Eine verquere Streifenführung

Dachau - Ursprünglich hatte ein Antrag auf beidseitige Fahrradschutzstreifen in der Schleißheimer Straße gelautet. Nun ist daraus ein teilweise beidseitiger, teilweise einseitiger Streifen geworden, etwas willkürlich anmutend - und erst einmal auf Probe.

Das Bündnis für Dachau hatte vor einem Jahr einen Antrag auf beidseitige Fahrradschutzstreifen an der inneren Schleißheimer Straße, zwischen Münchner Straße und Frühlingstraße, gestellt. Schon bei der ersten Behandlung des Themas in der April-Sitzung des Verkehrsausschusses gab es einige Missverständnisse, was Länge, Breite und Platzierung der Streifen anging - mit langwierigen Diskussionen darüber.

Dann wurde die Verwaltung beauftragt, detailliertere Vorschläge zu machen (wir haben berichtet). Nun legte sie diese in der jüngsten Verkehrsausschusssitzung vor. Und wieder gab es einige Missverständnisse, ein längeres Hin und Her - und schließlich vier einzelne Kampfabstimmungen über vier einzelne Abschnitte der Straße.

Das erstaunliche Ergebnis: Im Westen beginnt die Schleißheimer Straße nun mit einem einseitigen Fahrradschutzstreifen, da gleichzeitig südlich die Fahrradstraße parallel zur Schleißheimer entlang läuft. Doch auch an der Stelle, an der die Fahrradstraße aufhört und die Radler, die stadtauswärts fahren, wieder auf die normale Straße müssen, ist nur ein einseitiger Schutzstreifen an der Nordseite geplant. Der südliche Streifen beginnt erst einige Meter später, kurz vor dem Gröbenbach, geht dann aber weiter bis zur Kreuzung Frühlingstraße. Deshalb muss dort der Linksabbiegestreifen für Autofahrer in Richtung Martin-Huber-Straße wegfallen. Diese letzte Etappe des Streifens wurde jedoch nur für eine Art Probephase beschlossen, begrenzt auf ein halbes Jahr.

Ohne diese Einschränkung wäre sie nicht durchgegangen. Denn die Politiker diskutierten hauptsächlich über dieses Problem der Linksabbieger. SPD, Bündnis und Grüne waren für den Schutzstreifen - für eine „große Radachse“, wie der Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) betonte. Thomas Kreß (Grüne) ärgerte sich sogar ausführlich darüber, dass es immer nur dann eine Verbesserung für Radfahrer geben soll, „wenn den Autofahrern gar kein Platz weggenommen wird“. Das wiederum ärgerte August Haas (CSU): „Sie machen aus jeder sachlichen Diskussion einen ideologischen Großkampf“, warf er Kreß vor.

Auch als der Kompromissvorschlag mit der Probephase fiel, blieb die CSU hart: „Da sind wir nicht zugänglich“, sagte Haas. Norbert Winter (Bürger für Dachau) hatte noch die Idee, das Linksabbiegen an dieser Stelle ganz zu verbieten. Doch dafür fanden sich gar keine Unterstützer. Für ein halbes Jahr Probephase schon: 9:6 Stimmen (gegen CSU) dafür.

Wie es zu der verqueren Führung des südlichen Fahrradschutzstreifens kommen konnte? Das liegt wohl daran, dass die Verwaltung die Straße in vier verschiedene Abschnitte eingeteilt hatte - und zwar offenbar nach Fahrbahnbreite, nicht nach den natürlichen Straßenabschnitten. Und so kam es, dass bei den Abstimmungen zu den einzelnen Abschnitten bei einem Teil des südlichen Schutzstreifens die Befürworter gewannen, bei den paar Metern davor aber verloren.

Diese unsinnige Entscheidung fiel den Politikern schnell auf. Doch OB Florian Hartmann erklärte: „Da kann ich jetzt nichts machen.“ Abgestimmt bleibt abgestimmt.

Nina Praun

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