Das Paar 1961, so eben haben Christl und Blasius Thätter standesamtlich geheiratet.
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Schwarz-weiß-Foto Paar

Christl und Blasius Thätter feiern Diamantene Hochzeit

Ein eingespieltes Team

Viele Jahre stand Blasius Thätter (85) in der Öffentlichkeit. Seine Frau Christl (82) hat ihm den Rücken freigehalten. Jetzt feierte sie Diamantene Hochzeit.

Großberghofen – Das Datum des ersten Zusammentreffens kommt bei Christl Thätter wie aus der Pistole geschossen: 8. September 1956. Mit Kolleginnen fuhr die damals 17-Jährige Sparkassen-Angestellte zum Herbsttanz beim Wirt in Großberghofen. „Da wurde dann über einen Blasius geredet, der ebenfalls kommen sollte. Der Name ist mir eigentlich sehr ländlich vorgekommen“, sagt die in Schwabing geborene Christl Thätter, die später mit ihren Eltern nach Dachau umzog. „Aber herein kam ein stolzer junger Mann mit Pepita-Sakko, der gerade Abitur gemacht hatte.“

Auf Anhieb waren sich die beiden sympathisch und haben an diesem Abend so ziemlich jeden Tanz miteinander getanzt. Der Tango war „der Städterin“ Christl Thätter geläufig, der Zwiefache nicht. Bei ihm war es umgekehrt. „Ich bin ihr beim Tango richtig auf die Füße gestiegen“, lacht er.

Der Liebe hat das keinen Abbruch getan. Doch es war schwierig, sich zu treffen. Keiner hatte damals ein Auto, und ein Telefon hatte auch nicht jeder. „Da hab ich dann bei ihrer Nachbarin anrufen müssen, wenn ich mit ihr reden wollte“, so Blasius Thätter. Oder er rief bei der Sparkasse an und ließ sich mit Christl verbinden. „Wahrscheinlich hat die Dame in der Zentrale immer mitgehört“, überlegt Christl Thätter und lächelt.

Die Verlobung folgte an Weihnachten 1959. „Sie hat zu mir gesagt, an Weihnachten würden sich so viele verloben. Da blieb mir ja fast nichts übrig“, erzählt Thätter mit seinem hintergründigen Humor. Standesamtlich geheiratet hat das Paar am 12. Mai 1961 während des Studiums von Blasius Thätter, damit er rechtmäßig im Haus der Schwiegereltern in Dachau wohnen konnte.

Damals gab es ja noch den sogenannten Kuppelparagraf. „Aber für mich haben wir nur dem Gesetz Genüge getan. Denn Hochzeit bedeutete für mich eine kirchliche Trauung“, so Christl Thätter. Die folgte am 8. Oktober 1963 am Petersberg durch Pfarrer Eichenseer, einem Freund der Familie.

Blasius Thätter hatte zunächst Altphilologie und Germanistik studiert, dann Lehramt an Volksschulen. Bei der Hochzeit war er bereits ausgebildeter Lehrer, die beiden bekamen eine Wohnung im früheren Gemeinde-Lehrerhaus in Walkertshofen. 1965 kam Tochter Michaela zur Welt, Sohn Blasius folgte 1967, Benedikt im Jahr 1977. Bei der Namenswahl setzte sich Christl Thätter durch. Der Name Blasius gefiel ihr mit den Jahren so gut, dass der ältere Sohn eben auch so heißen sollte.

Dazwischen gab es harte arbeitsreiche Jahre. Denn 1966 starb ganz plötzlich Thätters Vater. Er hatte ein Baugeschäft mit über 30 Mitarbeitern und gerade fünf bis sechs Baustellen. „Ich hatte dem Vater versprochen, dass ich die Leute nicht hängen lasse“, betont Thätter.

Bis 1968 hatte der junge Mann plötzlich zwei Berufe. Seine Frau hat ihn tatkräftig unterstützt im Betrieb. Dann gab er seinen geliebten Beruf als Lehrer in Walkertshofen auf. Er legte zwei Meisterprüfungen ab, als Zimmerer und als Betonbauer. 1977 begann Thätter noch einmal zu studieren: Sonderpädagogik. Er wurde wieder Lehrer. Die Firma lief bis 1990 reduziert weiter.

Glücklich seit über 60 Jahren. Blasius und Christl Thätter.

Die Familie kam trotz der Arbeit und den vielen Freizeitbeschäftigungen als Fußballtrainer, Theaterspieler oder Sketcheschreiber nie zu kurz, bestätigt Christl Thätter. Und auch den Schritt in die Politik trug sie gern mit: 1972 als Erdweger Gemeinderat, dem er 36 Jahre lang angehörte, als Kreisrat und später als Landtagsabgeordneter bis 2008. „Ich habe meinen Mann viel begleitet“, sagt Christl Thätter. Und er: „Meine Frau war immer gut zu haben.“ Auch wenn sich das Paar „manchmal deutlich die Meinung gesagt hat“, wie sie sich vornehm ausdrücken, es sei immer klar gewesen, dass man die Ehe nicht in Frage stellt.

Die Diamantene – standesamtliche – Hochzeit wurde pandemiegerecht im kleinsten Familienkreis zuhause in Thätters Elternhaus gefeiert. Die kirchliche im Jahr 2023 würden Christl und Blasius Thätter gerne noch einmal wie die Goldene Hochzeit groß feiern.

Sabine Schäfer

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