Thomas Schmacht aus Erdweg radelt jeden Tag mindestens 70 Kilometer. Unter anderem war er schon auf dem Gotthardpass unterw egs. Foto: privat

Extremradler Thomas Schmacht aus Erdweg

Auf dem Drahtesel die Welt erkunden

Thomas Schmacht ist ein Extremradler. Wenn er zum Karlsfelder See fährt, schaut er zuvor am Achensee vorbei oder holt sich einen Döner in Regensburg. Ganz Südeuropa hat er auf seinem 20 Jahre alten Trekkingrad schon abgeklappert – und er will noch mehr sehen!

Erdweg – Die italienische Landkarte klemmt an seinem Fahrradlenker, Thomas Schmacht sitzt im Sattel, die pralle Sonne scheint auf seinen Rücken. Seine Fahrradtaschen sind vollbepackt mit Zelt, Campingausrüstung und Kleidung für eine Woche. Das Ziel des Erdwegers: Messina in Sizilien. Kurz vor Trient sucht er vergeblich nach einem Campingplatz, der in seiner Karte eingezeichnet ist. Er muss einen Umweg fahren – wieder einmal. Thomas Schmacht ist meistens auf Umwegen unterwegs: Wenn er von Erdweg an den Karlsfelder See radelt, schaut er zuvor am Achensee vorbei oder holt sich einen Döner in Regensburg.

Auf dem Weg zur größten Insel im Mittelmeer nach Sizilien wird es Abend. Rund 200 Kilometer hat Schmacht an dem Tag schon geschafft. Aber wenn es in Trient keinen Campingplatz gibt, muss er weiterradeln – 30 Kilometer zum Gardasee. Ein Kraftakt und eine Herausforderung.

Rund vier Wochen ist Schmacht von Erdweg nach Sizilien und zurück unterwegs. Er umrundet die Insel und schafft auf der Reise rund 5500 Kilometer auf seinem 20 Jahre altem Trekkingrad mit 21 Gängen, es ist sein Reiseradl. Für daheim hat er ein rotes Radl, das auch schon rund 30 Jahre auf dem Buckel hat. „Aber das blaue Radl ist fürs Gebirge besser“, sagt Schmacht. Es rostet an einigen Stellen, am Vorderrad hat es kein modernes LED-Licht, sondern eine selbstgebaute Leuchte. Thomas Schmacht mag es einfach.

Er trägt Jeans, abgewetzte Turnschuhe und einen karierten Wollpullover, der ihm zu groß ist. Seit vier Jahren ist er in Frührente, er hat in der Elektroentwicklung von Osram gearbeitet. Bei einer Kündigungswelle des Konzerns hat er seine Sachen gepackt. Seitdem radelt der Erdweger jeden Tag mindestens 70 Kilometer, das ist sein Ziel. „Wenn ich nicht radeln kann, dann wird es richtig fad.“

Sein Haar ist angegraut, sein Körper drahtig, er ist topfit. Seine Augen beginnen zu glitzern, wenn er von seinen Fahrradreisen erzählt. Ganz Südeuropa hat er schon mit dem Radl durchquert: Von Erdweg ist er ans Schwarze Meer geradelt, fuhr durch Kroatien, Ungarn und Rumänien und im vergangenen Jahr ist er rund 7100 Kilometer auf dem Drahtesel nach Portugal, er radelte hin und zurück und innerhalb des Landes. Was ihn daran reizt? „Man erlebt alles einfach viel intensiver!“ Autofahrer rauschen die Küstenstraße mit 80 Stundenkilometern entlang: „Mit dem Radl fahre ich 20 Stundenkilometer und kann stehen bleiben, wo ich will.“ Er kann dort Fotos machen, die Landschaft bewundern und hört das Meeresrauschen.

Seit rund 30 Jahren gehört das Radeln zu Thomas Schmachts Hobbys. Nebenbei ist er viel ehrenamtlich engagiert, repariert Räder beim Asylhelferkreis Erdweg und Schwabhausen und unternimmt etwas mit Jugendlichen beim Kreisjugendring.

Doch das Radeln ist sein größtes Hobby, sein Lebensinhalt: Jeden Tag setzt sich der Frührentner sein Ziel von mindestens 70 Kilometern – erst zum Einkaufen nach Altomünster und dann über Vierkirchen zum Karlsfelder See: „Da hupf ich dann kurz nei zum Abfrischen“, sagt er. Auch bei diesen herbstlichen Temperaturen? „Ja, für mich ist der Karlsfelder See der schönste See, weil ich da immer Leute treffe und baden kann.“ Am Ende seines Trips landet er immer dort. Davor macht er aber schon mal eine Schleife zum Achensee und schaut dort am Wohnwagen seiner Eltern vorbei oder holt sich einen Snack in der Oberpfalz. Insgesamt sind es dann schon mal 300 Kilometer am Tag. „Da hab ich mir mal eingebildet, ich hol mir einen Snack in Regensburg und bin dann einfach losgefahren.“ Danach ist er natürlich zum Karlsfelder See und über Olching und Bergkirchen zurück nach Erdweg.

Thomas Schmacht ist wohl der Radler, der die meisten Kilometer im Landkreis schafft – im vergangenen Jahr waren es rund 37 500 Kilometer. So viel fahren viele nicht mal mit dem Auto. Beim Stadtradeln im Landkreis, bei dem die Teilnehmer innerhalb von drei Wochen möglichst viele Kilometer auf dem Radl bewältigen, wurde Schmacht bereits dreimal Erster – heuer schaffte er 2465 Kilometer „Mein bisher schlechtestes Ergebnis “, sagt Schmacht und lacht.

Doch vielleicht kann er sich im nächsten Jahr wieder steigern. Die nächste Fahrradreise hat er jedenfalls schon im Kopf: Griechenland, Peloponnes – an der Küstenstraße entlang: das Meer, Olivenbäumen und gigantische Felsen im Blick.

Anna Schwarz

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