Verstehen sich blind: Die Allgemeinmediziner Thomas Hary (l.) und Dr. Theodor Hegele. Foto: sim
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Verstehen sich blind: Die Allgemeinmediziner Thomas Hary (l.) und Dr. Theodor Hegele. Foto: sim

Thomas Hary übernimmt am 1. Januar die Erdweger Arztpraxis von Dr. Theodor Hegele, der in Teilzeit geht

Ab sofort gibt es die Hausärzte am Erdweg

Thomas Hary übernimmt am 1. Januar die Erdweger Arztpraxis von Dr. Theodor Hegele, der in Teilzeit geht.

VON SIMONE WESTER

Erdweg – Mit 33 Jahren gründete Dr. Theodor Hegele als junger Allgemeinarzt seine erste Praxis in der Glonntalstraße in Erdweg. 33 Jahre später – seit 1994 ist die Praxis in der jetzigen Räumen an der Hauptstraße – geht er in den Teilzeitruhestand, wenn man es so formulieren mag.  

Denn ganz aufhören wird der allseits geschätzte und beliebte Arzt erstmal nicht. Vielmehr kürzer treten. Und das mit gutem Gewissen, denn die Patienten bleiben auch weiterhin in besten Händen – und zwar in vier und nicht wie bisher in zwei ärztlichen Händen. Denn seit Januar verstärkt der Allgemeinmediziner Thomas Hary das Team von Dr. Hegele. Und ab Januar kommenden Jahres wird Hary dann die Praxis offiziell übernehmen – mit Dr. Hegele als Kollegen an seiner Seite.

Die beiden Mediziner waren sich seit dem ersten Kennenlernen 2019 sofort sympathisch, merkten gleich, dass sie beruflich und privat auf einer Wellenlänge liegen. „Wir sind uns auch von der menschlichen Zuwendung sehr ähnlich“, betont Dr. Theodor Hegele und freut sich, dass die Patienten seinen Nachfolger auf Anhieb sehr positiv aufgenommen haben.

Trotzdem gilt: die Patienten entscheiden, zu wem sie gehen möchten – Rivalitäten gibt es zwischen den beiden Medizinern überhaupt nicht. Im Gegenteil: Jeder profitiert vom anderen, beide arbeiten Hand in Hand, wenn es die Situation erfordert. „Dieses Jahr ist das schönste Jahr seit meiner Niederlassung“, schwärmt der ehemalige „Einzelkämpfer“ Hegele von der guten Zusammenarbeit mit Hary.

Dieser sei nicht nur menschlich eine Bereicherung für das Erdweger Praxisteam und die Patienten, sondern auch fachlich. Denn Hary kann dank seiner Ausbildung und neuer Geräte nun auch in Hegeles Praxis Ultraschalluntersuchungen an Herz, Hals, Bauch, Schilddrüse und dem Venensystem durchführen. Thomas Hary hat nach seinem Studium an der LMU München einige Jahre im MVZ Dachau und Sulzemoos gearbeitet. „Das war eine sehr lehrreiche, eine sehr gute Zeit“, erinnert sich Hary. Vor allem „das Ländliche“ begeisterte den Mediziner.

In dieser Zeit merkte er auch, dass die Allgemeinmedizin viel mehr sein Ding war als die Innere Medizin. Die breite Aufstellung der Allgemeinmedizin, die erforderliche schnelle Diagnostik und breitgefächerte Versorgung – das alles faszinierte den dreifachen Familienvater so sehr, dass er beschloss, die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner zu machen. Die konnte er dann bei Dr. Hegele in Erdweg fortsetzen, schloss jetzt im Sommer seine Facharztprüfung erfolgreich ab und promoviert gerade. Nebenbei macht er auch noch den „Master of Health and Business Administration“ an der Friedrich-Alexander-Unversität in Erlangen/Nürnberg.

Trotz des hohen Arbeitspensums versucht Thomas Hary immer die Balance zwischen Arbeit und Familie zu finden. „Meine Kinder sehen mich jeden Abend vor dem Schlafengehen“, betont der 33-Jährige. Auch wenn es tagsüber seine Zeit zulässt, schaut er zuhause vorbei. Momentan ist Hary sogar in Elternzeit und arbeitet nur 20 Stunden die Woche in der Erdweger Praxis.

Das wird sich dann ab dem 1. Januar 2021 umdrehen. Denn ab da wird Dr. Hegele sein Pensum herunterschrauben – auf 20 Stunden. Er wird dann Montag, Dienstag und Mittwoch von 8 bis 13 Uhr vor Ort in der Praxis arbeiten, Donnerstag Hausbesuche machen.

Auch der Praxisname wird sich ändern. Ab dann heißt die Praxis offiziell: „Hausärzte am Erdweg“, in Anlehnung an das nahgelegene Traditionsgasthaus „Am Erdweg“.

Zusätzlich ist die Praxis auch Akademische Lehrpraxis und Kooperationspraxis des Instituts für Allgemeinmedizin der Ludwig-Maximilan-Universität in München. Somit werden auch Studenten in regelmäßigen Abständen in der Hausarztpraxis sein. Weiter plant Hary, die Praxis zu erweitern und barrierefrei zu machen.

Nachdem Dr. Hegele seine Praxis in besten Händen weiß, kann er sich in seiner Freizeit, die in den vergangenen 33 Jahren kaum vorhanden war, endlich seinen Hobbys widmen. Seine Frau Luitgard, mit der er zwei Kinder hat und die bisher für das Praxismanagement verantwortlich war, geht ab 1. Januar 2021 in Ruhestand. Gemeinsam zieht es die beiden in die Natur, auch auf kulturelle Unternehmungen freuen sich die Hegeles, wenn es das Pandemie-Geschehen wieder zulässt.

Ein Hobby nur für sich hat Dr. Theodor Hegele aber auch – er ist bekennender „Märklinist“ und will die freie Zeit in seine Eisenbahnleidenschaft stecken, die er von seinem Vater in die Wiege gelegt bekommen hat.

Trotzdem ist er froh, nicht nur freie Zeit zu haben, sondern weiterhin als Arzt weiterarbeiten zu können. Wie lange noch, das lässt Hegel oft. „Es ist ein open end“, so der 67-jährige Medizinier augenzwinkernd. Einfach so aufhören, wäre für den Vollblut-Hausarzt nie in Frage gekommen. Zu sehr sind ihm seine Patienten, die er zum Teil schon im Säuglingsalter kennengelernt hat, ans Herz gewachsen. „Hausarzt ist der wunderbarste Beruf“, schwärmt Dr. Hegele.

Und Thomas Hary pflichtet ihm bei – mit einem vertrauten Blick, der zeigt, dass sich beide blind verstehen, mögen und respektieren. Ein Gewinn für die Patienten.

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