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Erde fühlen, Regen riechen, Vögel hören

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Dachau - In anderen Landlkreis-Gemeinden gibt es sie schon länger. In Dachau nicht. Aber mit Unterstützung des Stadtrats wurde nun auch hier ein Waldkindergarten eröffnet. Waldkindergärten sind normale Kindergärten - nur eben draußen in der Natur.

An der Schinderkreppe, ganz hinten beim Parkplatz, sitzt neuerdings ein Zwerg mit lilafarbener Zipfelmütze auf einem Baumstamm. Er lächelt, offenbar fühlt er sich wohl inmitten von Bäumen, bunten Blumen und Pilzen mit roten Köpfen. Damit geht es dem kunstvoll auf eine Bauwagenseite gesprühten Zwerg ebenso wie Tim und Isabella, die gleich daneben spielen. Die beiden Zweijährigen gehen in den ersten Dachauer Waldkindergarten.

Vor dem Bauwagen mit dem netten Zwerg bilden im Kreis drapierte Baumstämme einen Versammlungsplatz. Tim und Isabella singen mit ihren zwei Erzieherinnen das Brotzeitlied. Dann dürfen sie ihre Breze samt Paprika und Trockenfrüchten verspeisen.

Seit Anfang April besteht der Kindergarten. Momentan werden hier fünf Kinder betreut. Für September sind schon neun Kinder angemeldet. Insgesamt können 20 Kinder betreut werden. „Mindestens vier Kinder mehr brauchen wir aber noch, um weiterhin zu bestehen“, erklärt Anne Belz, 37, Sozialpädagogin. Sie hatte mit zwei anderen Müttern die Idee zu einem Waldkindergarten in Dachau gehabt. „Es gab ja bis jetzt keinen in Dachau.“ Anne Belz kannte die Waldpädagogik gut, ihre beiden Kinder besuchten einen solchen Kindergarten.

Die Kinder sind die meiste Zeit draußen. Nur bei Sturm, Eiseskälte oder Dauerregen geht es in den beheizten Bauwagen. „Die Kinder erleben die Jahrezseiten hier hautnah mit. Sie lernen, mit den Wetterbedingungen umzugehen“, erklärt Belz. Also die Natur mit allen Sinnen zu erleben: Erde fühlen, Regen riechen, Vögel hören, Käfer sehen.

Nur beim Schmecken wird aufgepasst. Man weiß ja erstmal nicht, was im Wald alles giftig ist. Aber auch das lernen die Kinder: Gefahren zu erkennen. Oder ihre Grenzen. Tim entdeckt immer wieder neue Tierchen. „Was ist das?“, fragt er neugierig. Bei Bienen weiß er aber schon: nur angucken!

Natürlich wird auch gebastelt. Die Kinder suchen oft ihr Bastelmaterial selber. Gemeinsam wird überlegt, was draus werden soll. So wurden aus Tannenzapfen schon Flieger, aus Ästen Traumfänger und aus Schneckenhäusern Mobiles.

Nach der Mittagspause bemalen die Kinder Steine und Holzspalten mit Wasserfarbe. Judith Merker, die Mutter von Tim, sieht in dem Holzstück ein Krokodil. Ihr Sohn möchte daraus aber lieber eine Hummel machen und tunkt den Pinsel in die schwarze Farbe.

Waldkindergärten stoßen bei vielen Eltern auf Unverständnis. Judith Merker kann das nicht verstehen. „Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung.“ Kinder dürfen im Waldkindergarten auch dreckig werden, dürfen in der Natur regelrecht versinken. Eine andere Mutter sagt, dass nicht nur die Kinder hier etwas lernen könnten, sondern auch die Eltern: Gelassenheit. Es gebe ja schließlich eine Waschmaschine.

Nach dem Malen will Tim klettern. Er sucht sich einen Baum aus und will hoch hinaus. Anne Belz hilft ihm, als er nicht weiterkommt. Isabella übt derweil das Gehen auf dem weichen Moos. Dann findet der kleine blonde Lockenkopf Äste mit kleinen Zapfen mit denen sie sofort begeistert spielt.

„Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt“, meint Anne Belz. Aus einem Ast wird eine Hacke, aus einem holen Baumstumpf einen Suppentopf und aus einem Moosbeet ein Kopfkissen.

(mik)

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