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Im Hintergrund ein Bild von Georg Scherer: Die Mitglieder der Arbeitsgruppe, die die Ausstellung gestaltet haben, stellten Scherers Leben kurz vor.

Hütebub, Geselle, Werksleiter, Soldat, KZ-Häftling, Aufständischer, Bürgermeister, Unternehmer und ASV-Vorstand

Er hat in Dachau viele Spuren hinterlassen: Ausstellung über Georg Scherer eröffnet

Georg Scherer war KZ-Häftling, beteiligt am Dachauer Aufstand, Bürgermeister und Gründer des ASV. Er ist ein großes Vorbild: Das betonten alle Redner bei der Eröffnung der Ausstellung zu Ehren des Dachauers.

Dachau – Eigentlich sollte nur das Gedächtnisblatt von Georg Scherer für das Gedächtnisbuch von ehemaligen KZ-Häftlingen neu aufgelegt werden. Doch aus dieser Idee wurde schnell mehr, nämlich eine ganze Ausstellung. Hütebub, Geselle, Werksleiter, Soldat, KZ-Häftling, Aufständischer, Bürgermeister, Unternehmer, ASV-Vorstand: Georg Scherer hatte so einige Stationen in seinem Leben zu bewältigen.

„Er hat mehr Spuren in Dachau hinterlassen als nur die Georg-Scherer-Halle“, führt Moderator und Arbeitskreismitglied der Ausstellung, Korbinian Konwitschny, bei der Eröffnung im ASV-Theatersaal ein. Rudolf Scherer, Sohn von Georg Scherer und Aufsichtsratsvorsitzender des ASV, ergänzte: „Selbst ich habe beim Entstehungsprozess der Ausstellung noch Dinge von ihm erfahren, die ich noch nicht wusste.“ Rudolf Scherer ist sich sicher: „Wäre die Halle nicht nach ihm benannt, würde sich von der jüngeren Generation keiner an den Namen meines Vaters erinnern.“ Das soll die Ausstellung ändern. Sein Sohn beschreibt Georg Scherer als jemanden mit bescheidener Bildung, jemanden mit einer dicken Schale, aber einem weichen Kern. „Er hat aus allen Situationen das Beste gemacht, er hatte den Mut wichtige Entscheidungen zu treffen, er wusste immer, was richtig oder falsch war“, erzählt Rudolf Scherer. Sein Vater sei kein großer Planer gewesen, aber ein Mensch der Taten. Auch wenn er selten daheim gewesen sei, war er doch ein Familienmensch. „Es hätte ihn gefreut, diese Ausstellung zu sehen. Weil sie das schwere Leben und die damaligen Träume der Nachkriegszeit in Dachau zeigt“, ist sich Scherer gewiss.

Landrat Stefan Löwl hätte Georg Scherer gerne kennen gelernt. „Er war ein junger Mann aus einfachen Verhältnissen, der stets seine Chancen genutzt hat“, sagte Löwl. „Er hatte immer Haltung und Respekt vor seinen Mitmenschen, selbst nach den fünf Jahren Haft im KZ“, so Löwl. Das alles mache Georg Scherer zu einem großen Vorbild.

Scherer als Vorbild – dies hörten die fast 200 Eröffnungsgäste noch von vielen Rednern des Abends: von Bürgermeister Kai Kühnel, vom Kreisheimatpfleger und Schirmherren der Ausstellung Norbert Göttler, vom Vorsitzenden des Dachauer Forums Anton Jais und von der Projektkoordinatorin der Geschichtswerkstatt Sabine Gerhardus.

Kühnel bewunderte Scherer vor allem dafür, wie er die vielen Herausforderungen nach dem Krieg als zweiter Bürgermeister bewältigte. Die 35 000 überlebenden KZ-Häftlinge mussten mit Nahrung versorgt werden, und eine funktionierende Stadtverwaltung musste erst aufgebaut werden. „Er wurde von einem Tag auf den anderen vom Gejagten zum Verantwortungsträger“, schilderte Kühnel. „Das Plündern musste unterbunden werden, Beerdigungen mussten organisiert werden, eine neue Pumpe für das Wasserkraftwerk musste her, Arbeitskräfte mussten beschafft werden und der Wiederaufbau der zerbombten Amperbrücke musste in die Wege geleitet werden“, zählte Karin Schwenke auf, die sich mit Scherers Leben als zweiter Bürgermeister beschäftigte.

Sie, wie die anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe, Ilona Huber, Silke Nörenberg, Korbinian Konwitschny, Hedy Esters, Karin Schwenke, Kerstin Cser und Scherers Urenkelin Jessica Scherer, stellten Scherers Leben in Kurzreferaten vor. Diese gliederten sich ähnlich wie die Ausstellung. Zehn Banner erläutern Scherers Lebensweg chronologisch geordnet nach seinen Etappen. Sie schildern auch, warum Scherer selten die Schule besuchte, warum er im KZ inhaftiert wurde, was ihn bewegte, den ASV zu gründen und wie er Inhaber einer Textilfabrik wurde. Zusätzlich sind Biografien anderer KZ-Häftlinge ausgestellt, für die es genau wie für Scherer ein Gedächtnisblatt gibt.

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