Mann sitzt auf Laufband
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Erschöpft, aber glücklich: Stefan Zielbauer auf seinem Laufband.

Ein Marathon auf dem Laufband

Der Forrest Gump aus Kleinberghofen

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Aus Langeweile hat sich Stefan Zielbauer (36) aus Kleinberghofen auf sein Laufband im finsteren Keller gestellt und ist einfach losgerannt und gerannt und gerannt. Am Ende lief er einen Marathon in der immens starken Zeit von 2:41:32 Stunden. Wie war das möglich?

Kleinberghofen – Es fing damit an, dass die neue Couch nicht geliefert wurde. Das Warten auf das bequeme Möbelstück wurde Stefan Zielbauer irgendwann zu dumm. Also ging der Kleinberghofer in seinen unbequemen Keller und begab sich auf sein Laufband. „Ich wollte bloß so 20 Kilometer laufen. Doch dann fühlte ich mich gut und kam immer besser rein“, so der 36-jährige Couch-Besitzer in spe. Am Ende rannte er auf seiner Tretmühle tatsächlich einen Marathon, also 42,195 Kilometer, und das in der unglaublich guten Zeit von 2:41:32 Stunden. „Mein absoluter persönlicher Rekord“, so Zielbauer.

Einen Marathon legt ein Mensch nicht einfach so locker-flockig in zwei Stunden und einundvierzig Minuten zurück. Und schon gleich gar nicht auf einem Laufband in einem finsteren Keller. Dazu braucht es Training. Sehr viel Training. Rund 350 bis 400 Kilometer im Monat (!) spult Zielbauer ab. Und das, obwohl der 36-Jährige einen Vollzeitjob beim Schuhhersteller Hanwag hat, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kleinberghofen sowie Vater einer äußerst quirligen zweijährigen Tochter mit Namen Rosalie ist. Selbstverständlich nicht zu vergessen: Lebensgefährtin Nancy. Sie hat Verständnis für ihren Freund. „Aber sie fragt schon mal: Du läufst ganz schön viel, warum machst du das?“, verrät der Vieltrainierer.

„Ich konnte immer schon gut laufen“, sagt Zielbauer, der bis zur D-Jugend Fußball spielte. Doch irgendwann „haben meine Kumpels von der SpVgg Erdweg gemeint: Fürs Fußballspielen fehlt Dir das Talent“. Also vertauschte Spielbauer den Fußballplatz mit den Feldwegen im Dachauer Hinterland. Dabei joggte er munter, vereinslos und ohne Ambitionen durch die Gegend. „So wie Forrest Gump“, so Zielbauer. Vielleicht wäre er wie der Filmheld weiterhin einfach drauflos gerannt. Doch Vielläufer brauchen von Zeit zu Zeit neue Laufschuhe. Als er vom Verkäufer im Fachgeschäft gefragt wurde, wie schnell er denn über zehn Kilometer sei und Zielbauer antwortete, so um die 38 Minuten, sagte der Verkäufer: „Du musst unbedingt Wettkämpfe laufen!“

Gut gelaunt, trotz der Strapazen: Zielbauer 2018 beim Marathon in Berlin.

Und das tat Zielbauer dann. Seinen ersten Marathon bestritt der Kleinberghofer 2016 in München und finishte in einer Zeit von 3:58:00 Stunden. In den folgenden Jahren war er jeweils einmal bei großen Veranstaltungen am Start – und steigerte sich dabei kontinuierlich: 2017 in Berlin auf 3:27:13, 2018 in Berlin auf 3:11:50 und 2019 in Frankfurt auf 2:57:51.

„Ich konnte nach dem ersten Marathon in München zwei Wochen lang nicht mehr gehen“, sagt Zielbauer. Doch auch das hat sich mittlerweile geändert. 42,195 Kilometer am Stück strapazieren seine Muskeln heute längst nicht mehr so wie damals. Das liegt nicht zuletzt an David Schönherr aus Münster. Der in der Läuferszene bekannte Physiotherapeut, Sportwissenschaftler und Lauftrainer ist seit 2019 Zielbauers Coach. „Ich habe ihn zufällig beim Wohltätigkeitslauf ,Wings for Life’ in München kennengelernt. Und er ist mitveranwortlich für meine Leistungen“, so der 36-Jährige.

Stefan Zielbauer hat seine Lebensweise ziemlich verändert. Rauchte er früher schon mal die ein oder andere Zigarette und ließ kein Fest im Dachauer Land aus, so hält er sich nun strikt an seine Trainingspläne. Lief er anfangs nur, um ins Ziel zu kommen, so „laufe ich jetzt, um besser zu werden“, wie er meint.

Großes Ziel heuer ist der Frankfurt-Marathon Ende Oktober – so Corona will. Darauf bereitet sich Stefan Zielbauer gezielt vor. Auch auf seinem Laufband im finsteren Keller. Seine Couch soll übrigens noch im Februar geliefert werden. Viel Zeit wird der 36-Jährige darauf allerdings nicht verbringen.

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