Eine Erfolgsgeschichte

Dachau - 60 Jahre - das sind fast drei Generationen. Und tatsächlich ist das Theater am Stadtwald so etwas wie ein Familienbetrieb: Die Bretter, die die Welt bedeuten, üben seit 60 Jahren unverändert ihre Faszination aus. Auf die „Alten“ ebenso wie deren Kinder und Enkel.

Der „Watsch“, wie er beim Theaterensemble heißt, Ernst Konwitschny, weiß wovon er spricht. Er lächelt in sich hinein, lässt die alten Auftrittsbilder vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen. Er ist bereits im Ruhestand - und kann es nicht lassen. Im 60. Jahr des Theatervereins führt er Regie bei der Herbstaufführung. Mit „Lumpazivagabundus“ wurde ein prominentes Stück gewählt, das vielerorts wiederentdeckt wurde. Auch bei den Salzburger Festspielen in diesem Jahr.

„Mit Rumpelstilzchen“ haben wir vor 60 Jahren angefangen, sagt er. Und fügt stolz hinzu, dass der Anspruch der Theatertruppe, aber auch des Publikums inzwischen deutlich gestiegen ist. „Das ist kein Umstand, der die Motivation der Laienschauspieler bremst. Im Gegenteil: Sie fühlen sich gefordert, angespornt. Alt wie Jung“, sagt Ingrid Zellner lebhaft. Sie hat selbst bei der Jugendbühne angefangen, wurde Theaterdramaturgin, und hat das berufliche Wissen gerne für die Bühne am Stadtwald genutzt. Über viele Jahre engagierte sie sich für die Bühne am Stadtwald, für das Erwachsenen- und Jugendtheater, vor und hinter der Bühne.

Das Theaterensemble hat in den Anfangsjahren hauptsächlich Zuwachs aus den Sportabteilungen des ASV bekommen. Eine Entwicklung, die es so heute nicht mehr gibt. Ernst Konwitschny sagt: „Heute sind die Menschen anders gefordert. Man muss man sich entscheiden: Sport oder Theater, beides neben dem Beruf oder Studium kriegen nur wenige hin.“

Und trotzdem: Für die Theatermacher am Stadtwald bleibt die Herausforderung, die Jugend zu gewinnen. Sie ist die Zukunft des Ensembles. Wie Ingrid Zellner, sollen sie hineinwachsen - in ihre Rollen und den Theaterbetrieb. Denn hier wird alles selbstgemacht: Die Inszenierung, das Bühnenbild, die Kostüme, die Masken, die Technik. Vielfach auch die Texte.

Einer, der von Anfang an dabei war, ist Erich Meister. Er spielte schon beim „Rumpelstilzchen“ mit und steht auch beim „Lumpazivagabundus“ wieder auf der Bühne. Zur Premiere ist es sein 100. Auftritt. In vielen Stücken hat er mit seinem humorvollen, oftmals kompromisslos kracherten Auftreten das Publikum zu wahren Lachstürmen hingerissen. Er ist ein bayrisches Unikum wie es sie nur noch selten gibt.

Dass die Mundart über Jahrzehnte wenig gepflegt wurde, macht sich schmerzlich bemerkbar. „Viele können den Dialekt nicht richtig sprechen“, beklagt Ernst Konwitschny. Das bestätigt auch der Vorsitzende des Theatervereins Heinz Dietz: „Der Dialekt ist bei der Jugend halt nicht in. Das ist für unsere Theaterwelt ein echtes Manko.“ Und oft ein Problem bei der Rollenverteilung, aber auch mit ein Grund, warum sich die Abteilungsleitung die Köpfe heiß redet, ob man nicht auf die Sparte Gesellschaftskomödie ausweicht. Es wäre eine mutige Entscheidung, für die man das Stammpublikum gerne gewinnen würde. Nicht zuletzt auch der Nachwuchskräfte wegen, die die Verantwortlichen gerne an „größere Aufgaben“ heranführen möchten.

Eigentlich ist die Bühne am Stadtwald ja in einer komfortablen Situation. „Es läuft alles rund bei uns“, freut sich Heinz Dietz. Und in Dachau haben wir keine echte Konkurrenz. Hier hat jede Bühne ihr eigenes Profil und entsprechendes Publikum. Dass das nicht überall so ist, weiß er nicht zuletzt von seiner Tätigkeit als stellvertretender Vorsitzender für den Bayerischen Theaterverband.

„Lumpazivagabundus“ ist eine Riesenherausforderung für die Bühne am Stadtwald. Insgesamt 24 Mitwirkende sind in drei Akten mit acht Bildern zu sehen, davon einige in Doppelrollen. Es wird also nicht nur auf der Bühne sondern auch dahinter turbulent, wo auf die Urgesteine Adi Morgott (Bühnenbau) und Fanny Lehmeier (Kostüme/Inspizientin) auch diesmal nicht verzichtet werden kann.

Die Inszenierung der Bühne am Stadtwald weicht von der Originalfassung von Johann Nestroy insofern ab, als es keine gesungene Opernparodie gibt, und auch der Schluss verläuft etwas anders, wirklichkeitsnäher. Denn, „der Stoff ist topaktuell“, sagt Ernst Konwitschny. Und Ingrid Zellner ergänzt: „Die Themen Werteverfall, Finanzverluste und Pessimismus begegnen uns täglich in unserem Leben - und beeinträchtigen uns. Vor allem aber die Jugend.“

Die Bühne am Stadtwald spielt das Stück „Der böse Geist Lumpazivagundus“ am Sonntag, 27. Oktober, um 14 Uhr (Einlass 12 Uhr) sowie freitags am 8., 15. und 22 November, und samstags am 27. Oktober, 9., 16. und 23. November (Beginn jeweils 20 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr). Der Eintritt kostet 10 Euro plus Vorverkaufsgebühr. Karten gibt es bei der Dachauer Rundschau und an der Abendkasse. (don)

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