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Resignieren gibt es bei Doris und Frantz Clotaire nicht, die Söhne Daniel (17) und Manuel (15) sind noch in Ausbildung bzw. Schule in den USA.

Hilfe für Hurrikan-Opfer in Haiti

Aufgeben kommt für Doris Clotaire nicht in Frage

Indersdorf - Vor drei Jahrzehnten ist Doris Clotaire, geborene Bucher, aus der Gemeinde Indersdorf nach Haiti ausgewandert und hat als Missionarin dort ihr Glück gefunden. Das jetzt arg getrübt wird durch den Hurrikan „Matthew“. Dabei sind die Wunden des schlimmen Erdbebens vor sechs Jahren noch gar nicht verheilt. Ans Aufgeben verschwenden Doris, ihr Mann und ihre beiden Söhne aber keinen Gedanken.

Die Bilder von der verheerenden Katastrophe durch den Hurrikan „Matthew“ in Haiti, die in den vergangenen Wochen durch die Medien gingen, haben auch viele Landkreisbürger betroffen gemacht. Zumindest diejenigen, die Doris Clotaire kennen und wissen, dass es sich hier um die in dem Indersdorfer Weiler Tafern aufgewachsene Doris Bucher handelt.

„Es gibt viel viel Grund, dankbar zu sein, wir sind am Leben“, das waren die ersten Worte, die ihren Bruder erst eine knappe Woche nach der Naturkatastrophe aus dem fernen Haiti erreichten. Denn solange gab es wegen der unermesslichen Schäden weder telefonisch noch über E-Mail Kontaktmöglichkeit.

Die mittlerweile 60 Jahre alte, als Missionarin in Haiti arbeitende Frau ist die Tochter des früheren Ainhofner Freibad-Vorstands Hans Bucher und die Schwester von Peter Bucher, der in Indersdorf die Firma Ehrenleitner & Bucher leitet.

Vor knapp 30 Jahren hat sich Doris dazu entschieden, Hilfe für die Ärmsten in Haiti zu leisten und hat dann mit ihrem späteren Mann Frantz, einem Haitianer, damit begonnen, Hilfe zur Selbsthilfe in diesem armen Karibikstaat aufzubauen. Die in Ainhofen und Indersdorf zur Schule gegangene Frau arbeitete in ihrer Heimat zunächst als Dorfhelferin und bis zum Wechsel nach Haiti auch als Krankenpflegerin, was bezeugt, dass sie schon immer eine soziale Ader hatte.

In Haiti gründete sie eine Familie, in der sie mit ihrem Mann und den Söhnen Daniel (17) und Manuel (15) glücklich ist. Glücklich auch nach dem verheerenden Hurrikan, der vielen Menschen dort das Leben kostete. „Auch wenn wir viel Materielles verloren haben, geht es uns besser als den Leuten in der westlichen und nordwestlichen Gegend von uns, die haben nämlich alles verloren“, teilte die in Les Cayes im Süden von Haiti lebende ehemalige Indersdorferin mit, die dort eine Schule und eine Schulfarm aufbauen half.

Ziel der Familie Clotaire ist es, junge Menschen aus den verschiedensten Gemeinden von Haiti in Theologie, Land-und Forstwirtschaft sowie in Tierhaltung auszubilden. Die von Doris und Frantz Clotaire betreuten Studenten lernen innerhalb von drei Jahren ihre theoretischen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen.

Dafür wurde eine Schulfarm eingerichtet. Sie soll es den Schülern ermöglichen, auf ihren eigenen Parzellen Obst- und Gemüsebau zu praktizieren. Jeder Student wird nach zwei Jahren landwirtschaftlicher und theologischer Ausbildung einer ländlichen Kirchengemeinde zugeteilt und unterstützt außerdem den Pastor bei den vielfältigen Gemeindeaufgaben.

Die Natur hat nun schon zum zweiten Mal nach dem schlimmen Erdbeben im Jahre 2010 dem Engagement von Doris und Frantz Clotaire einen schweren Dämpfer verpasst. Für die beiden ist das aber kein Grund, ihre Bemühungen für Hilfe zur Selbsthilfe zurückzufahren. „Die fast trostlose Situation zehrt an unserer Kraft, weil es so viel zu tun gibt und man sich immer für etwas entscheiden muss, denn man kann nicht allen helfen. Aber wir versuchen in kleinen Schritten uns einzubringen“, schreibt Doris Clotaire, die auch einen drastischen Anstieg der Fälle von Cholera schildert und daher um Chlorine und die Wiederherstellung von Trinkwasser bemüht ist.

Medikamente kommen oft nicht dort an, wo sie am dringendsten benötigt werden. „Leider floriert der Schwarzhandel! Immer wieder werden Lkw mit Hilfsgütern überfallen und ausgeraubt. Inzwischen kann man schon diese Lebensmittel auf dem Markt hier kaufen. Wie traurig, dass Leute von diesem Elend profitieren“, so Doris Clotaire weiter.

Inzwischen koste der Sack Reis schon 75 Prozent mehr, und bald werde es lokal auch keine Obst und Gemüse mehr zu kaufen geben. Doris Clotaire befürchet eine humanitäre Tragödie, die materiellen Schäden seien da eher Nebensache.

Schon nach dem Erdbeben von 2010 hat Peter Bucher, der 2012 zusammen mit seiner Frau Katharina bei Aufbauarbeiten in Haiti mitwirkte, ein Spendenkonto eingerichtet und später, um Spenden auch steuerlich absetzen zu können, den Verein AeV – Augmenti et Vita (Wachstum und Leben) gegründet, dem namhafte Bürger aus dem ganzen Landkreis Dachau angehören. Wichtig ist diesen Leuten, dass Spenden auf Heller und Pfennig auch bei Buchers in Haiti ankommen. Die Sparkasse Dachau, bei der das Spendenkonto für Augmenti et Vita e.V. unter IBAN DE32 7005 1540 0280 4362 47 eingerichtet ist, übernimmt sogar die Auslandsspesen. Der Indersdorfer Frauenbund und die Weichser Schulschwestern haben schon zur Zeit des Erdbebens mit Spenden ein Herz für Haiti gezeigt.

Nachdem Buchers Schwester in ihrer jüngsten Meldung mitteilte, dass es für Medikamente sowie für Planen, Zelte und Wellblech für die kaputten Häuser an finanziellen Mitteln fehlt, hofft Bucher, dass wieder Hilfe aus dem Landkreis Dachau Haiti erreicht. Dass solche Spenden dann auch ohne jeglichen Abzug ankommen, versichert der Mechanikermeister, der in Glonn auch die Hammerschmiede und eine Metall-Werkstatt betreibt.

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