Jungstorch in seinem Horst
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Der Jungstorch hält sich ganz still in seinem Nest auf dem Dach der Eisenhofener Kirche. 

Landesbund für Vogelschutz beringt den ersten Jungstorch seit 20 Jahren in Eisenhofen

Der kleine Storch ist ein „verzogenes Einzelkind“

Ganz Eisenhofen ist stolz auf das kleine Storchenbaby auf dem Horst des Eisenhofener Kirchturms.

Eisenhofen – 20 Jahre ist es her, dass zuletzt ein Storchenbaby vom Horst der Eisenhofener Kirche auf den Friedhof und den künftigen Kindergarten geblickt hat. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) hat dem Jungstorch nun seinen Erkennungsring angelegt.

„Verzogenes Einzelkind“, sagt der Mitarbeiter der Vogelwarte Radolfzell, Clemens Krafft, schmunzelnd, als er davon erzählt, wie er dem Storch den Ring um die zarten Fesseln legte. Mit einem Leiterwagen fuhr der Vogelexperte bis an die Spitze des Kirchturms in schwindelerregende Höhen, um sich dann zentimeterweise dem Horst aus Edelstahl zu nähern.

Normalerweise verfällt ein Vogel in eine Akinese, das heißt, er stellt sich tot. Der vier Wochen alte Storch war offensichtlich skeptisch angesichts des drohenden Unheils, denn „er hat mich gezwickt“, bevor er ihm die Kennung 07A3M07 angelegt hat.

Der Horst der Storchenfamilie war dieses Jahr wieder hart umgekämpft. Deshalb dauerte es, bis der kleine Storch auf der Welt war. „So spät hatten wir noch nie einen Jungvogel“, sagte Michael Keller von der Unteren Naturschutzbehörde. Die Klimaveränderungen sind auch bei den Störchen zu spüren. Früher zogen sie viel früher in den Süden gen Gibraltar, heute schaffen es die meisten nur bis Frankreich oder sie bleiben ganz in Deutschland.

Der Vogelschützer erklärt, woher er das weiß. Die Vögel reisen meistens in festen Zugscheiden, sodass Ornithologen diese aufspüren und mit Feldstechern das Alter und die Herkunft der Vögel anhand der Ringnummern bestimmen können, sagt Krafft. Das zweite Pärchen, das im an den Landkreis angrenzenden Hohenkammer derzeit wohnt, stammt beispielsweise aus der Schweiz.

Simon Grahammer ist ein Anwohner der Eisenhofener Kirche. Er beobachtet die Störche schon seit Langem und liefert den Vogelkundlern wertvolle Hinweise über die Lage des Storchenpaares. Wenn die Wiesen beispielsweise gemäht wurden, sah er kurz danach die beiden Eltern, wie sie immer wieder ihren Schnabel in die Erde stießen, um Schnecken und Regenwürmer für ihr Küken zu ergattern.

Das Geschlecht lässt sich übrigens erst später bestimmen. Vier Wochen wird der Jungstorch wohl noch versorgt werden müssen, bevor er die Kraft und die Größe hat, erste Flugversuche zu unternehmen und auf eigenen Beinen zu stehen.

Cyrus Mahmoudi, Vorsitzender der Kreisgruppe Dachau des Landesbundes für Vogelschutz, will dafür sorgen, dass der Edelstahlhorst im Landkreis kein Einzelfall bleibt. „Wir planen, zwei weitere Horste zu errichten, wenn wir geeignete Standorte und Sponsoren gefunden haben“, sagt Mahmoudi. „Wir würden uns freuen, wenn weitere Gemeinden uns unterstützen.“

Wenn eine Gemeinde

Interesse hat oder sich jemand als Pate finanziell beteiligen möchte, kann er oder sie sich bei Cyrus Mahmoudi unter der Telefonnummer 0 81 37/64 59 820 melden. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite www.lbv-dachau.de.

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