Das Ende der Shuttle-Lesungen

Dachau - Ein Bestattungsinstitut. Das Zimmer des Oberbürgermeisters. Eine Moschee. Orte, an die man nur selten kommt - und schon gar nicht bei einer Lesung. Das war das Konzept der Shuttle-Lesungen in Dachau.

Seit 2012 hat der Verein Meridan Augsburg in Kooperation mit der Stadtbibliothek Shuttle-Lesungen in Dachau das Angebot organisiert. Einmal im Jahr brachte ein Bus Literaturinteressierte zu verschiedenen ungewöhnlichen Orten in der Stadt. Dort trugen Schauspieler literarische Texte vor. Zwischen 150 und 280 Besucher haben immer an der Veranstaltung teilgenommen. Jetzt gibt es das Angebot nicht mehr. Das hat der Kulturausschuss des Dachauer Stadtrats beschlossen.

„Der Verein macht es nicht mehr. Die Shuttle-Lesungen sind deshalb in der Form wie bisher nicht mehr möglich“, erklärte OB Florian Hartmann. Für die Stadt stellte sich die Frage, ob die Stadtbibliothek und das Kulturamt in Eigenregie oder mit einem externen Partner die Veranstaltung organisieren sollen. Doch das sahen viele Stadträte und auch der OB kritisch. „Das wäre wahrscheinlich eine nachgemachte Kopie, die nicht gut ist. Wir wären überfordert, die gleiche Veranstaltung nachzumachen“, erklärte Hartmann.

Ähnlich sah es Silvia Kalina von der CSU-Fraktion: „Auf keinen Fall weiter machen“, plädierte sie. Sie befürchtete, dass auch eine Fortführung mit einem Partner wie zum Beispiel Vereine oder Theatergruppen nicht funktionieren würde. „Die Thoma-Gemeinde veranstaltet jedes Jahr zwei Lesungen“, sagt sie. Doch das Interesse sei gering: Vergangenes Jahr seien einmal zehn und einmal zwölf zahlende Besucher gekommen.

Die meisten anderen Ausschussmitglieder waren ebenfalls für eine Einstellung des Angebots. Nur Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) kämpfte für die Shuttle-Lesungen. „Sie haben einen ganz anderen Charakter. Und es war ein anspruchsvolles literarisches Programm.“ Geißler regte an, zumindest im Jahr 2017 wieder eine derartige Veranstaltung zu organisieren - womöglich im kleineren Rahmen.

Sie stimmte als einzige dafür, die Shuttle-Lesungen weiter zu führen. Alle anderen lehnten das ab. Literatur im Bestattungsinstitut oder in der Moschee wird es künftig nicht mehr geben.

(cla)

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