die im KZ Dachau inhaftiert wurden. Über ihn hat die jetzige Studentin Annalena Elsner aus Wiedenzhausen ihre Seminararbeit erstellt. Dabei konnte sie auf Zeitzeugenaussagen zurückgreifen und hatte Unterstützung von Lachwietz’ Nichten, die bei der Vernissage zwei der vielen Ehrengäste waren.

Der Grund der Verhaftung: In seiner Zeit als Pfarrer in Neusalz an der Oder habe er eine Frau, die gerade entbunden hatte, dazu gedrängt, das Kind katholisch taufen zu lassen. Sehr zum Missfallen ihres Mannes, eines fanatischen NSDAP-Anhängers, der den Vorfall der Gestapo meldete. Nach drei Monaten im Gefängnis wurde Lachawietz als politischer Häftling ins KZ Dachau gebracht. Nach zwei Jahren Leidenszeit wurde er wieder entlassen. 1948 kam er als Kaplan nach Altomünster. Er engagierte sich in mannigfaltiger Hinsicht. 1957 zog er schließlich nach Sittenbach, um dort die Stelle des Pfarrers zu übernehmen., blieb der Marktgemeinde aber bis zu seinem Tod 1992 eng verbunden. Jeder Altomünsterer kannte ihn und er all „seine Schäfchen“.

Die Ausstellung

ist bis 19. April im Museum Altomünster zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch bis Samstag von 13 bis 16 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Am kommenden Sonntag findet um 14 Uhr eine Führung statt.

Sabine Schäfer

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