Einmal Schnee auf Bestellung, bitte!

Indersdorf - Manchmal braucht es den Zauber einer Wallfahrt. Wenn alles perfekt sein soll. Wenn Dinge braucht, die es nicht einfach zu kaufen gibt. Etwa Schnee. Und Sonne. Deshalb zieht das Team von Advent am Kloster morgen wieder los - an einen Ort, an dem Menschen schon seit 1738 für kleine und große Wunder bitten.

Die Sonne blitzt glitzernd durch die kahlen Zweige im Wald. Es riecht nach Tannennadeln und ganz leise hört man eine Trompete, da draußen, mitten auf dem Waldweg zwischen Sittenbach und Gaggers. Und genau da ist das Ziel. Da, wo die Musik herkommt.

Die Freunde von Advent am Kloster sind wieder auf ihrer Mission. Auf ihrer Mission zur Wallfahrtskapelle St. Maria in Geiselwies. Auf ihrer Mission für’s richtige Wetter, und für die richtige magische Stimmung für ihren Weihnachtsmarkt. Jedes Jahr pilgern sie zu der kleinen Kapelle, seit 17 Jahren. Am morgigen Sonntag veranstalten sie ihre 18. Wallfahrt.

Thomas Vötter ist einer, der seit Anfang an im Advent-am-Kloster-Team ist. Daheim, am Wohnzimmertisch, erzählt er von der Wallfahrt. Abergläubisch ist er nicht. Vötter lacht nur, wenn’s um schwarze Katzen oder Freitag den 13. geht. Trotzdem glaubt der Mann an was: An die Magie bei einer Wallfahrt. Zwar nicht unbedingt an das, was dabei heraus kommen soll - das schöne Wetter - sondern viel mehr an das, was man dabei spürt: Verbundenheit.

Die Wallfahrt macht was mit denen, die mitkommen. Wie mit Gerhard Seemüller. „Der fragt schon immer im Sommer, wann wir wieder pilgern“, sagt Vötter. „Das sind die seltenen Momente im Leben, an denen man in eine andere Welt eintauchen kann. Ganz weg vom Alltag.“ Und deshalb pilgern die Indersdorfer jedes Jahr nach Geiselwies. Zum in sich gehen, und zum bitten. Denn sie wollen den Indersorfer Marienplatz wieder für zwei Tage verwandeln - in ein gemütliches, glitzerndes Wohnzimmer. Und dafür braucht’s neben der besten Organisation auch kleine Wunder. „Für die richtige Weihnachsmagie brauchts schließlich Schnee und Sonne“, sagt Thomas Vötter und lacht. Und die Weihnachtsmagie wünschen sich alle.

Die Marienkapelle gehört zu den beliebtesten Wallfahrtsstätten im Dachauer Land. Seit 1738 pilgern Gläubige hierher. „Jeder beladen mit seinem eigenen persönlichen Packerl an Sorgen“, sagt Vötter. Und von manchen Sorgen kann man sogar lesen. Wie die von einer jungen, verheirateten Altomünsterin. Schwer krank war sie und hatte Maria um Hilfe gebetet. 1797 war das. Ihre Gebetstafel gibt es heute noch.

Die Indersdorfer bringen zwar keine Tafeln mit, wenn sie nach Geiselwies kommen, dafür aber viel Herz. Und Musik. Der Albersbacher Dreig’sang und die Bräuhaus-Bläser fahren schon immer vor den rund 25 Pilgern zur Kapelle und spielen sich ein.

Diesen Moment liebt Thomas Vötter. Wenn er die ersten Trompetentöne hört, der Wald dünner wird, und er plötzlich über die ganze Lichtung sehen kann. Bis zu der kleinen, weißen Kapelle. „Da wird der Blick frei. Da geht dir’s Herz auf“, sagt er. „Da gibt’s erstmal keinen Alltag mehr für die nächste Stunde.“

Da empfängt Annemarie Geißler zwischen gelbem Herbstlaub und Kapelle die Pilger mit Fürbitten und die Sänger entführen in die Welt der Marienlieder. Und auf einmal, nach all den Fürbitten, da redet gar keiner mehr. Dann singt auch keiner mehr. Da spielt nur noch Robert Gasteiger auf seiner Zitter. Dann ist’s ganz staad, weil keiner was von der Melodie verpassen will, die über die Waldlichtung schwingt. Dann lässt jeder seine Wünsche los.

(cb)

Jeder kann mit pilgern : Alle Interessierten sind willkommen. Treffpunkt ist am morgigen Sonntag um 12 Uhr beim Bräu in Sittenbach. Der Albersbacher Dreig’sang und die Bräuhaus-Bläser gestalten dann eine Dankandacht für den Advent am Kloster an der Geislwieskapelle. Nach der Wallfahrt ist Einkehr im Wirtshaus.

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