Johann Mertl
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Johann Mertl brachte den Antrag ein.

Keine Akzeptanz für ein weiteres Windrad

Energiewende hin oder her – ein zweites Windrad wird es in der Gemeinde Erdweg so schnell nicht geben. Der Gemeinderat lehnte einstimmig einen entsprechenden Antrag ab.

Erdweg – Der frühere Großberghofener Gemeinderat Johann Mertl hatte den Antrag bereits im März eingebracht. Wegen Corona und dem Ende der Legislaturperiode vereinbarte Bürgermeister Christian Blatt mit Mertl, die Thematik zu anderer Zeit und nach einer Einarbeitungsphase des neuen Gremiums zu behandeln.

In der Schulaula warteten über 30 Zuhörer nun darauf, wie das brisante Thema angegangen wird. Johann Mertl wurde sogar Rederecht eingeräumt. Dabei stellte sich heraus, dass Mertl zwar vier bis fünf Standorte für ein weiteres Windrad nennen könnte, aber eigentlich nur anregen wollte, ökologischen Regionalstrom voranzutreiben. Mertl führte die Gemeinde Fuchstal im Landkreis Landsberg am Lech an, wo dies bereits beeindruckend gut funktioniere. Der erzeugte Strom könne unter anderem günstig an die Gemeindebürger verkauft werden, und es würden sogar Gewerbesteuereinnahmen fließen.

Der Erdweger Gemeindechef stellte eine differenziertere Sachlage dar. Normalerweise müssten Windräder nach der 10-H-Regelung gebaut werden. Die schreibt seit 2014 vor, dass ein Windrad in Bayern einen Mindestabstand vom Zehnfachen seiner Höhe zur nächsten Wohnbebauung einhalten muss, um die baurechtliche Privilegierung im Außenbereich beizubehalten. Kommunen könnten aber eine Ausnahme machen, unter anderem durch die Aufstellung eines Teilflächennutzungsplans. Bei der Genehmigung 2016 habe zwar die Annahme gegolten, dass Windkraftanlagen im Gemeindegebiet Erdweg zum wirtschaftlichen Betrieb eine Höhe von 200 Metern benötigen, also ein Mindestabstand von 2000 Metern eingehalten werden müsse. Dass im Buchwald doch eins von drei geplanten Windrädern im Abstand von rund 900 Metern zu Wohnbebauung gebaut werden durfte, lag aber an der Möglichkeit, im Zuge des Bauleitverfahrens Baurecht zu schaffen.

Verfahren ist ganz schön aufwändig

Damals wie heute würde aber eine intensive Interessensabwägung inklusive Öffentlichkeits- und Bürgerbeteiligung gelten und es müssten Konzentrationsflächen in der Gemeinde dargestellt werden. Diese Bauflächen im Flächennutzungsplan müssten sicher und ausreichend sein, um eine Negativplanung zu verhindern. Ist alles abgeprüft und beispielsweise auch die Erschließungsplanung erledigt, bestehe Baurecht für jedermann.

Der Gemeindechef erklärte auch, dass er sich bei einem Bürgermeisterkollegen informierte habe. Das Fazit: Ein solches Verfahren wäre aufwendig, was Personal und Kosten betrifft. Zudem gebe es in diesem Fall kein Konzept, keine Strategie, keine Vorarbeit durch eine Gesellschaft und niemanden, der eine Kostenübernahme unterschreiben würde. „Wir zahlen und irgendein Investor setzt ein Windrad hin. Das ist eine Chance, aber auch ein Risiko, wer da baut“, so Christian Blatt. Zudem stelle sich die Kommune ohnehin mit der Energieversorgung auf möglichst eigene Beine. Ihm war außerdem die gesellschaftliche Seite wichtig. „Wir haben schon einmal ein solches Verfahren erlebt, und es gab einen Riss in der Gesellschaft. Für eine Gemeinde ist das nicht vorteilhaft.“

Die gesellschaftliche Spaltung im Dorf hob auch Helmut Bayer (Freie Wählergruppe Welshofen) hervor. Außerdem gehe es nach wie vor um Arten- und Umweltschutz.

Zweiter Bürgermeister Otmar Parsche (Freie Wähler Erdweg) sagte klipp und klar: „Ich unterstütze ein solches Bauleitverfahren nicht.“ Das finanzielle Risiko sei zu hoch, man wisse nicht, wer bauen will und „wir laufen Gefahr, eine solche Diskussion noch einmal zu entfachen“.

Andreas Höchtl (CSU) und Michael Graf (Wählergemeinschaft Unterweikertshofen) plädierten dafür, in andere Energien zu investieren.

Für Stefan Göttler (Überparteiliche Wählergemeinschaft Eisenhofen), Matthias Osterauer und Ralph Bibinger (beide Freie Wähler Erdweg) sind Kosten und finanzielles Risiko zu hoch. Bibinger betonte: „Wenn, dann gibt es für mich nur ein echtes Bürgerwindrad.“

Die gesellschaftliche Akzeptanz und eine genossenschaftliche Beteiligung der Bürger war auch Günter Sommermann (Freie Wählergemeinschaft Kleinberghofen) ein Anliegen. Es sei zwar wichtig, erneuerbare Energie auszubauen, aber „um wirtschaftlich zu arbeiten, braucht man unter einer Höhe von 200 Metern gar nicht erst anzufangen“.

Am Ende stimmte das Gremium einmütig gegen die Planung eines weiteren Windrades. Johann Mertl war dennoch nicht enttäuscht. Gegenüber den Dachauer Nachrichten sagte er: „Ich wollte eine gute Diskussion anstoßen und das ist ja gelungen.“

sas

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