Rund 250 Bürger kamen zur Bürgerversammlung. foto: sh

Eine Insel der Glückseligkeit?

Haimhausen - Vor allem das Thema Asyl beherrschte die Bürgerversammlung in Haimhausen mit rund 250 Interessierten. Dabei äußerten die Teilnehmer ihre Ängste und Sorgen über die geplanten Asylunterkünfte. Gleichzeitig warnte Landrat Löwl vor Gerüchten und vorschneller Verurteilung.

Rund 250 Interessierte waren zur Bürgerversammlung in die Grund- und Mittelschule gekommen. Wie im Vorjahr war auch heuer das Hauptthema die Asylsituation in Haimhausen - jedoch verlief die Diskussion dieses Mal wesentlich emotionsfreier.

Landrat Stefan Löwl und Hauptkommissar Werner Kretz beantworteten Fragen der Bürger nach der zukünftigen Entwicklung der Asylunterkünfte. Landrat Löwl warnte davor die derzeitige Entspannungsphase durch die geschlossenen Grenzen nicht falsch einzuschätzen: „Das heißt nicht, dass auf uns in dieser Richtung keine Probleme mehr zukommen. Wir werden weiterhin Menschen aufnehmen müssen, auch aus unserer christlichen Verantwortung heraus.“

Zwar gebe es eine Einreisepause über die beiden Osterwochen, doch bis zum Jahreswechsel rechne das Landratsamt mit 3200 Flüchtlingen im Landkreis. Derzeit sind etwa 1900 Personen auf alle Gemeinden des Landkreises, mit Ausnahme von Hilgertshausen-Tandern und Sulzemoos, verteilt. Für die neuankommenden Menschen sind in Zukunft 20 bis 25 zusätzliche Unterbringungs-Standorte nötig. Auch in Haimhausen hat die Gemeinde dafür ein Haus am Pfanderling erworben. Im Obergeschoss will die Gemeinde dort weitere Wohnmöglichkeiten für Asylbewerber schaffen.

Den gestiegenen Verwaltungsaufwand im Landratsamt beschrieb Stefan Löwl anhand der Personalzahlen. „Anfang des Jahres 2013 hatten wir einen einzigen Sachbearbeiter für die Flüchtlinge, heute sind es mehr als 40. Aber die momentane Verschnaufpause erlaubt uns, die notwendige Verwaltung auf einen guten Weg zu bringen.“

Dringend warnte der Landrat davor, aktuellen Gerüchten Glauben zu schenken. „Wir sind allen Gerüchten hartnäckig nachgegangen. Kein einziges war wahr. Richtig ist, dass es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den Asylbewerbern untereinander gibt. Das wird auch nicht verheimlicht.“

Diese Tatsache bestätigte auch Werner Kretz von der Polizei Dachau. „An uns werden immer wieder Gerüchte, Belästigungen und Übergriffe durch Asylbewerber herangetragen. Wir gehen sofort jeder Sache nach, aber auch hier ist es so, dass sich kein Gerücht bewahrheitet hat.“

Außerdem fasste Werner Kretz zusammen, dass die Haimhauser auf einer Insel der sicheren Glückseligkeit lebten. Sowohl die Verkehrsunfallstatistik, als auch die Straftaten seien weit unter dem bundesweit niedrigsten Landesdurchschnitt. Darüber hinaus läge Haimhausen im Landkreis ebenso weit unter den Durchschnittszahlen der anderen Gemeinden.

Detlef Wiese vom Helferkreis Haimhausen ging auf die derzeitige Situation der Asylbewerber ein: Etwa 140 Helfer kümmern sich in Haimhausen um die 98 Flüchtlinge. Damit gäbe es mehr Helfer, als Flüchtlinge: „Man muss jedoch mitrechnen, dass ein Helfer wöchentlich nicht mehr als fünf Stunden Zeit aufwenden kann. Deshalb suchen wir noch immer Menschen, die sich uns anschließen möchten.“

Jürgen Schindler wiederum warnte in der Diskussion über die Asylsituation davor, sozial bedürftige Menschen nicht zu vergessen. Doch hier gab der Landrat Entwarnung. „Bisher hat im Landkreis Dachau noch kein einziger deutscher Staatsbürger einen Euro weniger bekommen, weil wir den Flüchtlingen helfen.“

Auch die Gemeinde bestätige, dass für die geplanten Baumaßnahmen noch genügend Geld da sei. Noch in diesem Jahr will sie den ersten Bauabschnitt zur Teilsanierung der 40 Jahre alten Kläranlage abschließen. Im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans ist ein vierspuriger Ausbau der B13 von Maisteig bis zur Autobahneinfahrt A 92 geplant. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hebertshausen soll außerdem ein Radweg nach Ampermoching entstehen. Dafür stehen Baumfällarbeiten an der Allee in diesem Herbst an und im kommenden Frühjahr 2017 soll der Ausbau beginnen.

(sh)

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