In einer Reihe mit Heynckes & Co.

Dachau - Einst gehörte Eduard Ott zu den größten Fußballtalenten im Landkreis. Heute ist sein Platz genau neben der Trainerbank des FC Bayern - als physiotherapeutischer Betreuer der Schiedsrichter.

Er sitzt in einer Reihe mit Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Christian Nerlinger, Hermann Gerland und Jupp Heynckes. Genau in der Mitte, zwischen dem FC Bayern und dem FC Villarreal, steckt der Dachauer. Während Franck Ribéry und Mario Gomez die Bayern vorzeitig ins Achtelfinale der europäischen Königsklasse schießen, fiebert Edi Ott am Spielfeldrand mit und hat dabei ein besonderes Auge - auf die Schiedsrichter aus Schweden.

Denn der 45-Jährige Dachauer betreibt seit zehn Jahren eine Physiotherapiepraxis mit sechs Mitarbeitern in Odelzhausen. Viele aktive Fußballer lassen sich von Edi Ott und seinem Team behandeln. Bei seiner „Vorgeschichte“ kein Wunder. Und auch die Schiedsrichter Franz-Xaver Wack, Günter Perl und Helmut Fleischer nehmen seine Dienste wahr. So ist er vor zwei Jahren zu einer besonderen Nebentätigkeit gekommen: Er hat die physiotherapeutische Betreuung der Schiedsrichter bei Champions-League-Heimspielen des FC Bayern in der Allianz-Arena inne. Er muss die Schiris vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeit bei eventuellen Problemen behandeln.

Fußball hat in seinem Leben schon immer eine große Bedeutung gehabt. Früher war Eduard Ott war ein talentierter Spieler: Der gebürtige Odelzhauser war nicht umsonst in der Jugend und anschließend einige Zeit bei den Amateuren des FC Bayern München. Zu seinen Mitspielern gehörten so bekannte Kicker wie Ludwig Trifellner, Manfred Schwabl, Christian Radlmaier, Uli Bayerschmidt und auch die „Kaiser-Söhne“ Michael und Stephan Beckenbauer. Ott schaffte es zwischenzeitlich sogar in den erweiterten Kader der Deutschen Jugendfußballnationalmannschaft.

Wer weiß, wohin sein sportlicher Weg geführt hätte, wenn er sich nicht bereits in jungen Jahren zum Physiotherapeuten hätte ausbilden lassen, und sich in seinem Beruf sehr engagiert hätte. Mit seiner Familie zog er nach Dachau. Er arbeitete in der bekannten Praxis von Michael Walter in Dachau. Mit ihm zusammen betreute er etwa die Volleyballer des ASV Dachau, die einst zu den besten Mannschaften in Europa zählten. „Unvergessen“ bleibt für Eduard Ott ein Champions-League-Spiel mit den Volleyballern im ferner Japan: Die Dachauer Spieler überragten die Gastgeber gleich um einige Köpfe.

Der Fußballer hängte in dieser Zeit seine Schuhe aber noch nicht an den Nagel. Er kickte als Libero oder als defensiver Mittelfeldspieler noch viele Jahre bei verschiedenen Vereinen im Landkreis: beim FC Pipinsried in der Landesliga, beim ASV Dachau, beim SV Odelzhausen, dem TSV Indersdorf und dem SV Günding. Ein alter Hase auf dem Spielfeld.

Mittlerweile ist Ott auch schon ein alter Hase am Spielfeldrand: Er hat schon viele Schiris aus verschiedensten Nationen betreut. Zu den meisten entstand sofort ein Vertrauensverhältnis, nur Schiedsrichter aus Russland lassen keinerlei Kontakt zu, sagt Ott: „Sie sind da einfach sehr reserviert.“

Für Ott ist der Beruf sein Traumberuf, verbunden mit seinem größten Hobby. Und nun hat er das erreicht, was er als Aktiver nie schaffte: Er ist bei wichtigen internationalen Spielen live dabei. Und was für den FC Bayern ein großes Ziel in weiter Ferne ist, hat Ott jetzt schon sicher: Die Teilnahme am Champions-League-Finale am 19. Mai 2012 in der Münchner Allianz-Arena.

(nef)

Auch interessant

Kommentare