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Der Krisendienst Psychiatrie wird Zug um Zug ausgebaut: Andrea Kreppold-Roth, Dr. Michael Welschehold, Josef Mederer, Stefan Löwl, Andreas Miller, Kristina Kluge-Raschke und Katrin Meck (v.l.). 

Eine Telefonnummer für psychische Notfälle

Erste Hilfe in der Krise

Ab 1. Dezember gibt es eine neue Telefonnummer für Notfälle. Und zwar für seelische Notfälle. Unter 01 80/65 53 000 können Menschen in psychischen Krisensituationen zwischen 9 und 24 Uhr sofort telefonische Hilfe erhalten. 

„Krisen treffen nicht nur die Anderen“, sagte der oberbayerische Bezirkstagspräsident Josef Mederer bei einem Pressegespräch im Landratsamt. „Jeder Dritte gerät mindestens einmal im Leben in eine Situation, die professionelle psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe erfordert – unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildung, Herkunft oder Beruf.“

Der Krisendienst Psychiatrie für Oberbayern wird gerade Zug um Zug aufgebaut. Seit Juni sind Stadt und Landkreis München am Netz, im Dezember folgen neben Dachau und Freising die Landkreise Starnberg, Fürstenfeldbruck, Erding und Ebersberg. Im Frühjahr stehen die Regionen im Süden sowie Ingolstadt an. Ab 2017 will der Bezirk rund 7,4 Millionen Euro jährlich in den Krisendienst investieren. Insgesamt entstehen 88 neue Stellen. „Für uns im Bezirkstag ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Lebensverhältnisse in Stadt und Land gleichwertig sind. Mit dem Krisendienst für ganz Oberbayern können endlich auch Menschen in akuten seelischen Krisen, die nicht in München leben, einen Hilferuf an einer ausgewiesenen Fachstelle absetzen“, erklärte Mederer.

Dass das ganz plötzlich nötig sein kann, weiß Katrin Meck, Psychiatrie-Erfahrene aus Neufahrn (Kreis Freising): „Ich habe Phasen gehabt, da habe ich jemanden gebraucht. Ich habe im Telefonbuch gesucht, aber niemanden gefunden, der mir helfen konnte“, berichtet sie. Erst nach einiger Zeit fand sie einen Psychotherapeuten, der ihr helfen konnte. Deshalb erachtet sie dieses neue Angebot als dringend notwendig. „Ich hätte schon Wochen oder Monate früher jemanden gebraucht, um die Krise zu bewältigen.“

Und das soll nun mit dem neuen Angebot sichergestellt werden. Dr. Michael Welschehold ist für die Leitstelle in München zuständig, die die Erstberatung der Anrufer sowie die Koordination der passenden Hilfen übernimmt. „Wir hören zu, deeskalieren, beraten und vermitteln. Denn die Betroffenen wissen in ihrer Not am wenigsten, wo es passende Hilfen gibt.“

In den Landkreisen liegt die Krisenintervention unter anderem in den Händen von Sozialpsychiatrischen Diensten und Psychiatrischen Institutsambulanzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der aufsuchenden Krisenhilfe. Sie kann präventiv erfolgen, um die Zuspitzung einer Krise abzuwenden. „Dadurch wird hoffentlich eine ganze Reihe der in akuten Krisenlagen immer wieder vorkommenden Polizeieinsätze überflüssig“, so Mederer.

Den Krisendienst Psychiatrie übernehmen in den Landkreisen Dachau und Freising die Sozialpsychiatrischen Dienste der Caritas-Zentren. Je zweieinhalb Personalstellen pro Landkreis sind für die mobilen Dienste eingeplant. Für die Bereitschaft an den Abenden, Wochenenden und Feiertagen werden Mini-Jobber aus dem betreffenden Berufsfeld eingesetzt, wie Psychotherapeuten, Pflegefachkräfte oder Ärzte, „die sich etwas dazu verdienen wollen“, so Andreas Miller vom Caritas-Zentrum Dachau. „Hier suchen wir auch noch weitere Kräfte.“

(sue)

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