Er rappt voller Leidenschaft – und ziemlich professionell: Peter Okoduwa aus Nigeria. ans

Eine bunt gemischte Session

Dachau - Fetziger Rock, Ohrwürmer aus den 90ern, lässige Rapmusik oder entspannter Reggae zum Mitwippen: Auf dem Toleranz-Jam waren nicht nur die Musikrichtungen bunt gemischt, sondern auch das ausgelassene Publikum auf der Tanzfläche und die Künstler auf der Bühne.

Wer bei der Jam-Session der Stadt Dachau im Adolf-Hölzel-Saal ein Lied singen oder musizieren wollte, nahm einfach seinen Mut zusammen und marschierte auf die Bühne. „Das Schöne ist, dass man sich in einer relaxten und unkomplizierten Atmosphäre kennenlernen kann. Dafür haben wir sowohl Dachauer Musiker, als auch Flüchtlinge eingeladen“, erklärt Tobias Schneider vom Kulturamt Dachau.

Er hat den Musikabend mit kulturellem Austausch zum zweiten Mal mitorganisiert. Die Idee zum gemeinsamenMusizieren, Singen und Tanzen der verschiedenen Nationen ist mit der Abteilung „Jugend und Integration“ entstanden. Auch Oberbürgermeister Florian Hartmann ist vor Ort: „Ich hoffe, dass heute die gleiche ausgelassene Feierlaune wie letztes Jahr aufkommt.“

Das tut sie. Nachdem die Dachauer Band „Mama Makes Coffee & Friends“ mit Frontsängerin Kathrin Birkeneder und die Musiker der Bluenote Musikschule erst einmal das Eis gebrochen hat, traut sich auch Peter Okoduwa aus Nigeria spontan auf die Bühne. Er ist 22 Jahre alt, trägt eine lässige Sportjacke, eine schwarze Basketballmütze und eine große Kreuzkette über seiner Brust. Sein großes Vorbild ist der amerikanische Rapper 50 Cent. Peter Okoduwa singt mit Leidenschaft, schließt dabei die Augen und versucht, mit seiner Hand den Rhythmus nachzufühlen.

Die Tanzfläche ist prall gefüllt, die Besucher wippen mit und staunen über den talentierten jungen Mann. Peter Okoduwa ist erst seit einem Monat hier und spricht bisher nur Englisch, aber auf der Bühne spielen die Sprachbarrieren keine Rolle mehr. Nach seinem Auftritt ist er zufrieden. „Es war gut. Die Jam-Session ist eine tolle Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit zu singen.“

Zwischen den Auftritten der verschiedenen Künstler können sich Flüchtlinge und andere Besucher austauschen und in den Alltag der anderen eintauchen. Der 27-jährige Yahia Alsheikh und der 17-jährige Mohamad Abde kommen aus Syrien und trinken auf den ersten Blick ein ganz normales Weißbier. Doch „Das stimmt nicht“, grinst Yahia Alsheikh. „Wir sind Muslime. Das ist alkoholfreies Bier.“ Die syrischen Männer am Tisch begrüßen sich mit zwei Küsschen auf die Wange. Der Saal füllt sich, bis alle Plätze besetzt sind. Die fünf langen Tischreihen aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Senegal, Kongo, Syrien, Nigeria und weiteren Teilen der Welt - und aus dem Landkreis vermischen sich langsam, wie auch die Künstler auf der Bühne.

„No women, no cry“ schallt es jetzt von vorne. Die Dachauer Sängerin Kathrin Birkeneder, Pitchou Kanky und Vicky Pony, beide aus dem Kongo, singen die berühmte Reggae-Ballade von Bob Marley voller Hingebung. Dabei lugt das Dreier-Gespann ab und zu in das Smartphone von Birkeneder, um den Text nachzulesen. Viele der begeisterten Zuschauer trällern lautstark mit.

Auch das Fazit von Vicky Pony ist positiv: „Wir können es natürlich noch besser. Aber die Hauptsache ist: Wir haben gesungen, getanzt und uns gut amüsiert.“ Zum Ausklang singt Steffi Trinker von der Bluenote Musikschule gemeinsam mit syrischen Buben den Gute-Laune-Song „Happy“. Das Publikum ist begeistert - und glücklich.

(ans)

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