Ein kleiner Fehler der Standesamtshelferin machte aus dem Buben Friedhelm einen Fridhelm. Mit 79 Jahren will der Erdweger sich nun endlich sein „e“ zurückkämpfen. 
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Ein kleiner Fehler der Standesamtshelferin machte aus dem Buben Friedhelm einen Fridhelm. Mit 79 Jahren will der Erdweger sich nun endlich sein „e“ zurückkämpfen. 

Inzwischen resigniert: „Grabplatte genügt“

Hebamme schrieb Namen falsch in Geburtsurkunde: Kleiner Fehler hat lebenslange Folgen

  • Thomas Zimmerly
    VonThomas Zimmerly
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Wegen eines kleinen Schreibfehlers in der Geburtsurkunde muss Friedhelm Dilck (79) seit Jahrzehnten damit leben, dass er bei allen Geschäften des täglichen Lebens mit „Fridhelm“ unterschreiben muss.

Erdweg – War es der berufsbedingte Stress oder einfach nur Schludrigkeit? Fest steht, dass das Leben von Friedhelm Dilck in den vergangenen Jahren wegen eines einzigen Buchstabens gehörig durcheinander geraten ist. Ein simples „e“ kostet den heute 79-Jährigen ehemaligen Bergmann, Bestattungsunternehmer und Trauerredner seit Jahrzehnten viel Zeit und Nerven.

Die Geschichte beginnt 1942 im Hause Dilck im saarländischen Örtchen Holz, Gemeinde Heusweiler, wo Erna Dilck mitten im Zweiten Weltkrieg einem strammen Buben das Leben schenkt und die Hebamme die Geburt hernach schriftlich festhält. „Friedhelm“ sollte der Bub heißen, so wollten es die Eltern. Doch die Geburts- und Standesamtshelferin schreibt „Fridhelm“ in die Urkunde. „Nach der Geburt kriegt man das nicht mit“, entschuldigt der damals neu Geborene seine Erzeuger, die damals nicht intervenierten. Und eigentlich ist das allen egal. Niemand in seinem Umfeld kommt auf die Idee, das erste „i“ im Namen kurz auszusprechen. Und in den weiteren Urkunden – etwa in Schulzeugnissen – steht „Friedhelm“.

Mit 18 Jahren ging er in die DDR

Der heute 79-Jährige hat allerdings kein leichtes Leben. Der Vater stirbt in den letzten Tagen des schlimmen Krieges, die Mutter ist alleine überfordert. Friedhelm wächst schließlich in Heimen auf, muss zeitweise in einem Steinbruch schuften. 1959, mit knapp 18 Jahren, geht er in die DDR, weil man da schon mit 18 und nicht erst wie in der BRD mit 21 als volljährig gegolten habe, wie er sagt. Und weil der Arbeiter- und Bauernstaat gute Arbeit versprochen habe, wie er damals dachte.

Nach einigen Irrungen und Wirrungen – die DDR-Sicherheitsbehörden neigen, gelinde gesagt, zu Skepsis gegenüber jungen Kerlen aus der BRD, die die West-Ost-Grenze übertreten – landet er als DDR-Bürger Friedhelm Dilck in Hartmannsdorf bei Chemnitz. Er verliebt sich in Waldtraut, möchte mit ihr 1963 aufs Standesamt – und bekommt plötzlich große Probleme wegen des kleinen „e“. Zum Zwecke der Eheschließung nämlich verlangt das örtliche Standesamt vom Bräutigam eine Geburtsurkunde.

Hebamme hatte auf Geburtsurkunde Fridhelm eingetragen

Weil er bei seiner spontanen Grenzübertretung keine Papiere mitgenommen hatte, lässt sich Friedhelm Dilck von seiner Mutter die Geburtsurkunde schicken, eben jenes Zeugnis, das die überforderte oder schludrige Hebamme einst ausgefüllt hatte und in der in der Spalte Vorname „Fridhelm“ prangt. Von da an und bis heute gilt Friedhelm Dilck bei allen Behörden, mit denen er zu tun hat, als „Fridhelm“. Er muss auf der Stelle sämtliche Papiere umschreiben lassen. Bei allen Handlungen, bei denen er seinen Vornamen angeben oder schreiben muss, muss er fortan „Fridhelm“ benutzen.

Mal davon abgesehen, dass „Fridhelm“ phonetisch „unmöglich klingt“, so Dilck, „und ich das als Diskriminierung empfinde, ich kenne keinen einzigen Menschen, der Fridhelm geschrieben wird“.

Friedhelm musste Fridhelm bleiben

Auch als die Dilcks 2008 nach Oberroth und später nach Erdweg übersiedeln, um in der Nähe von Tochter Sandra zu sein, die in Stetten lebt, ändert sich nichts. Friedhelm muss „Fridhelm“ bleiben. Vorsprachen beim Landratsamt Dachau und der Gemeinde Heusweiler verlaufen im Sande. Waldtraut und Friedhelm Dilck finden sich schließlich mit der Situation ab. Doch jetzt, im Herbst ihres Lebens, bekommen sie es mit der Angst zu tun. Das Paar hat sich auf dem Schwabhauser Friedhof ein Urnengrab besorgt, in dem es irgendwann bestattet werden möchte. Doch was steht auf Grabplatte? „Ich habe nur noch den einen Wunsch, dass Friedhelm draufsteht“, so Friedhelm Dilck. Er hat die ganz große Sorge, dass auch hier die Behörden auf „Fridhelm“ bestehen.

„Die Friedhofsverwaltung Schwabhausen wird Herrn Dilck keine Probleme machen, wenn er die von ihm gelebte Schreibweise seines Namens haben möchte“, beruhigt Adriane Wunderlich, Hauptamtsleiterin und Standesbeamtin der Gemeinde Schwabhausen. Der Name könne so geschrieben werden, wie es der Grabbesitzer beim Steinmetz in Auftrag gibt.

Was eine behördliche Namensänderung angeht, hat Sina Török, Pressesprecherin des Landratsamtes Dachau, einen Tipp parat: Dilck müsse das „e“ beim Landratsamt beantragen und „ein offizielles Schriftstück bringen, das belegt, dass er Friedhelm genannt wird“. Also etwa ein Schulzeugnis oder einen Führerschein.

„Grabplatte genügt“, meinen die beiden Dilcks. Schließlich ziehen alle Verwandten und Freunde weiterhin das erste „i“ in Friedhelm in die Länge. „Und Fridde sagt auch keiner“, meint Friedhelm Dilck.

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