„Wenn es nix wird, dann wird es eben nix“: Testfußgänger OB Florian Hartmann. foto: hab

Nun ist es eine Einkaufsstraße

Dachau - Es ist vollbracht: Die Münchner Straße ist dreispurig. Gestern wurde die neue Verkehrsführung eingeweiht: Die Wandlung von der vielspurigen Verkehrsachse zur Einkaufsstraße.

Die Autofahrer stehen geduldig hintereinander in der Schlange. Die wenigen Radfahrer, die sich im Regen auf die Straße trauen, fahren brav auf den Fahrradschutzstreifen. Die Fußgänger überqueren die Straße auf Höhe der neuen Verkehrsinseln - und die Autofahrer halten sogar extra für sie an. Es scheint zu laufen auf der neuen Münchner Straße.

Sicherlich auch wegen der Sommerferien, das geben die Verantwortlichen freimütig zu. Das habe ja auch seine Vorteile: So können sich die Dachauer und die Pendler während des geringeren Verkehrsaufkommens in den Ferien schon einmal an die neue Situation gewöhnen. Bis dann im September die Straßen wieder voller werden.

Dabei gibt es gar nicht so wahnsinnig viel zum Umgewöhnen, führt Andreas Meyer vom Tiefbau aus: Die Straße ist zwar nicht mehr vierspurig, aber immerhin noch dreispurig, „überholen wird also weiterhin möglich sein“, etwa wenn jemand bei der Parkplatzsuche am rechten Straßenrand stehen bleibt - nur eben „mit verminderter Geschwindigkeit“. Was dagegen ab jetzt schwierig wird: sich auf der linken Spur weiter vor mogeln und kurz vor der Kreuzung wieder in die Ampelschlange hinein batzen. Die Drängler also werden es schwerer haben. Längere Staus fürchten die Verantwortlichen dagegen nicht: Schließlich wurde die innere Münchner Straße schon immer zu den beiden Kreuzungen hin einspurig. „Ob ich dazwischen zehn Spuren hab oder eine, macht keinen Unterschied“, meint Oberbürgermeister Florian Hartmann.

Nur: „Wichtig ist jetzt die gegenseitige Rücksichtnahme“, erklärt Bauamtsleiter Michael Simon. Wie es in einer Geschäftsstraße wie der Münchner Straße angemessen sein sollte. Deshalb auch die Schutzstreifen für Radfahrer: „Damit sie nicht mehr auf den Gehweg ausweichen“, so Verkehrsreferent Volker C. Koch, „und die Straße für die Fußgänger den Charakter einer Einkaufsstraße bekommt“. Die Schutzstreifen sind mit weißen Streifen markiert, nur bei Kreuzungen wurde auch rote Farbe benutzt, als besonderer Farbtupfer. Würde die rote Farbe „inflationär“ benutzt, wäre sie kein besonderer Augenmerk mehr, so Meyer - genau so macht es die Stadt auch in anderen Straßen. Für die Fußgänger gibt es die Überquerungshilfen, die Verkehrsinseln. Die übrigens nicht so flexibel sind, wie sie aussehen: Die Betonstücke wiegen jeweils ungefähr 800 Kilogramm und sind somit auch gegen etwaige Diebespläne von Volksfest-Scherzbolden gewappnet: „Da braucht man schon einen kleinen Kran“, scherzt der OB.

Wie die Anwohner, Geschäftsleute, Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer mit der neuen Situation zurechtkommen, das will die Stadt in einigen Monaten dann in einer ausführlichen Umfrage herausfinden. Die ersten Reaktionen vor Ort sind jedenfalls positiv: „Das war schon längst überfällig“, freut sich eine Anwohnerin. Meyer berichtet von erfreuten, aber auch von wütenden Reaktionen bei den Baumaßnahmen. Der OB bleibt aber entspannt: „Wenn es nix wird, dann wird es eben nix.“

Nina Praun

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