Abstimmung über Schießstände bei Eichengrün walkertshofen

Die Zukunft des Vereins und des Dorfes

Eigentlich sollte bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Eichengrün-Schützen von Walkertshofen nur über geplante neue Schießstände abgestimmt werden. Doch am Ende der teils hitzigen Diskussion ging es um mehr: um das Leben im Dorf und die Wirtschaft.

Walkertshofen– Aktuell dürfen die Eichengrün-Schützen von Walkertshofen noch die Schießstände im örtlichen Gasthaus Bockschneider benutzen. Doch die Wirtschaft hat ihren regulären Betrieb eingestellt, die Zukunft ist ungewiss. Auch für die Schützen, die bisher nur eine mündliche Zusage des Besitzers haben, dort erst mal weiterschießen zu dürfen.

Deswegen hat sich die Führungsriege des Schützenvereins zusammen mit Benno Schegg Gedanken über einen neuen Schießstand gemacht. Dafür gibt es zwei Varianten, die bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vorgestellt wurden. Rund ein Viertel der etwa 200 Mitglieder war dazu in die Perchtold-Halle gekommen.

Vorschlag eins stellte Schützenmeister Josef Perchtold vor: ein weitgehend unterirdischer Neubau auf dem Gelände des alten Lehrerhauses, wo einmal ein Neubau mit Sozialwohnungen geplant ist. Der Nachteil: Die Hanglage, und jeweils ab 22 Uhr wären Schallschutzauflagen zu beachten, so Perchtold.

Baufachmann und Vorstandsmitglied Benno Schegg warb anschließend für Variante zwei, die bereits im Gemeinderat Erdweg Gefallen gefunden hat. Die zehn Schießstände sollen im Gartenteil des angrenzenden Schulhauses in Walkertshofen als unterirdischer Bau entstehen samt Sanitär- und Kücheneinrichtung. Nach Beendigung der Baumaßnahme wäre der Garten sogar weiterhin nutzbar, beispielsweise für Dorffeste. Oberirdisch wären nur zwei Treppenabgänge zu sehen. In einer zweiten Ausbaustufe könnte auch das Erdgeschoss des alten Schulhauses einbezogen werden als Begegnungsstätte für die Schützen und andere Vereine.

Mit dieser Variante wären die Schützen weit genug entfernt von den geplanten Wohnungen, aber nah genug, um die Parkplätze des Friedhofs mitbenutzen zu können. Der umbaute Raum beträgt rund 800 Kubikmeter. Der Nachteil: Alle Räume müssen ohne Tageslicht auskommen, auch der Vorbereitungsraum, der zusammen mit den 127 Quadratmetern der Schießstände durch eine mobile Trennwand zu einem Saal für gemütliche Zusammenkünfte oder für Schützenbälle erweitert werden kann.

Die Kosten: rund 476 000 Euro (Variante eins: 560 000 Euro). Kassier Bernhard Schöberl rechnet aber mit 45 Prozent Zuschuss vom Bayerischen Sportschützenbund, mit Spenden und viel Eigenleistung.

Doch gerade bei diesem Thema schieden sich erstmals die Geister. Für die Schalung, also die wasserdichte Wanne, seien ein Kran und Profis nötig. „Da sind wir Anfänger fehl am Platz“, erklärte Johann Perchtold.

Der Besitzer des Anwesens, wo die Versammlung stattfand, und mit ihm einige andere, zeigten sich im Laufe der Diskussion zunehmend unzufrieden. Für sie sei die erste Option, das Wirtshaus zu kaufen und herzurichten. Hier aber gibt es vor allem Probleme mit dem Grundwasser. Josef Perchtold betonte zudem, dass es für den Erhalt einer Wirtschaft keine Zuschüsse vom BSSB gibt. Und man wisse doch gar nicht, welche Absichten der Besitzer der Wirtschaft wirklich hat. Hedwig Thätter vertrat die Meinung, dass Walkertshofen einen Treffpunkt brauche. Aber man solle doch warten, was der Besitzer des Bockschneider unternimmt.

„Es geht doch jetzt nur darum, die sportliche Zukunft des Vereins zu erhalten“, rief Bernhard Schöberl etwas entnervt in den Raum. „Und mir geht es darum, das Dorfzentrum zu erhalten“, konterte Zuhörer Michael Öttl. „Dann können wir auch eine Hütte einrichten, wenn ihr meint, wir brauchen das Schützenheim nicht mehr“, zeigte sich Schützenmeister Perchtold ein wenig entsetzt.

Am Ende kam es doch noch zu einer Abstimmung. Variante eins, der Bau neben dem Lehrerhaus, wurde verworfen. Stattdessen ist erste Option, das Wirtshaus zu erhalten. Wenn dies nicht gelingt, wird die zweite, unterirdische Variante weiterverfolgt. Dafür sprachen sich 43 Mitglieder aus bei zehn Enthaltungen und drei Nein-Stimmen, wie die von Günther Ditzinger: „Das sprengt unseren Rahmen.“ Das Schlusswort sprach Benno Schegg: „Das ist mein Heimatort, und wir haben einen Verein. Wenn der zerbricht, haben wir gar nichts mehr.“

Sabine Schäfer

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