Noch Anfang der 90er Jahre war ein Stadl ans „Stafflerhaisl“ angebaut. 
+
Noch Anfang der 90er Jahre war ein Stadl ans „Stafflerhaisl“ angebaut. 

Denkmalbesitzer hat einen Traum

Unternehmer will Bauernhaus retten - Das Herzensprojekt von Lorenz Reischl

Verfallen und fast vergessen steht das denkmalgeschützte Stafflerhaisl an der Hauptstraße in Großberghofen. Doch jetzt hat sich Lorenz Reischl aus Pellheim des Hauses angenommen und möchte es wieder herrichten.

Großberghofen – Zerbrochene Fensterscheiben, Spinnweben überall, morsche Balken, feuchte Wände. Und dann wieder der Blick auf Teile eines feinen Fliesenbodens. Lorenz Reischl ist davon überzeugt, dass er dem kleinen Haus an der Hauptstraße in Großberghofen wieder Leben einhauchen kann. Er will das unbedingt. „Das ist eines der wenigen noch erhaltenen Dachauer Bauernhäusl. Und daher absolut erhaltenswert“, betont der stolze Denkmalbesitzer.

Der Jungunternehmer hat, wie er sagt, „einen Tick für denkmalgeschützte Haisl“, und als ursprünglich gelernter Landwirt obendrein ein Faible für alte Bauernhäuser. Hinzu kommt, dass das rund 200 Quadratmeter große Grundstück früher im Besitz der Familie Rothenfußer aus Kleinberghofen war, mit denen die Reischls weitläufig verwandt sind. Das stellte sich allerdings erst im Sommer nach dem Kauf des Haisls heraus. Die Rothenfußers betrieben einst das Wirtshaus in Kleinberghofen, heute bekannt als „Freudenhaus“. Sie verkauften den Grund an eine Familie Burgmayr, später durch Heirat als Staffler bekannt, die sich 1843 dort ein Austragshaisl mit etwa 70 Quadratmetern bauten. Das vermutet auch Blasius Thätter, der über Großberghofen viel Heimatforschung betrieben hat.

Das Baujahr sieht Lorenz Reischl in der Haustafel bestätigt, genau belegt ist es nicht. Auf der Tafel ist die Madonna mit dem Taxastern verewigt und dazu der Wunsch: „Heilige Maria bitt’ für uns“. Als Erbauer wird Augustin Burgmayr genannt – im Jahr 1843. Bis 1980 war das Haus tatsächlich bewohnt. Es gab einen Garten mit einem Hühnerstall und Brunnen sowie angrenzend einen Stadl, der aber etwa im Jahr 2000 abgerissen wurde.

Lorenz Reischl will etwas aus dem Haus machen. 

Eine Abrissgenehmigung hätte es auch für das denkmalgeschützte Häusl gegeben, doch diese wurde „zum Glück“, so Reischl, nie vollzogen. Und Gott sei Dank habe er dann das Haus für sich entdeckt und gekauft. Einige Leute wunderten sich zwar darüber, doch Zweiflern, die das Haus nicht für erhaltenswert halten und Reischl schon fast als „verrückt“ bezeichnen, entgegnet er: „Was einem so ein Haus doch alles erzählen könnte.“ Der Erhalt dieser Geschichte habe für ihn höchste Priorität.

Dicht eingewachsen war es und so machte sich der 24-Jährige erst mal daran, das hochgewachsene Gestrüpp davor und daneben zu entfernen. „Momentan sind wir in der Analysephase“, sagt Reischl. Konkret wird die Statik geprüft – eine der größten Hürden in diesem Projekt, das Stafflerhaisl wieder auf sichere Beine zu stellen. Ein Münchner Kirchenmaler untersucht zudem den Putz und die Malereien, die vereinzelt im Haus zu finden sind. Im Laufe der Jahre habe es zum Beispiel mehr als elf unterschiedliche Anstriche und Tapeten gegeben, die freigelegt wurden. Der erste Außenanstrich war vermutlich weiß bläulich, mit einigen Verzierungen vor allem an der Giebelseite, wo die Haustafel angebracht ist.

Kurz nach dem Kauf hat Reischl das Denkmalamt hinzugezogen. „Es gibt zwar hohe Auflagen, andererseits hilft mir die Behörde, das Haisl aus dem Dornröschenschlaf zu holen und bis jetzt war es stets eine positive Zusammenarbeit. Es soll so viel wie möglich erhalten werden“, betont er, beispielsweise das kleine Tonnengewölbe, das als Kartoffelkeller genutzt wurde. Die teilweise nicht mehr ursprünglichen Fenster sollen entweder restauriert oder durch zum damaligen Baustil passende ersetzt werden.

Ein trostloser Anblick ist das Haus momentan.

Einige Monate habe er nun Forschungen zum Bauwerk und der Historie betrieben. Im Sommer soll es erste Besprechungen mit Handwerkern geben, da auch hier Corona einiges verzögert hatte. „Es ist nicht gerade wirtschaftlich, aber ein Herzensprojekt“, schwärmt der junge Pellheimer, der sich schon immer sehr für Heimatgeschichte interessiert hat.

Mittlerweile begleitet ihn auch großes öffentliches Interesse. Die meisten sehen das Unternehmen positiv. Deswegen wird Lorenz Reischl die Hausgeschichte und Phasen seines ambitionierten Unterfangens mit einer Homepage begleiten (www.stafflerhaisl.de).

Was das Haus später für eine Nutzung erhalten soll, ist noch offen, ob Gewerbe, Wohnen oder etwas Kulturelles – aber, so Reischl, „ein so besonderes Haisl bedarf einer besonderen Nutzung“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare