Feier nur in abgespeckter Form

Aus Pilotprojekt wurde Meilenstein - Pfarrverband Erdweg feiert sein 50-jähriges Bestehen

Priestermangel ist nicht erst in der heutigen Zeit ein Thema. Einige wenige Seelsorger in Oberbayern hatten bereits in den frühen 60er Jahren mehr als nur eine Pfarrei mitzubetreuen. Das und eine neue Sicht von Glauben und Kirche führten 1970 zur Gründung des Pfarrverbands Erdweg. Her feiert er sein 50-jähriges Bestehen feiert – wegen Corona aber in sehr abgespeckter Form.

Damals war das Pfarrzentrum eine Baustelle. Die Pläne studierten (v.l.): Pastoralreferent Hans Nürnberger, Erdwegs Bürgermeister Ludwig Ostermair, Pfarrsekretärin Anneliese Bayer, Pfarrer Engelbert Wagner und Robert Prunitsch, stellvertretender Pfarrverbandsrats-Vorsitzender.

Erdweg – „Die Zukunft der Kirche auf dem Land“ beschäftigte damals die Katholische Landjugendbewegung, die Katholische Landvolkbewegung in der Diözese München und Freising und die Katholische Landvolkshochschule Petersberg. Denn gerade in den relativ kleinen Pfarreien mussten immer schon Wege gesucht werden, das Glaubensleben aufrecht zu erhalten. „Andachten und Rosenkränze wurden selbstständig gebetet und die Vorbereitung und Gestaltung vieler kirchlicher und dörflicher Feste lag fest in der Hand von Laien.“

Das II. Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) gab zusätzlich den Anstoß dafür, dass alle Getauften und Gefirmten sich in das Leben einer (Kirchen-)Gemeinde einbringen sollten – nicht nur die Priester und seelsorglichen Mitarbeiter. So beschreibt Anneliese Bayer in einem Aufsatz zum geplanten Erdweger Heimatbuch die Situation. „Das Priestertum aller“ wurde umfassend diskutiert, auch vor dem Hintergrund, dass auf dem Land eine schwindende Zahl von Pfarrern immer mehr Pfarreien betreuen musste.

Vor allem Pfarrer Otto Steinberger vom Petersberg lud immer wieder Pfarrgemeinderäte und andere Ehrenamtliche ein, sich Gedanken zu machen, wie man trotz allem die Kirche im Dorf belassen und trotzdem neue Schritte gehen kann. Er regte einen Pfarrverband an.

Die Diözese wollte ein solches Pilotprojekt zunächst in Massenhausen testen. Nachdem dies aus verschiedenen Gründen doch nicht möglich war, wies Steinberger auf die bereits bestehende Zusammenarbeit einiger Gemeinden im Schulbereich hin, was 1967 zur Gründung der Verbandsschule Erdweg führte. Obendrein war die Bildung der politischen Gemeinde Erdweg bereits im Gespräch, die 1972 auch geschah.

Der Raum Erdweg bot sich daher förmlich an. Hier wurden gleich drei Seelsorgestellen frei.

Schließlich wagte sich Pfarrer Engelbert Wagner daran, einen Pfarrverband aufzubauen. Wagner war damals erst 30 Jahre alt und Kaplan in Dachau. Zunächst wurde er ständiger Pfarrvikar in Walkertshofen-Erdweg und nebenamtlicher Pfarrvikar in Welshofen-Unterweikertshofen. Zum Pfarrverband sollten außer diesen beiden Gemeinden noch Großberghofen, Kleinberghofen, Hirtlbach/Eisenhofen und Arnbach kommen. Dieser Zusammenschluss ergab 1970 eine Katholikenzahl von 3300.

Sinn eines Verbandes war es, die kleinen Pfarreien eigenverantwortlich und selbstständig zu erhalten und mit Leben zu erfüllen. Die Dörfer sollten weder geistig noch geistlich aushungern. Ein Team von Hauptamtlichen – Priestern und Laien, wie beispielsweise Katecheten und Verwaltungshilfen – sollte eine sinnvolle Aufgabenteilung und gleichzeitig Spezialisierung unter anderem im Sozialbereich ermöglichen.

