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Gute Besserung? Die Klagen über Missstände am Dachauer Krankenhaus hören nicht auf.

Krankenhaus Dachau

Angestellte klagt: Pflegekräfte sind mit ihren Kräften am Ende

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Dachau - Vor vier Wochen hat die Leitung der Helios-Klinik in Dachau einen Plan mit sieben Punkten vorgelegt, um die Missstände in Hygiene und Pflege in den Griff zu bekommen. Umgesetzt wurde davon bisher nur wenig – und die Personalsituation spitzt sich immer mehr zu. „Meine Mitarbeiter können nicht mehr“, berichtet eine Angestellte.

Das Klinikum Dachau hat wie mehrfach berichtet ein großes Problem mit der Pflege der Patienten und mit der Sauberkeit in den Zimmern. Die Klinikleitung hatte schnell auf die Vorwürfe von Patienten, deren Angehörigen sowie den Mitarbeitern reagiert und Mitte Oktober ein Maßnahmenpaket vorgelegt. Seitdem ist nur wenig passiert – und die Personalsituation spitzt sich gerade aufgrund mehrerer Krankheitsausfälle mehr und mehr zu, sagt Sabine Obendorfer (Name geändert), eine Angestellte im Pflegebereich. Sie berichtet, dass ihre Mitarbeiter „sowohl körperlich als auch psychisch am Ende“ seien. Pflegedirektor René Marx widerspricht.

„Seit zwei Wochen ist es ein Regelfall, dass drei examinierte Pflegekräfte eine Station mit 60 bis 70 Betten alleine im Tagdienst versorgen“, berichtet Sabine Obendorfer. Im Nachtdienst sei gar nur eine Krankenpflegehelferin alleine auf Station gewesen – „dabei darf eine KPH eigentlich nur zusammen mit einer examinierten Pflegekraft arbeiten“. Eine gute Pflege der Patienten sei im Dachauer Klinikum schon lange nicht mehr gewährleistet.

Dabei hatten Geschäftsführer Christoph Engelbrecht, Pflegedirektor René Marx sowie der Ärztliche Direktor Prof. Horst-Günter Rau eine Entlastung der Pflegekräfte angekündigt – und auch schon einen ersten Teil der Maßnahmen umgesetzt: „Ein neu organisiertes Team der Stationshilfen übernimmt alle Reinigungsarbeiten“, lautet der entsprechende Punkt im damals angekündigten Maßnahmenpaket. Das sieht laut Obendorfer so aus: Pro Station arbeiten zwei Stationshilfen täglich von 11 bis 15 Uhr. „Die füllen die Stationswagen mit frischer Wäsche auf und schauen, dass die Zimmer sauber sind“, allerdings kennen die meisten das Krankenhaus-System nicht – „so dass sie uns viel fragen und uns oft mehr Zeit kosten als sie uns helfen“.

Ein weiterer Punkt zur „unmittelbaren Entlastung der Pflege“ ist die Erweiterung des Ausfallkonzeptes für ungeplante Krankheitsfälle. Doch laut Pflegedirektor Marx befinde sich die Krankheitsquote in der Pflege im Branchenschnitt und werde kontinuierlich geprüft. „Kurzfristige Engpässe werden durch verschiedene Maßnahmen wie Belegungssteuerung, Springerpool oder Unterstützung durch andere Stationen ausgeglichen“, ließ Marx schriftlich mitteilen. Zum Aufnahmestopp, den die Mitarbeiter schon auf der Podiumsdiskussion Ende November forderten, bezog er keine Stellung.

Daher ist laut Obendorfer bei solch kurzfristigen Personalengpässen ein Aufnahmestopp ein gutes Instrument zur Entlastung der Pflegekräfte – und an anderen Krankenhäusern durchaus üblich. „In München melden sich viele Krankenhäuser nachts regelmäßig bei der Integrierten Leitstelle ab, so dass Rettungswagenfahrer sie nicht anfahren.“ In Dachau werden gerade nachts viele Patienten aufgenommen, „durchschnittlich drei bis fünf Zugänge pro Nacht“. Zum Teil wurden schon Aufnahmestopps von der Klinik-Leitung versprochen, sagt Obendorfer – „dennoch laufen die Aufnahmen wie gewohnt weiter“. Eine Bettensperrung, die längerfristig angesetzt ist, „kommt nicht in Frage, da dies Einbußen für das Haus bedeuten würde“.

„Meine Mitarbeiter können nicht mehr – interessieren tut es nur niemanden, im Gegenteil: Sie werden verbraten“, sagt Obendorfer. Die Mitarbeiter in dieser Branche seien sozial eingestellt, sie wollen den Patienten helfen und die Kollegen nicht im Stich lassen, „damit rechnen die Oberen, so manipulieren sie uns“.

Dabei droht möglicherweise im Frühjahr der Kollaps: Denn alleine auf zwei Stockwerken haben laut Obendorfer sieben Angestellte im Pflegebereich zum Jahresende gekündigt. Noch seien diese Stellen nicht nachbesetzt. Und wenn zum Jahresanfang neue Mitarbeiter kommen, müssten sie erst eingearbeitet werden – eine Phase, die drei Monate dauern kann. 

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