+
Schloss für immer die Augen: Hans Graf von Hundt zu Lautterbach. 

Zum Tod von Dr. Hans Graf von Hundt zu Lautterbach

Trauer um Visionär und Familienmensch

  • schließen

Der Schlossherr von Unterweikertshofen ist tot. Dr. Hans Graf von Hundt zu Lautterbach ist am Sonntag im Alter von 87 Jahren verstorben – nach einem reich erfüllten Leben. Er fühlte sich mit den Bürgern stets eng verbunden.

Sein Leben war die Familie: Dr. Hans Graf von Hundt zu Lautterbach hatte vier Kinder, insgesamt 15 Enkel erfüllten den liebevollen „Opapa“, wie er genannt wurde. Am vergangenen Sonntag starb der Schlossherr von Unterweikerthofen im Alter von 87 Jahren.

Geboren wurde er 1932 in München als Sohn des Molkereidirektors Dr. Otto Belli de Pino und Gerda Belli de Pino, geborene Gräfin Hundt zu Lautterbach. Er wuchs in Rosenheim auf und verbrachte seine Ferien in Unterweikertshofen bei seinen Großeltern. Nach einer landwirtschaftlichen Lehre erfolgte das Studium inklusive Promotion in Landwirtschaft in Weihenstephan, auf Wunsch der Mutter. „Sein Wunsch wäre jedoch Journalist oder Schriftsteller gewesen“, berichtet sein Sohn Georg Graf von Hundt. Seine aktive Zeit bei der Studenten-Verbindung der Agilolfia in Freising prägte seinen engen Freundeskreis und seine beruflichen Verbindungen zu den Molkereien.

1962 heiratete Hans Graf von Hundt Leonie von Ondarza. Auf die Frage, warum er als eingefleischter Bayer eine Braut aus Südschweden ehelicht, war seine Ausrede, dass Leonie in Österreich geboren worden sei. Es wurde die Liebe seines Lebens bis zu seinem Tod.

Mit ihr begründete er seine Familie erst in Nürnberg, wo er in der Molkereizentrale Bayern arbeitete. Dort wurden zuerst Wolf-Dietrich und ein Jahr später Desi geboren. „Es war ihm so wichtig, das sein Erstgeborener ein waschechter Münchner wird, dass er die werdende Mutter kurzerhand ins Auto packte und mit ihr nach München düste“, berichtet Sohn Georg von Hundt. Über der Donau war der erleichtete Kommentar des werdenden Vaters: „Gott sei Dank, jetzt wird’s schon mal a Bayer!“ Sie schafften es noch rechtzeitig nach München in die Geburtsklinik.

Es folgte der berufliche Wechsel nach München, wodurch die kleine Familie nach Pasing in die Peselmüller Straße siedelte. Dort erblickte Stephanie das Licht der Welt.

Sein nächster beruflicher Wechsel war bis zu seiner Pensionierung der endgültige, nämlich zum Milchprüfring Bayern e.V. als Geschäftsführer. Dabei waren ihm besonders die Anliegen der Milchbauern und die gesamte Milchwirtschaft in Bayern über drei Jahrzehnte eine Herzensangelegenheit. Die Familie baute sich ihr Eigenheim in Krailling, und das Nesthäkchen Georg vervollständigte sein Glück.

Mit dem Tod seiner Mutter übernahm Hans Graf von Hundt die Betriebe samt der Schlösser Lauterbach und Unterweikertshofen. Früh engagierte er sich in der Gemeinde Unterweikertshofen als Gemeinderat und zweiter Bürgermeister bis zur Gebietsreform. Die Ortschaften Weikertshofen und Lauterbach samt Bürgern lagen ihm sehr am Herzen. Er war sehr bürgernah. Von seinem Großvater, aber besonders von seiner Großmutter als Vorbild fühlte er sich mit den Bürgern in den Dörfern Lauterbach und Unterweikertshofen verbunden. Mit dem Heranwachsen der Kinder zog es die Familie schließlich ganz nach Unterweikertshofen. Dort genoss er das Leben inmitten seiner Familie in vollen Zügen. Gleichzeitig renovierte und erneuerte er die Schlösser Lauterbach und Unterweikertshofen, bewältige zudem seine Arbeit als Geschäftsführer – und war ein fürsorglicher Vater und Ehemann. „Sein schönster Karriereschritt war der zum Opapa“, erzählt Georg von Hundt. 13 Enkelkinder nahmen ihren Opapa an den Wochenenden in Beschlag.

Nach den verherrenden Stürmen Vivian, Wibke und Lother, die den Forstbetrieb verheerend trafen, zeigte er sich als Visionär, wie sein Sohn Georg von Hundt sagt. Was heute als zukunftsfähige Wälder gepriesen werden, begann Graf Hundt bereits vor 30 Jahren. Konsequent, mit fach- und tatkräftiger Unterstützung von seinem kompetenten und unersetzbaren Förster Hans Staimer, strukturierte er den Wald von einer Fichtenmonokultur in einen klimastabilen nachhaltigen Mischwald um. Im Jahr 1994 übergab er den Betrieb an die beiden Söhne Georg und Wolf-Dietrich. Streit und Zwist war ihm dabei stets zuwider. „Gib an Frieden“, sagte er oft. „Frieden war ihm heilig“, so Georg von Hundt. Es war ihm das Wichtigste, mit seiner Frau, den Kindern und Enkelkinder harmonisch und friedlich zu leben. „Streit vertrug er gar nicht.“

Nach seiner Betriebsübergabe genoss er seine neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen. Reisen mit Leonie, ein Häuschen in Spanien, Treffen mit seinen Rotariern und meist begleitet von sehr viel Literatur und Musik war nun sein Lebenselixier. Sein Leben war zudem geprägt vom tiefen und innigen Glauben an Gott. Gerne besuchte er die Messe, und gerne hörte er, gerade im Garten arbeitend, die Glocke.

„Wir alle werden ihn mit seiner Warmherzigkeit, seinen Witz und Humor, seiner Großzügigkeit und Liebenswürdigkeit vermissen, aber die Dankbarkeit wird mehr und mehr die Trauer besiegen“, so Georg Graf von Hundt. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

2020 keine Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Hilgertshausen-Tandern
Nahezu in allen bayerischen Städten und Gemeinden wird bei den Kommunalwahlen auch der Bürgermeister gewählt. Nicht so in der Gemeinde Hilgertshausen-Tandern.
2020 keine Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Hilgertshausen-Tandern
Wagner und Liebl wollen Landratsjob
Stefan Löwl (CSU) hat zwei weitere Konkurrenten bekommen, die ihm seinen Posten als Landrat streitig machen. Achim Liebl (Grüne) und Dagmar Wager (Freie Wähler) sind nun …
Wagner und Liebl wollen Landratsjob
Alte Römerstraße wird vier Wochen lang voll gesperrt
Die Bauarbeiten an der Alten Römerstraße verzögern sich. Und die Straße muss sogar voll gesperrt werden. Vier Wochen lang.
Alte Römerstraße wird vier Wochen lang voll gesperrt
Fällt das neue Semester aus? Landwirtschaftsschüler hängen in der Luft
Das neue Semester an der Landwirtschaftsschule in Puch steht auf der Kippe: Es haben sich zu wenig junge Leute angemeldet. Die 12 Interessenten schweben nun samt ihren …
Fällt das neue Semester aus? Landwirtschaftsschüler hängen in der Luft

Kommentare