Anneliese Bayer kannte Otto Steinberger bereits von der Landjugend, ließ sich vom Schwung Steinbergers und Wagners anstecken und wechselte am 1. Januar 1971 von der Sparkasse Indersdorf, wo sie acht Jahre lang gearbeitet hatte, zum Pfarrverband Erdweg. Sie übernahm dort die Verwaltung und Organisation. „Unser erstes Pfarrbüro war in der Wohnung des Pfarrers“, berichtet die heute 74-Jährige, die erste Angestellte für Verwaltung und Organisation (im landläufigen Sinn Pfarrsekretärin) wurde.

Das Pfarrzentrum ist ein Ort der Begegnung, wie hier beim Weltjugendtag 2005.

Nicht alle waren sofort begeistert, so Bayer, doch die meisten ließen sich vom neuen Glaubens- und Kirchenverständnis begeistern. Kirchenverwaltungen wurden eingesetzt, Bibel- und Familienkreise bildeten sich, sowie Kommunion- und Firmgruppen. Das kirchliche Ehrenamt, beispielsweise in der Jugendarbeit oder der Erwachsenenbildung, erfuhr eine gehörige Aufwertung.

Außerdem entstanden neue Berufe: Pastoral- und Gemeindeassistenten oder Gemeindereferenten. Schon 1970 wurde die erste Sternwallfahrt zum Petersberg veranstaltet und 1972 mit dem Bau des Pfarrzentrums mit einem Saal und einer Kapelle samt einer Bücherei in Erdweg begonnen. Das Pfarrzentrum war und ist bis heute ein Treffpunkt aller Gemeinden, ein Haus für Gottesdienste, Feste und Versammlungen. 1976 kam der Kindergarten St. Paul dazu, 1979 ein Pfarrhaus. Ein weiterer wichtiger Meilenstein waren Gemeindemissionswochen, die verschiedene Personen- und Altersgruppen ansprachen.    

Ein Markenzeichen des Pfarrverbands ist seit jeher der große Einsatz für Projekte der Dritten Welt. „Es war viel Arbeit und Ausprobieren. Wir hatten aber auch viel Freiheit“, so Anneliese Bayer, die als Pfarrsekretärin eine wichtige Kontakt- und Schaltstelle war, später mit weiteren Mitarbeiterinnen Termine und Veranstaltungen organisierte, einen gewissen Etat zu verwalten hatte und für alle, die Hilfe brauchten, ein offenes Ohr hatte.

Anneliese Bayer fürchtet aber, dass die Pfarrer bald noch mehr Gemeinden zu betreuen haben: „Die Leute müssen weiter mitmachen. Sie sollen sehen, dass es auf sie ankommt.“ Sie und ihr Mann sind tätig im Arbeitskreis „Mission-Entwicklung-Frieden“, im Pfarrverbandsrat, im Kirchenchor Erdweg, in der Bücherei, bei Projekten wie z.B. das Pastoralkonzept, oder Veranstaltungen zu 50 Jahre Pfarrverband.

Zum Jubiläum findet am Sonntag, 13. September, um 10 Uhr die 50. Sternwallfahrt am Petersberg statt.

Rubriklistenbild: © Pfarrverband Erdweg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Weil er das Liebesspiel filmte: Frau (21) zerkratzt Mercedes AMG ihres Ex
Weil er das Liebesspiel filmte: Frau (21) zerkratzt Mercedes AMG ihres Ex
Schuhersteller Lowa übernimmt Nachwuchs
Schuhersteller Lowa übernimmt Nachwuchs
Spielplatz bleibt beim 1. FC
Spielplatz bleibt beim 1. FC
Bürgerversammlung in Dachau: Bekannte Themen im kleineren Kreis
Bürgerversammlung in Dachau: Bekannte Themen im kleineren Kreis

Kommentare