Bürgerversammlung in Kleinberghofen

Im Bürgerhaus übers Bürgerhaus debattiert

Die letzte der fünf Bürgerversammlungen für die Gemeinde Erdweg hat Bürgermeister Christian Blatt im Bürgerhaus Kleinberghofen abgehalten. Und das Bürgerhaus wurde dabei selbst zum Thema.

Kleinberghofen– Hans-Jürgen Kollmer vom örtlichen Krieger- und Soldatenverein wollte wissen, ob Vereine für die Nutzung des Bürgerhauses zahlen müssen. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass der Pächter für Veranstaltungen bis zu 200 Euro verlangen könne. „Natürlich soll auch der Wirt entlohnt werden, aber das Bürgerhaus ist einst von Bürgern in zig Arbeitsstunden aufgebaut worden. Bei der Saalmiete für Vereine gehört eine Null herein“, forderte Kollmer.

Bürgermeister Christian Blatt versicherte Kollmer, er habe sich den Pachtvertrag sehr genau zu Gemüte geführt. Schließlich gebe es fünf Nutzer, unter anderem den Theater- und der Schützenverein sowie eine Kindergartengruppe, also die Gemeinde selbst. Bei der Nebenkostenabrechnung habe die Verwaltung schon einiges rausgestrichen. Die Klausel, dass das Bürgerhaus nur einmal im Jahr, beispielsweise für Dorffeste, kostenfrei für Vereine sei, sehe er als unwirksam an. Ihm schwebe eine Lösung vor wie beim Wirtshaus in Erdweg, wo der Wirt nur die Stube unten gepachtet hat. Alle Veranstaltungen in den Sälen werden aufgelistet. Handelt es sich um einen Verein, entfällt die Saalmiete.

Auch nach neuen Gewerbegebieten wurde gefragt. Der Gemeindechef sprach dabei von ersten Planungen, „aber nichts, was man jetzt öffentlich sagen könnte“. Fest stehe, dass die hiesigen Gewerbetreibenden Flächen zum Expandieren brauchen und dass sich die Gemeinde moderaten Zuzug wünsche, vor allem von Gewerbe, das nicht emissionslastig ist.

Angesichts des Wohngebiets Pirschgang in Kleinberghofen stellte Josef Fottner die Frage, ob die Gemeinde Bauraum um jeden Preis ausweisen solle. Weder habe die Infrastruktur mitgehalten, noch die Verkehrswege.

In diesem Zusammenhang wies Blatt auf einen Gesamt-Nahverkehrsplan hin, der derzeit im Kreistag diskutiert werde. „Aber was da passiert, weiß ich nicht, denn ich bin nicht im Kreistag. Das müsste man 2020 ändern“, schmunzelte der Erdweger Gemeindechef mit Blick auf die Kommunalwahlen.

Doch auch Hans-Jürgen Kollmer sprach die Nachverdichtung an. Christian Blatt wiederum zeichnete das Problem der Kommune auf: So habe es viel Widerstand gegeben gegen das Mehrparteienhaus in Eisenhofen „Sandgrube“. Auf der anderen Seite brauche die Gemeinde bezahlbaren Bauraum, bezahlbare Wohnungen und unterschiedliche Wohnformen. „Es ist schwierig, es jedem recht zu machen“, fasste Blatt den Konflikt zusammen, Wohnraum zu schaffen und das Ortsbild zu erhalten.

„Wir bekommen zum Beispiel kein Personal für die Kindergärten, weil die, die sich dafür interessieren, keinen Wohnraum finden“, konterte Blatt Willi Lochners Einwurf, die dichte Bebauung am „Pirschgang“ sei furchtbar. Die Bürger führten noch ein anderes Problem der Nachverdichtung an, wie beispielsweise in der Schießstattstraße, für die Hans-Jürgen Kollmer um eine Ortsbesichtigung und Michael Flamensbeck generell um mehr Parkverbote in Kleinberghofen bat. „In dem Moment, wo jemand eine Garage hat, ist die voll mit Gerümpel, und die Autos stehen auf der Straße“, so Flamensbeck. Dafür sah Christian Blatt aber keine rechtliche Handhabe. Momentan gebe es die Verordnung: pro Wohneinheit zwei Stellplätze. Der Gemeinderat lasse auch keine Ablöse von Stellplätzen zu. „Auch bei Nachverdichtungen sind wir konsequent.“ Den ruhenden Verkehr ebenfalls zu überwachen, sei eine finanzielle Frage, weil es sich nicht lohnt.

sas

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